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Adrienne Hall – A Journey North

Im Jahr 1997 – also vor rund 20 Jahren – lief Adrienne Hall den Appalachian Trail, und im Jahr 2000 erschien dieses Buch darüber.

Der volle Titel:

A Journey North: One Woman’s Story of Hiking the Appalachian Trail

ist allerdings gleich in zweifacher Hinsicht irreführend.

Zum einen wandert Hall den Trail nicht allein, sondern mit ihrem langjährigen Partner und späteren Ehemann, was eine vollkommen andere Dynamik ergibt. Bei „One Woman“ erwarten viele Leser, mich eingeschlossen, dass hier ein Solo-Hike beschrieben wird, einschließlich der Erfahrungen, die eine Frau allein eben auf so einem an die Grenzen gehenden Trip macht.

Aber auch ein Wanderbericht eines Paares kann durchaus erhellend sein – und da greift die zweite Enttäuschung. Denn das Buch, so interessant es auch in anderer Hinsicht ist, ist nur sehr am Rande eine Wanderbeschreibung.

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Susan & Lucy Letcher – The Barefoot Sisters Southbound

southbound

The Barefoot Sisters: Southbound

Susan und Lucy Letcher machen sich im Jahr 2001 auf den Weg, den Appalachian Trail zu laufen – und zwar southbound, also von Mount Katahdin in Maine bis nach Springer Mountain in Georgia. SoBos (Southbounder) sind schon aus Witterungsgründen gezwungen, später loszulegen als die Northbounder, und laufen in einen langen heissen Sommer hinein.

Sie geben sich selbst die Trail-Namen jackrabbit und Isis, und wandern los – barfuß. Eine Unternehmung wie den Appalachian Trail barfuß anzugehen ist ein ganz besonderes Unterfangen, und so haben sie schnell den Spitznamen „the barefoot sisters“ weg, und werden zu einer Legende auf dem Trail. Sie selbst finden es gar nicht so ungewöhnlich, barfuß zu laufen, sie haben viel Erfahrung damit, und sind sehr naturverbundene Menschen, als Wiccas erzogen und aufgewachsen.

Fast minutiös berichten Lucy und Susan von ihrer Wanderung; von den Menschen denen sie begegnen, ebenso wie von den Pflanzen, Tieren, Steinen, von Erfahrungen mit Hypothermie und Hunger, und all den Problemen, auf die Langstreckenwanderer so stoßen können; von versiegenden Quellen, unmarkierten Wegen, unfreundlichen, aber auch gastfreundlichen Menschen, von Trail Angels, Trail Magic, Regen, Eis und Schnee, Liebeleien, ja sogar einem Hiker-Treffen, und von einer absonderlichen Familie, die im Glauben an Christus und mit ihrer totalen Abwendung vom Staat ein eigenes Blitzlicht auf die amerikanische Gesellschaft wirft.
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Teri Gault – Shop Smart, Save More

Ein bisschen Geld sparen beim Einkaufen – wer möchte das nicht gerne? Und wir „wissen“ doch alle, dass die großen Supermarktketten mit Tricks arbeiten, um an unser Geld zu kommen, also wäre es nur fair, ein bisschen gegenzusteuern, mit Köpfchen eben. Schlauer einkaufen und dabei mehr Geld sparen, das ist das Versprechen mit dem Teri Gault antritt.

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Shop Smart, Save More: Learn The Grocery Game and Save Hundreds of Dollars a Month

Dass ich „hunderte“ Dollar würde sparen können, habe ich von Anfang an bezweifelt, das gäbe mein Budget gar nicht her, Teri Gault geht von einer US-amerikanischen Familie mit zwei Kindern aus, die ihren ganzen Krempel in den großen Supermärkten kauft, und sich, gelinde gesagt, an der amerikanischen Standard-Diät orientiert.

Das Buch besteht aus drei Abschnitten.

