David Baldacci – Das Labyrinth (Hörbuch)

David Baldacci erlangte über Nacht Berühmtheit mit seinem Buch „Absolute Power“ und dem darauf basierenden Film mit Clint Eastwood und Gene Hackman. Seither gilt er als Spezialist für rasante Polit-Thriller.

Das Buch:

Die erfolgreiche Anwältin Sidney Archer freut sich sehr, als ihr Mann Jason ihr erzählt, dass er am kommenden Tag nach Los Angeles fliegt, um sich für einen neuen, gut dotierten Job vorzustellen. Sie hatte gedacht, er habe eine Affäre wegen all der Stunden die er mehr arbeitete – aber nun scheint sich alles zum Guten zu wenden: ihr Mann wird mehr verdienen, und sie kann endlich ein lang ersehntes zweites Kind zur Welt bringen.

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David Baldacci – Das Labyrinth, 2 Audio-CDs

Doch während Sidney mitten in Verhandlungen zwischen zwei großen High-Tech-Konzernen steckt, geschieht das Unfaßbare. Das Flugzeug, in dem Jason sitzt, stürzt ab. Mit an Bord ist nicht nur Jason Archer, sondern auch der Präsident der amerikanischen Notenbank, Arthur Lieberman. Mußte Jason sterben, weil er in der falschen Maschine saß?

Bei der Beerdigung – die mangels Überresten des Verblichenen mit einem leeren Sarg statt findet – taucht überraschend ein Kollege von Sidney auf und versucht, sich bei ihr einzuschmeicheln. Und kaum klingelt ihr Telefon, hört Anwalt Brody am Nebenapparat mit, was die Anwältin erfährt: Ihr Mann lebt und will sich mit ihr treffen.

Nach und nach enthüllen sich dem Leser komplexe Verflechtungen zwischen Konzernen und Anwälten, aber auch zwischen dem FBI und den Vorgängen rund um Lieberman und Archer. Archer nahm kurzfristig einen anderen Flug, doch jemand mit seinem Aussehen und seinen Papieren saß im Flieger nach L.A. Hat Jason Archer Firmengeheimnisse an die Konkurrenz verkauft? Sidney kann das nicht glauben. Und langsam wird auch klar, dass Arthur Lieberman an dem kometenhaften Aufstieg von Sidneys Auftraggebern nicht ganz unschuldig ist. Dazwischen funken dann noch FBI-Agent Lee Sawyers und sein undurchsichtiger Ex-Kollege, der mittlerweile Sicherheitschef bei einem der in die Sache verwickelten Konzerne ist – oder spielt er vielleicht falsch?

Die Intrigen und ihre Wendungen sind gut durchdacht und streckenweise überraschend. Die Charaktere sind leider eher oberflächlich ausgestaltet – eine schöne Anwältin, Super-Mutter und Waffennärrin, die natürlich brillant ist; der heldenhafte FBI-Mann der sich allein für das Gute einsetzt, die bösen Verschwörer, mal wieder das Thema Homosexualität und Erpressung – das alles ist nicht neu und streckenweise sehr offensichtlich an amerikanischen Actionfilmen orientiert. Baldacci pfropft seinen Roman voll mit Nebencharakteren, -handlungen und Orten, die zum Teil als Ablenkungsmanöver dienen, zum Teil völlig unmotiviert zu sein scheinen, und zum Teil auf die Lösung hindeuten, aber das Ganze ist dennoch konfus und Lösungen zu einigen Probleme tauchen quasi aus dem Nichts oder einem Halbsatz am Anfang auf – das Buch trägt zu recht im Deutschen den Titel „Das Labyrinth“, denn es ist höchst verwirrend. Der Spannung folgt die innere Logik nicht immer, das Ende ist ein wenig seltsam.


Das Hörbuch:

„Das Labyrinth“ ist keine Lesung, auch wenn es zwei Erzählerstimmen gibt, sondern ein klassisches Hörspiel, in dem verschiedene Sprecher in die Rollen der Charaktere schlüpfen und Dialoge sprechen. Die Sprecher sind allesamt sehr professionell, etwas genauer auseinanderzuhaltende Stimmen für die männlichen Hauptrollen wären dem Hörgenuß allerdings zuträglich gewesen. Das große Manko dieses Hörspiels ist jedoch, dass der Plot – im Original über 600 Seiten – auf 2 Stunden Laufzeit zusammengedampft wurde, und dabei noch größere logische Lücken entstehen. Die Motivationen der Charaktere sind teilweise nicht mehr nachvollziehbar, die Handlung hat deutliche Sprünge, die zu Löchern auswachsen, und so manche Entwicklung kommt aus heiterem (Hörer-) Himmel, so dass man gar nicht mehr weiß was warum vor sich geht oder wie die auftauchenden Nebenfiguren, die plötzlich Haupthandlungsträger sind, einzuordnen wären.

Während sich die Regie Mühe gegeben hat, den Spannungsbogen zu halten, und die Szenen mit passender Musik sehr atmosphärisch unterstreicht, kann auch das gut aufspielende Sprecherensemble die Defizite der verkürzten Handlung nicht ausgleichen. Die erste CD ist interessant, auch wenn es etwas dauert, in die verschiedenen Handlungsfäden hineinzukommen, die zweite CD ist dagegen chaotisch und erscheint als Aneinanderreihung von emotionsgeladenen Actionszenen ohne Zusammenhang. Das Ganze gipfelt in einem sehr schwachen Schluss, den allerdings Baldacci zu vertreten hat.

Fazit:

Wer actiongeladene Thriller mag, wird an „Das Labyrinth“ seine Freude haben, sollte aber besser das Buch lesen, als das Hörbuch anzuhören.

Bewertung: ★★½☆☆ 

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