Ghislaine Saint-Pierre Lanctôt – Die Medizin Mafia

Gleich vorweg – selten habe ich ein so verqueres Buch gelesen, und ich bin aus den Reihen der Rohkost-, Instinkto- und sonstigen Ernährungsfetischisten und -faschisten so einiges gewöhnt…

Ghislaine Saint-Pierre Lanctôt ist Medizinerin und hat viele Jahre als solche praktiziert. Enttäuscht von den Missständen des Medizinsystems hat sie sich dann der Kritik an der Medizin verschrieben.

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Ghislaine Saint-Pierre Lanctôt – Die Medizin Mafia

Schon beim ersten Anlesen des Buches bin ich irritiert. Das Buch ist in Schwarz, Grau und zwei Gelbtönen als Schmuckfarben gehalten, die Typographie ist chaotisch – da werden mehrere Fonts, darunter der Hausfont der Anthroposophen, bunt durcheinander gemischt, allein im Inhaltsverzeichnis tummeln sich drei verschiedene Schriftarten in unterschiedlichen Größen, durch das gesamte Buch zieht sich ein typographisches Chaos, das offensichtlich gewollt ist, die Lesbarkeit aber nicht eben erhöht. Und auch die Qualität der Übersetzung lässt zu wünschen übrig – ganze Passagen lesen sich wie frisch aus einer Übersetzungssoftware, ohne dass sie Korrektur gelesen wurden; in der Interpunktion behält die Übersetzerin ihre falschen Kommasetzungen wenigstens konsistent durch das Buch bei.

Das alles könnte man hinnehmen, wäre der Inhalt des Buches nicht gleichermaßen wirr. Die Autorin hat viele aufschlussreiche Fakten und Hinweise zusammengetragen, die sie zum Glück in einer einigermaßen guten Literaturliste am Ende des Buches für Interessierte nachlesbar macht. Die einer wissenschaftlichen Überprüfung standhaltenden Thesen muss man jedoch aus einem Wust von Esoterikgeschwafel und abstrusen Verschwörungstheorien heraussuchen.

Lanctôt hätte mit ihrem Buch eine Handhabe zu einer fundierten, wissenschaftlichen Medizinkritik liefern können – in den Bereichen, die sie anspricht, wie Krebs, AIDS, Unterdrückung alternativer Heilmethoden, Impfungen, gibt es auch in der Schulmedizin mehr Dogmen als Fakten. Die Präsentationsweise ihrer Ansichten macht es jedoch unmöglich, Fakt und Fiktion zu trennen, auch belegbare Tatsachen werden hier durch die Verquickung mit Äußerungen, die an paranoide Wahnvorstellungen erinnern, unlesbar, unbrauchbar, unglaubwürdig.

Ihre Auseinandersetzung mit dem Medizinsystem – inhaltlich teilweise durchaus nachvollziehbar – wächst sich aus zu einer weltumspannenden Verschwörung mit dem Bösen, personifiziert in Organisationen wie der WHO. Spätestens aber, wenn eine Ärztin behauptet, die Unterscheidung zwischen Viren und Bakterien sei eine künstliche, von der Pharmaindustrie aufgezwungene, verliert sie ihre Glaubwürdigkeit für mich, egal wie gut ihre Einsichten zum Beispiel in alternative Heilmethoden sind.

Ein krudes Machwerk, wirr geschrieben, mäßig ins Deutsche übertragen und furchtbar gedruckt.

Bewertung: ★☆☆☆☆ 

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