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Jonathan Kellerman – Evidence

Der 24. Alex-Delaware-Roman

Die Romane um den (ursprünglich Kinder-) Psychologen Alex Delaware haben mich ein weites Stück meiner Lesegeschichte begleitet, ich glaube ich habe fast alle davon gelesen, wenn auch nur eine Handvoll hier bislang Erwähnung gefunden hat. Das, was für mich die Faszination an Delaware und den Romanen Kellermans ausmachte, waren die psychologischen Einsichten und Gedankengänge der Hauptfigur, sowie die bildhaften, szenischen Beschreibungen der Landschaft, die Los Angeles und seine Umgebung wie einen Film vor mein inneres Auge holten.

In

evidence

Evidence

entfernt sich Kellerman von beidem immer mehr.

Die Geschichte ist ein klassisches police procedural, das eher in einen Ed McBain-Krimi passen würde, ganz routiniert geschrieben, aber dennoch nicht mehr als Krimidurchschnitt. Charakterentwicklungen der Haupthandlungsträger gibt es keine, die Story nimmt ausserdem nur sehr langsam Fahrt auf. Im Grunde ist der Psychologe Alex Delaware nicht mehr als ein Erzähler der Story, der Lieutenant Milo Sturgis bei einem Fall als dessen Faktotum begleitet – er ist weder für die Aufklärung hilfreich noch nötig noch trägt er sonst irgendwas zu den spannenden Teilen des Romans bei.

Die Handlung: Ein privat bezahlter Sicherheitsmann entdeckt bei einem seiner Routine-Rundgänge durch die leerstehende Bauruine eines Hauses in einem Stadtteil der Superreichen zwei Leichen. Sie befinden sich in einer sexuellen Stellung, der Mann wurde erschossen, die Frau erwürgt – und, wie sich später herausstellt, mit einem Revolver vergewaltigt.
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John R. Maxim – Whistler’s Angel

John R. Maxim’s Roman

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Whistler’s Angel

beginnt mit einem Vorgriff… oder genauer, es beginnt mit Adam Whistler und seiner Freundin Claudia, der Frau die er liebt, und die sich für seinen persönlichen Schutzengel hält, auf einer privaten Yacht in der Karibik, auf der sie ein Jahr lang das Leben der Superreichen geniessen, und es wird klar dass sie untergetaucht sind. In Rückblenden erzählt Maxim dann, wer Adam ist, und wie es dazu kam, dass er mit Claudia untertauchte, nachdem sie zweimal klinisch tot war, durch die Wirbelsäule geschossen, bei einer Aktion die nur einem einzigen Zweck diente: Adam und seinen Vater zu erpressen.

Denn Adam hat bis vor kurzem für eine Regierungsbehörde gearbeitet, als Spezialist, der dabei helfen sollte, Drogenhändlern das Handwerk zu legen – und bei dieser Gelegenheit deren Reichtum einer neuen Verwendung zuzuführen. Nur dass sein Boss korrupt ist, und Adam davon Wind bekommt, und mit einer Akte verschwindet, in der sein Chef, Felix Aubrey, haarklein seine Schandtaten und anderes notiert hat.

Diese Akte ist es, die Aubrey um jeden Preis zurück haben will, weswegen Adam sie nach langer Überlegung an seinen Vater weitergibt, der andere Möglichkeiten hat, Aubrey zu erpressen und damit auf Abstand zu halten. Doch es gibt noch andere, die Adam ans Leder wollen, und als er nach einem Jahr in der Karibik wieder an das Licht der Öffentlichkeit tritt, sind gleich mehrere Parteien hinter ihm und Claudia – und der Akte – her… Es entfaltet sich eine mörderische Jagd nach Whistler, in deren Verlauf Claudia Gelegenheit bekommt zu beweisen, dass sie wirklich sein Schutzengel ist.
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John Hart – Down River

Für seinen Roman

downriver

Down River

hat John Hart den Edgar Award der Mystery Writers of America erhalten.

Fünf Jahre ist es her, seit Adam Chase die Farm seines Vaters und Rowan County, North Carolina, verliess. Fünf Jahre sind vergangen, seit er seiner Familie, seinen Freunden und der Frau die er liebte, den Rücken kehrte, fünf Jahre, seit ihn sein eigener Vater rausgeworfen hatte. Denn in Rowan County glauben alle, Adam sei ein Mörder. Dass er freigesprochen wurde, interessiert nicht – seine Stiefmutter hat einen Täter gesehen, der seiner Beschreibung entspricht, und genau das sagt sie vor Gericht auch aus, an seiner Kleidung haftete das Blut des Opfers – ein klarer Fall.

Eigentlich hat Adam keinen Grund zurückzukehren, doch sein bester Freund aus Kinderzeiten bittet ihn um Hilfe. Und knapp drei Wochen, nachdem er dieses Ansinnen abgelehnt hat, besteigt Adam doch schweren Herzens ein Auto und fährt heim – nur um wenig später vom Vater seines besten Freundes und zwei anderen krankenhausreif geprügelt zu werden.

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Richard Morgan – Altered Carbon

Band 1 der Takeshi Kovacs Reihe

This seamless marriage of hardcore cyberpunk and hard-boiled detective tale is an astonishing first novel.

zitiert der Klappentext The Times und verspricht

a lightning fast, breathtakingly violent noir thriller set in the San Francisco of the 26th century.

