Leah Remini – Troublemaker. Surviving Hollywood and Scientology (Hörbuch)

Leah Remini dürfte vielen vor allem als Carrie Heffernan in King of Queens ein Begriff sein; und mittlerweile auch als sich sehr öffentlich gegen die Kirche von Scientology äußernde Ex-Scientologin.

In

Troublemaker. Surviving Hollywood and Scientology

erzählt sie offen und schonungslos von ihrem Leben bei, mit und ohne Scientology, aber auch von ihrem Leben in Hollywood, und schließlich noch eine wirklich schräge Liebesgeschichte. Von der Kindheit in Brooklyn über Teenagerjahre in Florida bei der Sea Org, der Eliteabteilung von Scientology, und nachfolgend in Kalifornien, bis hin zu ihrer mühsam erarbeiteten Karriere außerhalb der Sekte, die ihr irgendwann sogar Celebrity-Status einbrachte (und natürlich Kontakt mit Tom Cruise), bis schließlich zu ihrem Bruch mit der Organisation und den Gründen dafür reicht dieses Buch.

Ich habe die – aus unerfindlichen Gründen derzeit nicht bei Audible zu findende – Hörbuchversion gehört, die Leah Remini selbst spricht. Das macht schon wegen Remini viel Spaß, die ihr italoamerikanisches Temperament auch in ihren Vortrag einbringt, man sieht sie förmlich vor sich stehen beim Zuhören, kann ihre Mimik und Gestik dazu gut erahnen. Ihr Vortrag ist sehr unterhaltsam, selbst bei eher bedrückenden Themen, und ich kann diese Fassung nur sehr empfehlen.

Das Buch an sich zeigt sehr präzise auf, dass Scientology eine Macht- und Geldmaschine ist, in der Kinder (und Erwachsene) systematisch ausgebeutet werden, in der schulische Bildung sträflich vernachlässigt wird, Familien auseinandergerissen werden, der Einzelne keinen Wert besitzt.  Die Sekte hat die totale Kontrolle über ihre Mitglieder  die, wenn sie bei Scientology angestellt sind oder “erzogen” werden, kostenlos oder für Centbeträge schwerste körperliche Arbeit leisten müssen, misshandelt werden, und das alles in einer Kultur, in der das gegenseitige Denunzieren als “gut” angesehen und sogar als Kirchenregel gefordert wird, Unweigerlich frage ich mich, wie so etwas in einem zivilisierten Staat überhaupt möglich ist. Ich hoffe, in Europa wäre so etwas unter dem Deckmantel religiöser Freiheit nicht denkbar.

Remini tischt schonungslos all ihre Verfehlungen im Leben auf, mit einem nur halb augenzwinkernden: “Schau her Scientology, was immer du meinst über mich an Dreck veröffentlichen zu können, habe ich schon vor euch zugegeben.” Dabei ist ihre Biographie nicht darauf aus, Personen anzugreifen, ja selbst ihr Glauben an das Gute in Scientology ist immer noch tief in ihr verankert und spürbar, und hält sich beinahe bis zuletzt. Doch das, was sie erlebt hat, lässt ihr irgendwann keine Wahl mehr, als mit der Kirche zu brechen, auch auf das Risiko hin, mehr oder weniger den größten Teil ihrer Freunde und Familie damit für immer zu verlieren.

Selbstredend darf auch ein Exkurs zum Irrsinn der Causa Tom Cruise bei Scientology (nebst Hochzeit mit Katie Holmes, von Scientology gestellter “Freundin” etc.) nicht fehlen. Der Bericht von der Reise zur Cruise-Holmes-Hochzeit in Italien, gemeinsam mit JLo und Marc Anthony, lässt mich stundenlang nicht aus dem Kopfschütteln heraus kommen. Das bis heute ungeklärte Verschwinden von Shelley Miscavige, der Ehefrau des derzeitigen Kirchenoberhauptes David Miscavige, ist eine weitere Sache, die mir atemloses Erstaunen abringt. Das Buch endet in der Zeit, als Leah – post-Scientology- Kontakt mit anderen Ex-Scientologen aufnimmt. Der interessanteste Punkt ist aber: Remini hat alles, was sie erreicht hat, nicht durch Scientology, sondern trotz Scientology erreicht,

Eine Menge von dem, was Remini hier (über Scientlogy) vorträgt, wusste ich bereits, nicht zuletzt aus ihrer Serie über Scientology, und dem (sehenswerten) filmischen Projekt von Louis Theroux, My Scientology Movie. Und doch ist es immer wieder erschreckend – wie eine Dystopie aus einem SciFi-Roman, die aber dennoch tagtäglich in den USA stattfindet.

Bei aller Düsternis hinsichtlich der Sekte ist Troublemaker  sehr locker und vergnüglich zu lesen bzw. zu hören, hoch informativ und unterhaltsam.

Bewertung: ★★★★☆ 

 

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