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Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte

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Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte:
Goldene Regeln für gute Ernährung
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von Michael Pollan, illustriert von Maira Kalman

Michael Pollan, den die New York Times einmal als liberal foodie intellectual bezeichnete, ist einem größeren Publikum durch seine beiden Bücher In Defense of Food: An Eater’s Manifesto (deutsch: Lebens-Mittel: Eine Verteidigung gegen die industrielle Nahrung und den Diätenwahn) und The Omnivore’s Dilemma (deutsch: Das Omnivoren-Dilemma: Wie sich die Industrie der Lebensmittel bemächtigte und warum Essen so kompliziert wurde) bekannt. In letzterem befasst er sich ausgiebig mit dem Siegeszug des subventionierten Mais in der amerikanischen und weltweiten Lebensmittelindustrie, und generell kann man ihn wohl als einen der wichtigsten Kritiker der Nahrungsmittelindustrie betrachten.

2009 veröffentlichte er dann Food Rules. An Eater’s Manual, ein handliches Büchlein, das den von der komplizierten Welt der Lebensmittel verwirrten Kunden ein paar einfach zu befolgende Ratschläge an die Hand geben soll, wie sie gesund, umweltschonend und bewußter essen und leben können. Im Kunstmann-Verlag ist soeben die fröhlich-bunt von Maira Kalman illustrierte Sonderausgabe des Büchleins erschienen, als 220 Seiten dickes Hardcover-Buch mit Schutzumschlag.

Credo des Buches ist, wie vielfach im Web zitiert:

Eat food, not too much, mostly plants.

und damit lässt sich auch der größte Teil der Philosophie von Pollan zusammenfassen.

Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, dieses Buch zu mögen, obwohl – oder vielleicht weil – ich mit dem Autor und seinen Thesen (aus anderen Büchern und Kontexten) so meine Probleme habe. Denn im Grunde vertritt Pollan hier all das, was ich selbst auch propagieren würde: esst richtige Nahrung, lasst die Finger von Lebensmittelzusatzstoffen, kocht selbst, kauft euer Essen nicht an der Tankstelle, genießt euer Essen, esst nichts was nicht verderben kann – wobei der Autor bzw. seine Übersetzerin die Leser konsequent-deutsch siezt, was dem Ganzen für mich eine seltsam dozierende Konnotation verleiht.

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Felicity Lawrence – Not on the label

Felicity Lawrence ist Mitarbeiterin des Guardian und, man möchte fast sagen, Journalistin alter Schule, eine die mit offenen Augen und Ohren ihre Themen recherchiert und auch nicht vor Gegenwind zurückschreckt. Ihr Buch

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Not On the Label:
What Really Goes into the Food on Your Plate

erschien bereits 2004; dem Thema Essen und food politics widmet sie sich seit rund 20 Jahren. Das Buch basiert zum Teil auf Feature-Artikeln, die sie für den Guardian geschrieben hat. Obwohl deswegen ein Teil der Daten darin heute veraltet ist, wirft es dennoch einen erschreckend aktuellen Blick auf die vor allem britische Welt der Nahrungsmittel in Supermärkten; man kann aber davon ausgehen dass das meiste davon heute 1:1 auch auf den Rest Europas übertragbar ist.

Das erste Kapitel, „Chicken“, widmet sich der Massenproduktion von Geflügel – von den (un-) hygienischen Bedingungen ihrer Schlachtung, über das grenzenlose Verschieben von Hühnerteilen und deren Verfallsdatum quer durch die EU, bis hin zum Aufbessern des Verkaufsgewichtes mittels „hydrolisierten Proteinen‘, die auch schon mal vom Schwein (100 % halal) oder dem Hirn eines BSE-Rindes kommen können. Spätestens hier und bei der Zutatenliste eines bekannten Fastfood-Geflügelbestsellers könnte man als Leser beschliessen, nie mehr im Leben irgendetwas mit Huhn in der Systemgastronomie zu essen.

In diesem Kapitel legt Lawrence bereits deutliche Hinweise auf den Schwerpunkt des Buches aus – zwar geht es ihr auch um die organisierte Lebensmittelpanscherei in der industriellen Produktion von Nahrung; vor allem aber will sie aufzeigen, dass das ‚System‘ Supermarkt mit seinem Preisdruck, der Verlagerung von Lagerflächen auf die Strasse, und der abartigen Erpressung der Erzeuger Schuld daran ist, dass wir nicht preisgünstigere, sondern im Wortsinne billigere Lebensmittel zu hohen Kosten auf anderen Gebieten vorgesetzt bekommen.

