Lajos Egri – Literarisches Schreiben

Lajos Egri ist den meisten vor allem ein Begriff durch sein Buch über das Dramatische Schreiben (The Art of Dramatic Writing), das gemeinhin als Standardwerk gehandelt wird. Ich kenne The Art of Dramatic Writing nicht, weswegen ich den 1967 verstorbenen Ungarn nur an diesem Werk messen kann.

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Lajos Egri – Literarisches Schreiben: Starke Charaktere – Originelle Ideen – Überzeugende Handlung

Das beim Autorenhaus-Verlag erschienene Buch in der Übersetzung von Kirsten Richers ist in 11 Kapitel unterteilt:

  1. Schreiben für die Ewigkeit
  2. Originalität
  3. Emotion: Die Quelle der Leserbindung
  4. Wichtig sein ist wichtig
  5. Die Entwicklung einer Figur
  6. Improvisation
  7. Widersprüche in der Figur
  8. Die Story in der Abhängigkeit
  9. Wo finden Schriftsteller ihre Ideen?
  10. Die Motivation
  11. Prinzipien des Schreibens

Ein durchaus interessant klingendes Inhaltsverzeichnis. Egri stellt die These auf, dass glaubwürdige, dreidimensionale Charaktere die Träger einer jeden guten Story sind – so weit gehe ich mit ihm konform. Nur leider sind die überreichlichen Beispiele, die der Autor dann aufführt, so uninspiriert, simpel gestrickt, nicht im mindesten dreidimensional und außerdem hausbacken, dass es mich bereits nach 40 von rund 200 Seiten schüttelt ob der banalisierenden Küchentischpsychologie, die der Autor da durchblicken lässt. Das mag mit dem Abstand zu erklären sein, der mich von einem Mann der 1888 geboren ist, trennt, aber nur teilweise. Natürlich hat er versucht, seine Beispiele zu abstrahieren, zu vereinfachen – aber ist das wirklich der Sinn einer Lektion in literarischem Schreiben (Englisch: The Art of Creative Writing)?

Die Figuren einer schlechten Soap Opera von heute haben mehr Tiefgang und Facetten als die Charaktere, die Egri hier als Lehrbeispiel aufführt. Darüber hinaus lassen sich seine Thesen auch sehr viel kompakter an den Leser bringen. Im wesentlichen, behauptet Egri, gehe jeglicher Antrieb eines Menschen / einer Figur von Unsicherheit aus, egal ob derjenige ein Psychopath und Mörder oder eine altruistische Mutter Theresa ist, und das einzige, was den Menschen neben Sicherheit wirklich interessiere, sei seine eigene Wichtigkeit. Diese These hämmert er schlechtes Beispiel um schlechtes Beispiel in unzähligen Variationen in die Köpfe seiner Leser und Schreibschüler. Daneben greift Egri auf das Modell der einem Text zugrundeliegenden „These“ (bei James N. Frey heisst dasselbe „Prämisse“), also des „Lehrsatzes“ in einem Stück, welchen der Autor zu beweisen sucht, zurück.

Bücher über das Schreiben gibt es viele, und auch zur Charakterentwicklung (und Prämisse) lassen sich viele gute Werke finden. Dieses Buch von Lajos Egri gehört allerdings zu denen, die man meines Erachtens ob ihrer Banalität gut auslassen kann. Überflüssig.

Bewertung: ★☆☆☆☆ 

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