Terry Pratchett – Steife Prise (Hörbuch)

Der 39. Scheibenwelt-Roman


Steife Prise: Ein Scheibenwelt-Roman
gelesen von Jens Wawrczeck

Das Buch

Grausam ist das Leben zu Samuel Mumm, Kommandeur der Stadtwache von Ankh-Morpork: Seine liebende Ehefrau Lady Sybil hat sich mit Lord Vetinari gegen ihn verbündet und ihn zu zwei Wochen Landurlaub auf dem hochherrschaftlichen Familiensitz verdonnert. Für Sam, den überzeugten Stadtbewohner, der zudem jede Form von Untätigkeit hasst, ist das die Hölle auf Erden. Doch zum Glück bewahrheitet sich bald die Regel: wo ein Cop, da auch ein Verbrechen. Schon steckt Sam auf dem ach so idyllischen Lande bis zum Hals in der Aufklärung gleich mehrerer Missetaten: von Drogenschmuggel bis Sklavenhandel. Wilde Fluss-Verfolgungsjagden inklusive …

Soweit der Klappentext bzw. Begleittext bei Amazon zu diesem Buch.

Ich bin ein großer Fan der Romane um Sam Mumm / Sam Vimes, und der ganzen schrägen Charaktere der Stadtwache von Ankh-Morpork, die alle hier nach und nach ihren Auftritt und ihre Sternstunde haben. Und doch habe ich mich mit diesem Buch sehr schwer getan. Zum einen liegt das an der Übersetzung – bei allem Respekt vor der Arbeit eines Übersetzers, Gerald Jung schafft es einfach nicht, den Werken Pratchetts das gleiche sprühende Leben zu verleihen wie Andreas Brandhorst, und manche der Verlagsentscheidungen hinsichtlich sprachlicher Gestaltung haben dem Flair nicht eben gut getan. Zum anderen plätschert die Geschichte doch ziemlich vor sich hin, bis irgendwann endlich, endlich etwas passiert. Zwar stolpert Sam Mumm – natürlich – in einen Kriminalfall mit weitreichenden Auswirkungen, und die Story um die Diskriminierung der Goblins durch die anderen Scheibenweltspezies ist ein launig verpacktes Stück Gesellschaftskritik, aber so richtig will lange Zeit der Funken nicht überspringen, erst auf dem letzten Drittel der Reise nimmt die Geschichte Fahrt auf, und man braucht schon etwas Durchhaltevermögen bis da hin, vielleicht auch, weil die penetrante Pipi-Kacka-Haha-Störung durch Mumms Söhnchen mich bisweilen nervt. Bei der Flussreise auf dem Quaier fühlt man sich immerhin an Mark Twain auf dem Mississippi erinnert, aber tatsächlich gab es schon erheblich zwingendere Abenteuer von und mit Sam Vimes. Lady Sybil ist allerdings wie immer ganz wunderbar.

Das Hörbuch

Jens Wawrczeck gibt sein Bestes, die nahezu 16 Stunden Hörbuch gekonnt zu intonieren. Zwar erreicht er nicht die Brillianz eines Boris Alijnovic oder gar Peer Augustinski, aber er liefert eine solide Leistung ab – an ihm liegt es nicht, dass dieses Hörbuch ein ganzes Stück zu lang oder zu lahm geworden ist. Wir haben das Buch im Auto auf langen Fahrten gehört, dafür war es ganz in Ordnung, aber wir waren gerade im ersten Drittel mehrmals davor, die Lesung abzubrechen und etwas anderes anzuhören. Insgesamt ist es leider nicht das beste Buch Pratchetts, das dann im Verein mit der begrenzt witzigen Übersetzung in einigen Passagen recht langatmig daher kommt, wohl auch, weil Gags und Anspielungen des Originals einfach verloren gehen.

Fazit

Für eingefleischte Pratchett- oder Sam-Mumm-Fans bietet es sich an, lieber das Original selbst zu lesen, oder sich als Hörbuchfreak die entsprechende Version mit der Stimme von Stephen Briggs anzuhören. Wer des Englischen nicht mächtig ist, kann das Buch durchaus auch auf Deutsch lesen oder anhören, aber ein Hochgenuss ist es wirklich nicht.

 

Bewertung: ★★★☆☆ 

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