Wayne Grady – Breakfast at the Exit Café

Im Winter 2006/2007 wollen Wayne Grady und seine Partnerin, Merilyn Simonds, von der kanadischen Westküste an die kanadische Ostküste reisen. Doch statt den direkten Weg zu nehmen, wählen sie das, was ich “die romantische Route” nennen würde, einen Umweg, der ihnen Gelegenheit geben soll, sich nach längerem Getrenntsein wieder zu einem gemeinsamen Ganzen zu entwickeln, und dabei noch etwas von der Welt zu sehen.

Also fahren sie folgerichtig nach Süden, in die USA, und begeben sich auf einen Roadtrip zu besonderen Orten – wobei ‘besonders’ durchaus auch mal im Auge des Betrachters liegt. Die Auswahl wird oft von ihren Interessengebieten – Geschichte, Literatur, Geografie, Architektur – getrieben, manchmal folgen sie aber auch nur spontanen Eingebungen und Lust und Laune. Und so führt die Tour von Vancouver über u.a. die Mojave, den Grand Canyon. zum Mississippi und in die Bayous von Louisiana, in kleine Nester, alte Motels und zu so manchem Frühstück in einem altmodischen Diner am Highway.

Wayne Grady – Breakfast at the Exit Café

Ich liebe Roadtrips, ganz besonders in den USA, und ich fand die oft sehr ausführlichen Exkurse in Kultur und Natur der bereisten Orte angenehm erhellend. Manchmal sind es nur zwei Zeilen über ein Detail wie die Harvey Girls oder ein Zitat von Nathanial Boone, dann wieder längere Abschnitte zur Ökologie einer Vogelart, oder Kommentare zum amerikanischen Lebensstil aus der etwas anderen Sicht eines Kanadiers. Selbst die Frage, was nun “echte” Hashbrowns sind und wie sie sich von Country Potatoes unterscheiden (und die Suche nach den besten, den ultimativen Hashbrowns) wird diskutiert – beim Breakfast im Exit Café eine durchaus wichtige Unterscheidung.

All diese spielerisch in den Gesamtzusammenhang eingewobenen Ergänzungen zur reinen Strecke, die Wayne und Merilyn zurücklegen, lassen die Reise plastisch und lebendig werden. Lediglich die Ausführungen zur Sklaverei- und Sozialgeschichte der Südstaaten finde ich etwas zu ausführlich geraten, aber vielleicht fehlt mir da als weißer Europäerin auch einfach der Bezug.

Interessanterweise beklagen sich bei Amazon USA  einige US-Amerikaner darüber, dass mit diesem Buch  die Kanadier ihrem Land unrecht täten und überhaupt als Outsider ja gar kein Recht hätten, sich so über God’s Own Country zu äußern. Es überrascht mich, denn ich kann in dem Text kein Dissing, keine abfälligen Bemerkungen oder ähnliches entdecken. Die Darstellung der kleinen Unterschiede zwischen den Nachbarländern und ihrer Weltsicht ist sehr feinfühlig, und reiht sich durchaus in die amerikanische Tradition der Roadtrip-Erzählung ein, wie sie z.B. auch William Least Heat Moon in Blue Highways abgeliefert hat.

Ich fand das Buch sehr vergnüglich zu lesen, die beiden Erzähler ergänzen sich sehr gut mit ihren oft sehr verschiedenen Schwerpunktsetzungen, und beide haben einen flüssigen Erzählstil, der mit einem subtilen, trockenen Humor noch ein paar Glanzlichter aufgesetzt bekommt. Fabelhafte Reiselektüre, nicht nur für einen Roadtrip.

Bewertung: ★★★★☆ 

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