Walter Moers – Der Schrecksenmeister

Der fünfte Roman aus Zamonien.

Bereits im vergangenen Jahr habe ich

schrecksenmeister

Der Schrecksenmeister, von Walter Moers

gelesen. Wie auch bei anderen Werken aus Moers’ Zamonien-Reihe gibt er vor, hier nur als Übersetzer von Hildegunst von Mythenmetz zu fungieren, und erzählt die Geschichte von Echo, dem Krätzchen, das halb verhungert auf den Schrecksenmeister Eißpin trifft, der ihm einen Deal anbietet: Eißpin wird es mit den feinsten Delikatessen mästen, wenn das Krätzchen – eine intelligente und sprechende Katze – ihm am Ende einer fest gesetzten Frist dafür seinen Körper verkauft.

Die Geschichte, oder zumindest der Start derselben kam mir eigenartig bekannt vor, und das ist auch gar kein Wunder, dazu die Wikipedia:

Der Schrecksenmeister stellt eine Bearbeitung der Novelle Spiegel, das Kätzchen von Gottfried Keller dar, der unter dem bereits aus der ‘Stadt der träumenden Bücher’ bekannten Anagramm Gofid Letterkerl als ursprünglicher Autor genannt wird. Obwohl der Inhalt des Romans, der bereits 1½ Jahre vor Erscheinen des Buches durch den Verlag bekannt gemacht wurde, sehr wenig mit Kellers Novelle zu tun hat (vom Motiv des aus Hunger geschlossenen Vertrags abgesehen), hat der Autor die Namen der Figuren und des Handlungsortes dezent verschlüsselt. Gab es in der ‘Stadt der Träumenden Bücher’ noch ein spannendes Rätselspiel um die Anagramme, so sind in diesem Fall die originalen Vorbilder schnell und rein assoziativ zu erraten. Aus Seldwyla wird Sledwaya, und aus dem Hexenmeister Pineiß der Schrecksenmeister Eißpin. Aus Spiegel dem Kätzchen wird Echo das Krätzchen. Hieß Spiegel noch so, weil sich sein Name mit dem seiner Freundin, einer Eule, zu Eulenspiegel ergänzt, spielt Moers auf die besondere Eigenschaft des Krätzchens an, im Gegensatz zu den Katzen sprechen zu können.

Mit der Stadt der Träumenden Bücher ist dieses Buch, ich bin geneigt es eine Fabel oder ein Märchen zu nennen (der Autor oder der Verlag nennt es denn auch folgerichtig ein kulinarisches Märchen), absolut nicht vergleichbar. Es ist erheblich kürzer, für meinen Geschmack zu kurz (und viel zu schnell ausgelesen), aber ungemein erheiternd, und – wie man das von Moers gewöhnt ist – ein ausgesprochen Laune machendes Ideen- und Sprachspielfeuerwerk, das ich getrost auch zum Einstieg in die Welt Zamonien oder für jüngere Leser empfehlen würde. Natürlich ist dieses Märchen nicht so komplex ausgestaltet wie andere Werke von Moers, aber oft genug musste ich herzhaft lachen, und an manchen Kreaturen, wie den Ledermäusen, hatte ich viel Freude. Die Charaktere sind ausgesprochen vielschichtig, und viele Figuren, wie zum Beispiel der Schuhu Fjodor F. Fjodor mit seinem eigenwilligen Sprachfehler, einfach abgefahren schrullig.

Auch wenn die Geschichte nicht so abenteuerlich und weltumfassend historisch ist, wie etwa die Erlebnisse von Hildegunst von Mythenmetz in der Unterwelt von Buchhaim, macht die Geschichte aus der “ungesundesten Stadt Zamoniens” doch viel Spaß und toppt das meiste, das aus deutschen Fantasyfedern kommt, immer noch mit Leichtigkeit in Qualität und Einfallsreichtum.

Kurzum: ein kurzweiliges Lesevergnügen, nicht nur für Moers-Fans.

Bewertung: ★★★★☆ 

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