Im ersten Abschnitt geht es um Couponing, und hier merkt man auch sofort, warum das Buch für den europäischen Markt und insbesondere im Einsatz in Deutschland nutzlos ist. Zwar beginnen auch bei uns die großen Marken langsam damit, Coupons anzubieten, also Schnipsel für die man dann irgendwas mit Rabatt kaufen kann, aber mit dem nordamerikanischen Supermarktgeschäft ist das hier absolut nicht vergleichbar. Von Zwei-für-eins-Angeboten (die uns in Kanada massenhaft begegneten), über das ‚doubling up‘, bei dem Supermarktketten bis zu bestimmten Warenwerten den Wert eines Gutscheins nochmal verdoppeln, Super-Sales unter dem Einkaufspreis (in UK zulässig, in D zumindest auf dem Papier vom Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb weitestgehend verboten), bis hin zu den massenhaften Coupons für Marken- wie Nichtmarkenware reicht das Angebot.

Teri Gault, bekannt für ihre Website The Grocery Game, auf der die neuesten Coupons zu finden sind (und die eine kleine Abogebühr verlangt), legt hier das große Einmaleins des Einkaufens mit Coupons vor, von der Couponorganisation bis zum angewandten Kopfrechnen nach Grundpreisen.
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The Unofficial Guide to Las Vegas 2012

In der Planungsphase für einen ausgedehnten USA-Urlaub mit einem (kurzen) Stop in Vegas habe ich mir

unofficiallv

The Unofficial Guide to Las Vegas 2012

vorgenommen und ausführlich darin gelesen.

Laut dem Rückeinband bietet dieses Buch

Five Great Features and Benefits offered ONLY by The Unofficial Guide:

    * Over 100 hotels and casinos rated and ranked — the most offered by any guidebook — plus proven strategies for getting the best rate
    * Complete detailed descriptions of each casino and casino hotel
    * In-depth critical reviews of Las Vegas‘ 55 best shows and 30 top nightspots — the most offered by any guidebook
    * Detailed reviews of more than 70 restaurants — a complete dining guide within the guide, plus the best buffets rated and ranked
    * Fifty pages of gambling tips from how to play, recognize sucker games, and cut the house advantage to the bone

Tatsächlich stellt das Buch – nach den üblichen Standardinfos zu Anreise mit dem Auto, Flugzeug, Mietwagenbuchung – so ziemlich jedes Hotel in Vegas vor, und die eingearbeiteten „comparison charts“ (Listen mit Features und Lage und Preisen) sind auch sehr gut aufbereitet. Dass Vegas eine Kongressstadt ist, macht man sich als Gelegenheitsbesucher vielleicht nicht so klar, aber einige der größten Conventions der USA werden hier abgehalten, und so ist eine Übersicht, von welchen Hotels man wie lang zum Kongresszentrum braucht, für solche Besucher bestimmt eine gute Hilfe bei der Auswahl des Hotels, sofern sie darauf einen Einfluß haben.

Ich fand Tipps wie: „benutze die Monorail nicht wenn du unter 1 Meile zu laufen hast, weil der Weg zur Station hinter den Hotels länger ist als direkt zu laufen“ nützlicher für meine Zwecke.

Ein Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis
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David Roberts – Finding Everett Ruess

Finding Everett Ruess by David Roberts, with a foreword by Jon Krakauer, is the definitive biography of the artist, writer, and eloquent celebrator of the wilderness whose bold solo explorations of the American West and mysterious disappearance in the Utah desert at age 20 have earned him a large and devoted cult following. More than 75 years after his vanishing, Ruess stirs the kinds of passion and speculation accorded such legendary doomed American adventurers as Into the Wild’s Chris McCandless and Amelia Earhart.

lautet die Kurzbeschreibung bei Amazon.de zu

everettruess

Finding Everett Ruess: The Life and Unsolved Disappearance of a Legendary Wilderness Explorer

Nach Jon Krakauers Into the Wild, das ich sehr mochte, war ich gespannt auf dieses Buch, welches einen „Explorer“ und Künstler gleichermaßen darstellen sollte. Everett Ruess (der hier verlinkte Wikipedia-Artikel fasst recht gut zusammen was über ihn bekannt ist) begab sich als Teenager auf immer längere Touren durch die Wildnis der USA, bis er schließlich im Alter von ungefähr 20 irgendwo in den Wüstenlandschaften von Utah verschwand.

David Roberts hat versucht, aus den Materialien, die Ruess hinterliess, eine Biographie zu erstellen – kein ganz leichtes Unterfangen, denn gut 70 Jahre nach dem Verschwinden eines jungen Mannes noch Zeitzeugen zu finden, ist nahezu unmöglich. So stützt sich Roberts vor allem auf die Briefe und Tagebücher, die der Familie Ruess von Everett geblieben sind, und die Arbeit anderer Ruess-Enthusiasten, wie Everett Ruess: A Vagabond for Beauty.

