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Teri Gault – Shop Smart, Save More

Ein bisschen Geld sparen beim Einkaufen – wer möchte das nicht gerne? Und wir „wissen“ doch alle, dass die großen Supermarktketten mit Tricks arbeiten, um an unser Geld zu kommen, also wäre es nur fair, ein bisschen gegenzusteuern, mit Köpfchen eben. Schlauer einkaufen und dabei mehr Geld sparen, das ist das Versprechen mit dem Teri Gault antritt.

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Shop Smart, Save More: Learn The Grocery Game and Save Hundreds of Dollars a Month

Dass ich „hunderte“ Dollar würde sparen können, habe ich von Anfang an bezweifelt, das gäbe mein Budget gar nicht her, Teri Gault geht von einer US-amerikanischen Familie mit zwei Kindern aus, die ihren ganzen Krempel in den großen Supermärkten kauft, und sich, gelinde gesagt, an der amerikanischen Standard-Diät orientiert.

Das Buch besteht aus drei Abschnitten.

Im ersten Abschnitt geht es um Couponing, und hier merkt man auch sofort, warum das Buch für den europäischen Markt und insbesondere im Einsatz in Deutschland nutzlos ist. Zwar beginnen auch bei uns die großen Marken langsam damit, Coupons anzubieten, also Schnipsel für die man dann irgendwas mit Rabatt kaufen kann, aber mit dem nordamerikanischen Supermarktgeschäft ist das hier absolut nicht vergleichbar. Von Zwei-für-eins-Angeboten (die uns in Kanada massenhaft begegneten), über das ‚doubling up‘, bei dem Supermarktketten bis zu bestimmten Warenwerten den Wert eines Gutscheins nochmal verdoppeln, Super-Sales unter dem Einkaufspreis (in UK zulässig, in D zumindest auf dem Papier vom Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb weitestgehend verboten), bis hin zu den massenhaften Coupons für Marken- wie Nichtmarkenware reicht das Angebot.

Teri Gault, bekannt für ihre Website The Grocery Game, auf der die neuesten Coupons zu finden sind (und die eine kleine Abogebühr verlangt), legt hier das große Einmaleins des Einkaufens mit Coupons vor, von der Couponorganisation bis zum angewandten Kopfrechnen nach Grundpreisen.
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Felicity Lawrence – Not on the label

Felicity Lawrence ist Mitarbeiterin des Guardian und, man möchte fast sagen, Journalistin alter Schule, eine die mit offenen Augen und Ohren ihre Themen recherchiert und auch nicht vor Gegenwind zurückschreckt. Ihr Buch

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Not On the Label:
What Really Goes into the Food on Your Plate

erschien bereits 2004; dem Thema Essen und food politics widmet sie sich seit rund 20 Jahren. Das Buch basiert zum Teil auf Feature-Artikeln, die sie für den Guardian geschrieben hat. Obwohl deswegen ein Teil der Daten darin heute veraltet ist, wirft es dennoch einen erschreckend aktuellen Blick auf die vor allem britische Welt der Nahrungsmittel in Supermärkten; man kann aber davon ausgehen dass das meiste davon heute 1:1 auch auf den Rest Europas übertragbar ist.

Das erste Kapitel, „Chicken“, widmet sich der Massenproduktion von Geflügel – von den (un-) hygienischen Bedingungen ihrer Schlachtung, über das grenzenlose Verschieben von Hühnerteilen und deren Verfallsdatum quer durch die EU, bis hin zum Aufbessern des Verkaufsgewichtes mittels „hydrolisierten Proteinen‘, die auch schon mal vom Schwein (100 % halal) oder dem Hirn eines BSE-Rindes kommen können. Spätestens hier und bei der Zutatenliste eines bekannten Fastfood-Geflügelbestsellers könnte man als Leser beschliessen, nie mehr im Leben irgendetwas mit Huhn in der Systemgastronomie zu essen.

In diesem Kapitel legt Lawrence bereits deutliche Hinweise auf den Schwerpunkt des Buches aus – zwar geht es ihr auch um die organisierte Lebensmittelpanscherei in der industriellen Produktion von Nahrung; vor allem aber will sie aufzeigen, dass das ‚System‘ Supermarkt mit seinem Preisdruck, der Verlagerung von Lagerflächen auf die Strasse, und der abartigen Erpressung der Erzeuger Schuld daran ist, dass wir nicht preisgünstigere, sondern im Wortsinne billigere Lebensmittel zu hohen Kosten auf anderen Gebieten vorgesetzt bekommen.

So dreht sich das Kapitel ‚Salad‘ auch nur vordergründig um gewaschene Blätter in gasgefüllten Beuteln, die das ach so gesunde Grün ebenso frisch halten wie sie ihm jeglichen Nährwert nehmen. Schnell kommt sie auf ein Thema, das sich durch das ganze Buch wie ein roter Faden zieht: die Ausbeutung, ja sklavenähnliche Haltung von Farmarbeitern – in England pakistanische oder auch EU-interne Migranten, die von Ganglords unter menschenunwürdigen Bedingungen ausgebeutet werden; in den Plastikgewächshaus-Monokulturen Spaniens dann Algerier und Marokkaner, die wie Vieh in winzigen Kaschemmen leben. Sklaverei existiert – mitten unter uns, in den reichsten Nationen der Welt – damit wir billigen gewaschenen Salat im Supermarkt vorfinden? Etwas läuft hier grundlegend falsch.
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