Vera Bohle – Mein Leben als Minenräumerin

Eine junge Frau mit einem Job als Cutterin und Journalistin in einem bekannten deutschen Politikmagazin beschließt, ihr Leben umzukrempeln. Sie will nicht immer nur über das Elend der Welt berichten, sie will mit anpacken, die Mißstände nicht nur sehen, sondern auch verbessern. So wird sie Minenräumerin, Sprengstoff- und Waffenbeseitigungsexpertin. Als Frau ist sie dabei eine absolute Exotin sowohl in ihrem Beruf als auch in den Gebieten, die sie bereist.

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Vera Bohle: Mein Leben als Minenräumerin

Ihr Bericht beginnt mit einer Räumaktion in einem Grenzdorf in Afghanistan, und schon beim Lesen der ersten Seiten bleibt einem der Atem weg. Ihr Job ist lebensgefährlich, und die Tatsache, dass sie dabei auch gegen die Borniertheit und Dummheit der Menschen ankämpfen muss, denen sie helfen will, gegen Waffenhändler, Politiker, und auch gegen unsägliche Bürokratie, ist bei aller Abenteuerromantik blitzartig ernüchternd.

Zwischen den Berichten aus den Krisengebieten der Welt, in denen sie Minen beseitigt, Panzerfäuste und instabile Raketensprengköpfe, streut Bohle ihren Werdegang, ihre Erlebnisse im normalen Deutschland, im stabilen Europa ein, erläutert ihre Beweggründe, die sie schließlich 2004 nach Genf führen.

„Mein Leben als Minenräumerin“ ist keine Autobiographie, mehr ein Ausschnitt eines wesentlichen Teils von Vera Bohles Leben, und ein aufrüttelnder Bericht über und gegen die Überbewaffnung und Verminung der Welt, gegen Krieg und Gewalt. Gleichzeitig zeigt sie, was eine gute Ausbildung, gepaart mit dem unbeugsamen Willen, etwas zu verändern, bewirken kann – es ist das Portrait einer aussergewöhnlichen Frau, die zu Recht für ihren Einsatz in aller Welt ein Bundesverdienstkreuz erhielt.

Auch die grausigsten Szenen kann Bohle mit Galgenhumor und bildhafter Beschreibung noch pittoresk und heiter erscheinen lassen – es erstaunt mich bei der Lektüre immer wieder, wie sie dem Streß, den dieser Job bedeutet, den körperlichen und geistigen Anforderungen, scheinbar mühelos widersteht. Und doch ist auch sie irgendwann ausgebrannt – Minenräumer ist kein Job für’s Leben, ausser es endet auf einer Mine…

Klar wird aber auch, dass Bohle neben ihrem starken Willen und ihrer zielgerichteten Arbeit vor allem über sehr viel mehr als nur ein Quäntchen Glück verfügte – das Glück einer Tüchtigen, die zudem gute Startbedingungen hatte.

Ein faszinierendes Buch, das neben echten Informationen aus erster Hand eine Menge Wissen zu wirtschaftlichen Problemen von Nachkriegsländern liefert, die zum Teil direkt mit den Überbleibseln in Form von Minen zu tun haben – Pflichtlektüre für Friedensaktivisten und Politiker.

Bewertung: ★★★★½ 

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