Man merkt, dass sich der Autor tief in sein Recherchethema eingearbeitet hat. Tatsächlich fand ein Großteil davon in Zusammenarbeit mit National Geographic statt, die Roberts für diesen Artikel über Everett Ruess bezahlten. Und beim Lesen des Buches wünschte ich mir, er hätte es bei diesem Artikel belassen, denn im Gegensatz zum Buch ist dieser gestrafft, und halbwegs spannend geschrieben.
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Kelly Winters – Walking Home: A Woman’s Pilgrimage on the Appalachian Trail

Lange, bevor sich Bill Bryson auf seinen Walk in the Woods (auf Deutsch: Picknick mit Bären) begab und damit ein weitgefächertes Interesse am Appalachian Trail weckte, nämlich vor mehr als 25 Jahren, interessierte ich mich schon für diesen ungewöhnlichen Wanderweg, der sich 2100 Meilen entlang steiler Bergrücken quer durch 14 Staaten der USA zieht. Das war noch vor den Zeiten des WWW, und dennoch trieb ich Informationen auf, begann Schnipsel zu sammeln und davon zu träumen, irgendwann den Trail zu begehen.

Irgendwie wurde daraus aber nichts, dennoch faszinieren mich Berichte über solche Outdoor-Abenteuer sehr. Deswegen stand auch

walkinghome

Walking Home: A Woman’s Pilgrimage on the Appalachian Trail

lange Zeit auf meiner Leseliste bzw. dem Wunschzettel, und vom Erwerb bis zum Lesen vergingen nochmals zwei Jahre. Bequem auf einem Sessel sitzend, in einem thailändischen Resort bei Außentemperaturen von 30°C, war das genau die Art von Lektüre, die Spaß macht. Ich hatte viel Vergnügen beim Lesen, denn Kelly Winters ist eine durchaus begabte Autorin und lässt mit ihren Beschreibungen die Schönheit der Natur, welche sie durchwandert, bildhaft erstehen, ebenso wie ihre Schilderungen von Unwettern und anderen weniger schönen Begleitumständen ihrer Wanderung sehr lebensecht sind.

Mit wenig schönen Begleitumständen, oder eher Auslösern für diese Wanderung zu sich selbst, beginnt auch das Buch, und das ist mit mein größter Kritikpunkt, denn Winters lässt sich recht plastisch und unnötig ausführlich (nicht nur) für meinen Geschmack über die ungesunde Beziehung zu einem Mann aus, dessen sexuelle Vorlieben eher unappetitlich waren. Sie braucht lange, um die Kraft zu finden, diesen Mann zu verlassen, und ich kann nur vermuten, dass sie dies deswegen an den Anfang gestellt hat, weil es in so starkem Kontrast zu der selbstbewussten Person steht, die man am Ende des Buches kennen gelernt hat.
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T. C. Boyle – A Friend of the Earth

Die Klimakatastrophe hat stattgefunden, die meisten Arten sind ausgestorben. El Niño gehört zum Alltag der USA, das Klima schwankt zwischen monsunartigem Dauerregen in dem nichts wirklich trocknet, und glühendheissen Trockenzeiten. Der einzige verfügbare Alkohol ist Sake, aus dem überall angebauten Reis, und das tierische Eiweiß kommt von Catfish, der auch schon mal an klammen Hauswänden emporkriecht, kurzum, das Leben im Jahr 2025, wie es Boyle schildert, macht keinen Spaß.

Hauptfigur von

friendoftheearth

A Friend of the Earth

ist Tyrone „Ty“ O’Shaughnessy Tierwater, geboren 1950. In den 80ern des 20. Jahrhunderts war er noch ein langhaariger Öko-Aktivist, getrieben vom Engagement seiner Freundin Andrea. Doch das Leben meint es nicht gut mit ihm, er wandert als Aktivist in den Knast, und zu Beginn des Romans ist er 75 Jahre alt und desillusioniert, seine erste Frau und die Tochter aus dieser Ehe sind tot, und er verdient sich seinen Lebensunterhalt – das Rentensystem ist nicht mehr existent – als Tierpfleger für einen superreichen Popstar irgendwo in Kalifornien.