So dreht sich das Kapitel ‚Salad‘ auch nur vordergründig um gewaschene Blätter in gasgefüllten Beuteln, die das ach so gesunde Grün ebenso frisch halten wie sie ihm jeglichen Nährwert nehmen. Schnell kommt sie auf ein Thema, das sich durch das ganze Buch wie ein roter Faden zieht: die Ausbeutung, ja sklavenähnliche Haltung von Farmarbeitern – in England pakistanische oder auch EU-interne Migranten, die von Ganglords unter menschenunwürdigen Bedingungen ausgebeutet werden; in den Plastikgewächshaus-Monokulturen Spaniens dann Algerier und Marokkaner, die wie Vieh in winzigen Kaschemmen leben. Sklaverei existiert – mitten unter uns, in den reichsten Nationen der Welt – damit wir billigen gewaschenen Salat im Supermarkt vorfinden? Etwas läuft hier grundlegend falsch.
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Wo die glücklichen Hühner wohnen

Braucht es wirklich noch ein Buch über Lebensmittel und Qualität? dachte ich, als ich

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Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer:
Wo die glücklichen Hühner wohnen: Vom richtigen und vom falschen Essen

das erste mal in der Hand hielt. Wenn mir jemand „richtig und falsch“ in Ernährungsdingen im Wortsinn auf’s Butterbrot schmieren will, bin ich meist erst mal skeptisch. Doch als ich dann das schwere Hardcover – insgesamt 460 reich und bunt bebilderte Seiten, mit farbigen Markierungen am Schnitt zu den einzelnen Themengebieten – aufschlug, dauerte es nicht lang bis mich die Sachkenntnis und Begeisterung der beiden bekannten TV-Köche zu angeregtem Weiterlesen animierte.

Was Meuth und Duttenhofer hier vorlegen, ist ein kritischer und informativer Blick auf die Produktion von Lebensmitteln sowie auf mögliche Alternativen zur konventionellen Lebensmittel-Massenindustrie. Die Themen des Buches reichen von „Qualität fürs Leben“ und „Klasse statt Masse“ – ein sehr aufschlussreiches Kapitel, welches zeigt dass nicht alles was SlowFood ist automatisch auch „bio“ sein muss – über die Herstellung von Getreide und Brot (mit einem recht ausführlichen Brotartikel, der auch das exzellente Food- und Brotblog meiner Freundin Chili & Ciabatta nennt), zu Gemüse, Kräutern und Obst.

Im Bereich Fleischproduktion steht stellvertretend für andere Arten das Schwäbisch-Hällische Landschwein als Beispiel für eine artgerechte und naturgerechte Haltung und Aufzucht von Tieren, auch die Produktion von Geflügel- und Rindfleisch betrachten die Autoren kenntnisreich, es geht weiter zu Fisch, Wild, Lamm und Wurst, Schinken und Speck.

Sehr ausführlich und informativ ausgearbeitet ist das Kapitel über Milchprodukte, das u.a. das Für und Wider von H-Milch beleuchtet, nach der Natur im Joghurt fragt, und sich natürlich auch der „guten“ Butter widmet. Schliesslich gibt es noch ein Kapitel zum Thema Eier, sowie einen höchst informativen Anhang, der ein Quellenstudium erheblich erleichtert.

Mein Lieblingsartikel im Buch allerdings ist ein Bericht der Autoren vom Besuch bei einem holländischen Tomatenzüchter, der unter Glas mit modernster HiTech pestizidfreie leckere Tomaten anbaut. Unbedingt lesen!

Die grosse Bandbreite von Themen, die Meuth und Duttenhofer hier mit Fachkenntnis abdecken, ist exzellent aufbereitet, gut verständlich, aber was noch viel wichtiger ist, unterhaltsam und spannend zu lesen. Aufgrund der Faktenfülle wird wohl kaum jemand das Werk am Stück durchlesen, sondern eher nach bestimmten Themen suchen, oder sich kapitelweise daran versuchen. Hat man sich erst mal festgelesen, möchte man dann aber auch weiterforschen, was es noch so alles zu entdecken gibt.

Bernd Neuner-Duttenhofer und Martina Meuth haben sich augenscheinlich bestimmten Lieblingsthemen mehr gewidmet als anderen (was vollkommen in Ordnung geht). Zu manchen Themenbereichen liessen sich auch andere, vielleicht auch bessere Beispiele finden als die hier vorgestellten, aber was das Buch über seine reine Funktion als (fabelhaftes) Nachschlagewerk zu Lebensmittelqualität hinaus lesenswert macht, ist eben auch der direkte, persönliche Bezug der Autoren zu ihrem Subjekt und der individuellen Umsetzung der Ideen, sei es das eigene schwäbisch-hällische Landschwein oder die Hühnereier aus der hofeigenen Produktion.