Die Rede ist vom in der Tat atemberaubenden Erstlingswerk von Richard Morgan,

alteredcarbon

Altered Carbon

derweil auch auf Deutsch unter dem Titel Das Unsterblichkeitsprogramm zu haben.

Bereits der Einstieg in den Roman ist ein Knaller (und erinnert an die runs von Shadowrun oder Neuromancer). Kovacs und seine Partnerin haben einen Einbruch bei einer Biotech-Firma hinter sich und warten nun, von Drogen hellwach gehalten und schwer bewaffnet, auf den Gegenschlag, der auch kommt – und beide tötet.

Wie lässt man einen Ich-Erzähler eine Handlung vortragen, bei der er schon zu Anfang ums Leben kommt? Die Antwort ist ein Stack. In dem Universum das Morgan entwirft, sind Persönlichkeiten, der Geistesinhalt, Erinnerungen, Seele komplett digitalisierbar und jeder Mensch erhält bei Geburt einen Chip in die Schädelbasis implantiert, den Stack, auf dem das alles gespeichert wird. Stirbt man, kann man – entsprechende Bedingungen vorausgesetzt – wieder in einen neuen Körper implantiert werden, das nennt sich re-sleeving (ein Sleeve, also ein Behältnis, eine Hülse, ist die wenig schönfärberische Bezeichnung für so einen neuen Körper).

Sterben ist beinahe unmöglich, ausser der Stack wird zerstört ohne dass es ein Backup davon gibt.

Kovacs, die Hauptfigur des Romans, erwacht in einem neuen Körper auf der Erde, 186 Lichtjahre von seiner Heimatwelt, Harlans World entfernt. Ihm ist sofort klar dass er in den Knast gewandert war – im Zeitalter des Stacks bedeutet das nichts anderes als dass die Persönlichkeit für die entsprechende Dauer der Strafe in einem Speicher eingelagert wird – und jemand hat ihn aus dem Gefängnis geholt und per needlecast, einer hyperschnellen Funkverbindung, zur Erde nach Bay City transferiert, um ihm einen Job anzubieten oder vielmehr aufzuzwingen. Denn Kovacs ist kein gewöhnlicher Verbrecher, er ist gewissermassen staatlich akkreditierter Spezialist für jegliche Art von Undercover-Einsatz. Er ist ein Envoy, ein (ehemaliges) Mitglied eines Corps von Spezialisten der Regierung, und soll auf der Erde den Mord an Laurens Bancroft, einem drei Jahrhunderte alten Multimillliardär, aufklären.
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Desmond Bagley – Lebenslänglich mit Rückfahrkarte

Wer auch immer damals bei Heyne entschieden hat, aus dem 1972 erschienenen Thriller Freedom Trap auf Deutsch
lebenslaenglich

Lebenslänglich mit Rückfahrkarte

zu machen, gehört geschlagen, weil der Titel eigentlich schon zu viel von der Handlung verrät, ganz besonders aber, da das Buch bereits 1973 mit Paul Newman in der Hauptrolle unter dem Titel „The Mackintosh Man“ verfilmt wurde. Ein solcher Marketing-Faux Pas würde heutzutage sicher nicht mehr passieren.

Ein Mann, der sich Rearden nennt, wird für einen spektakulären Diamantenraub angeheuert, dann aber anscheinend von jemandem bei der Polizei verpfiffen, und landet schließlich im Gefängnis, wo er die nächsten zwanzig Jahre seines Lebens sitzen soll. Die Polizei schlägt ihm einen Deal vor – er soll ihnen die geraubten Diamanten aushändigen, dann wirke sich das strafmildernd aus. Das Problem ist nur, Rearden hat die Diamanten nie zu Gesicht bekommen. Er wurde von seinem Auftraggeber, Mackintosh, hereingelegt.

Was zunächst wie eine Gaunergeschichte anfängt, entfaltet sich jedoch nach und nach zu einem kunstvoll gestrickten Kalter-Krieg-Spionage-Thriller. Rearden bricht aus, und so langsam wird klar, dass er allein für diesen Ausbruch überhaupt in Gefängnis musste, um einer Serie von Gefängnisausbrüchen auf die Spur zu kommen, bei denen eine größere Organisation die Hand im Spiel hat – der russische Geheimdienst. Und wie ist die IRA in die Sache verwickelt?

Das alles interessiert Reardens Fluchthelfer aber nur wenig – sie wollen ihren Anteil an den Diamanten, die er nie besessen hat. Und nun sitzt Rearden zwischen allen Stühlen – Ganoven, mehrere Geheimdienste und die britische Polizei sind ihm auf den Fersen, während er verzweifelt versucht, am Leben zu bleiben und Licht in das Dunkel der Vorkommnisse zu bringen…

Obwohl Lebenslänglich mit Rückfahrkarte nun fast 40 Jahre auf dem Buckel hat und man die natürlich an den technischen Gegebenheiten des Buches bemerkt, ist es ein atemberaubend spannender, in einer mitreissenden Ich-Perspektive erzählter Thriller, den man mit etwas Auffrischung hier und da (kein böser Kommunismus mehr) problemlos in die Neuzeit übertragen könnte. Hier war ein Routinier des Genres am Werk, und das auf hohem Niveau.

Bewertung: ★★★★☆ 

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