Sein Arbeitgeber träumt davon, ein paar Exemplare aussterbender Spezies am Leben zu erhalten und sie später in Gefangenschaft zu züchten, dabei konzentriert er sich auf Tierarten an denen nur wenige ein Interesse haben. Seit nunmehr 10 Jahren ist Tierwater bei ihm angestellt, als Andrea, seine Ex-Frau und die Stiefmutter seiner verbliebenen Tochter Sierra (wie Sierra Club) plötzlich aufkreuzt und bei ihm einzieht, um die Geschichte von Sierra zu schreiben, die 2001 als „tree-hugger“ starb.
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T. C. Boyle – Talk Talk

Ich bin ein groß,er Fan der Bücher von Thomas Coraghessan Boyle, seit ich 1995 The Tortilla Curtain, deutsch America, las.

In
talktalk

T. C. Boyle – Talk Talk

legt er wieder einmal einen zeitgenössischen Roman vor, der sich – ähnlich wie The Tortilla Curtain – daran macht, den (nicht nur) US-amerikanischen (Alp-)Traum zu sezieren.

Und das Thema, welches er sich vorgenommen hat, ist eins, das mir den Atem stocken lässt – von der Willkür und Sinnlosigkeit des amerikanischen Polizei- und Justizwesens ist es nur ein kurzer Schritt zur Problematik des Identitätsdiebstahls, in den USA noch massiv verschärft dadurch, dass es kein einheitliches Meldewesen gibt und Konzerne wie Kunden sorglos mit Identitäten und deren Sicherung umgehen.

Alles beginnt mit Dana Halter, einer gehörlosen Lehrerin, die auf dem Weg zur Arbeit, weil sie es eilig hat, nicht an einem Stoppschild hält. Und wenig später findet sie sich in einem Gefängnis wieder, wo man ihr die Liste ihrer immer noch aus zahllosen Counties und Bundesstaaten hereintröpfelnden Verfehlungen vorhält – geplatzte Schecks, Kreditbetrug, offene Rechnungen – ein fiskalisches Armageddon. Nur dass sie an keinem dieser Orte jemals war. Wegen der Fluchtgefahr weigert man sich, Kaution zu genehmigen, da sie in wenigstens zwei Staaten auf der Fahndungsliste stehe. Auch ihr Lebensgefährte Bridger, Special-Effects Programmierer im Valley, und ein herbeizitierter Gebärdensprachedolmetscher und ihre Anwältin vermögen nichts zu ändern – Dana muss mehrere Tage im Gefängnis verbringen, und selbst als sich herausstellt, dass sie unschuldig ist, kann sie dem System nicht einfach entkommen.

Das alptraumhafte Szenario, das Boyle hier im ersten Abschnitt des Romans entfaltet, schickt mir kalte Schauer den Rücken hinab – ist auch der Polizeistaat, wie er ihn schildert (und für die USA wohl so auch realistisch ist), bei uns noch ein klein wenig moderater (wenn auch nicht viel), ist auch unser Kredit- und Identitätsmanagement eine Winzigkeit schwerer zu knacken, das was er da schildert, könnte jedem von uns passieren, wenn unsere Daten in die falschen Hände geraten, und es ist ein guter Grund, auch weiter paranoid zu sein was Datenschutz angeht.

Der Großteil des Romans befasst sich aber weniger mit dieser Problematik, sondern mit einer sich langsam entfaltenden Dreiecks-Nicht-Beziehung zwischen Bridger, Dana Halter und dem Mann, der ihre Identität als Dr. Dana Halter gestohlen hat und eigentlich William „Peck“ Wilson heisst. (Bezeichnenderweise ist „William Wilson“ eine Geschichte von Edgar Allan Poe, in der es um einen Doppelgänger geht).

Da die Strafverfolgung weder fähig noch willens ist, dem falschen Dana Halter das Handwerk zu legen, machen sich Bridger und Dana auf die Suche nach dem Doppelgänger, damit die Sache ein für alle mal geregelt ist und Dana wieder ruhig schlafen kann. Was folgt, ist eine fernsehreife Verfolgungsjagd, und mit einer Verfilmung ist wohl zu rechnen.
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