Die Handvoll Rezepte, die durch das Buch eingestreut sind, empfinde ich als eher überflüssig – dieses Buch braucht keine Rezeptdreingabe von zweien, von denen der Leser bereits weiss, dass sie kochen können, es kann für sich stehen.

Eine Fibel des guten Essens, die man auch als altgedienter Foodie noch gern zur Hand nimmt und viel Wissenswertes und auch Neues darin finden kann – für’s eigene Regal wie als Geschenk wärmstens zu empfehlen.

Bewertung: ★★★★☆ 

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Cornelia Schinharl – Herbst- und Wintergemüse

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Cornelia Schinharl – Herbst- und Wintergemüse

„Vitamin-Power für die kalte Jahreszeit“ verspricht der Untertitel dieses Buches. Und tatsächlich liefert Cornelia Schinharl hier einen schönen Querschnitt durch die Küche mit bekannten und vor allem weniger bekannten und vergessenen Wintergemüsen ab, der inspiriert, sich mit Steckrübe, Topinambur, Rosenkohl, roter Beete und Co. einmal näher auseinander zu setzen.

Von ganz einfachen Alltagsgerichten, die in 15 Minuten fertig sind, bis hin zu festlichen Mahlzeiten (Fasanenbrust mit Campari-Rotkraut) reicht die Bandbreite der vorgestellten Rezepte. Das Buch ist – nach einer kurzen Warenkunde – in 4 Kapitel unterteilt:

  • Salate und Vorspeisen
  • Aus dem Suppentopf
  • Gemüse mit Fisch, Fleisch & Geflügel
  • Köstlich vegetarisch

Ob Steckrübenwedges mit roher Tomatensauce, Lammkoteletts mit Artischockensalat, Rote-Bete-Maultaschen oder Portulaksalat, die Vielfalt der Rezepte macht Lust, sich auf neue Geschmackserlebnisse einzulassen. Ein schönes Buch mit ansprechenden Fotos von Martina Görlach, das die Kochbuchsammlung um viele neue Gemüseideen erweitert. Ein kleiner Wermutstropfen ist der fehlende alphabetische Index, aber bei 104 Seiten kann man auch mal schnell durchblättern, oder den Index der 4 Kapitel durchsehen.

Empfehlenswert.

Bewertung: ★★★½☆ 

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Monica Cacciatore & Claudia Daiber – Hülsenfrüchte

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Monica Cacciatore & Claudia Daiber – Hülsenfrüchte

Leguminosen haben sich ihren Platz in den Länderküchen der gesamten Welt erobert – sie sind nahrhaft, billig und köstlich zuzubereiten.

Die Autorinnen haben für ihr Büchlein eine ausführliche und umfangreiche Warenkunde zusammengetragen – zu Geschichte und Herkunft, Behandlung und Verarbeitung, Sorten und Arten der Hülsenfrüchte, zu Nährwerten, Produzenten und Grundzubereitungen, Geschmack, und Traditionen.

Dabei werden die Texte nie trocken, sondern sind mit ebenso viel Genuß zu lesen wie die Vielzahl der zusammengetragenen Rezepte nachzukochen. Ob indische Süßspeise oder Pommersches Gänseklein, katalanische Kichererbsen mit Chorizo oder Südstaaten-Succotash, die über 80 Gerichte die das Buch vorstellt, lassen keine kulinarische Langeweile aufkommen.

Eine echte Bereicherung für das Kochbuchregal, die man immer wieder gern zur Hand nimmt.

Bewertung: ★★★★☆ 

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Die Speisekammer – Lebensmittelkunde von A bis Z

Die Lizenzausgabe der ‚Pocket Encyclopedia of Cook’s Ingredients‚ von Dorling Kindersley (den Autor unterschlägt uns der Gondrom-Velag) kommt handlich daher – mit einem flexiblen Taschenbucheinband und einem kompakten A-5-Format. Und schon kommen erste Zweifel auf, zieren mein Kochbuchregal doch weit umfangreichere Bücher mit sehr viel mehr Warenkunde.

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Adrian Bailey – Die Speisekammer

Der Blick ins Inhaltsverzeichnis listet viele verschiedene Lebensmittelgruppen: Gemüse, Getrocknete Hülsenfrüchte, Pilze und Trüffeln, Kräuter und Gewürze, Aromastoffe, Würzmittel und Extrakte, Pickles Chutneys und Pasten, Senf Essig und Öl, Obst, Exotische Früchte, Trockenfrüchte, Nüsse, Getreide und Getreideprodukte, Pasta Nudeln und Klösse, Backzutaten, Kaffee, Tee, Zucker Sirup und Honig, Eier, Fette und Milchprodukte, Käse, Fische und Meeresfrüchte, Konservierten Fisch, Geflügel und Wild, Wurstwaren und Fleischwaren, Innereien, Fleisch – sowie ein umfangreiches Register.

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