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Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte

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Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte:
Goldene Regeln für gute Ernährung
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von Michael Pollan, illustriert von Maira Kalman

Michael Pollan, den die New York Times einmal als liberal foodie intellectual bezeichnete, ist einem größeren Publikum durch seine beiden Bücher In Defense of Food: An Eater’s Manifesto (deutsch: Lebens-Mittel: Eine Verteidigung gegen die industrielle Nahrung und den Diätenwahn) und The Omnivore’s Dilemma (deutsch: Das Omnivoren-Dilemma: Wie sich die Industrie der Lebensmittel bemächtigte und warum Essen so kompliziert wurde) bekannt. In letzterem befasst er sich ausgiebig mit dem Siegeszug des subventionierten Mais in der amerikanischen und weltweiten Lebensmittelindustrie, und generell kann man ihn wohl als einen der wichtigsten Kritiker der Nahrungsmittelindustrie betrachten.

2009 veröffentlichte er dann Food Rules. An Eater’s Manual, ein handliches Büchlein, das den von der komplizierten Welt der Lebensmittel verwirrten Kunden ein paar einfach zu befolgende Ratschläge an die Hand geben soll, wie sie gesund, umweltschonend und bewußter essen und leben können. Im Kunstmann-Verlag ist soeben die fröhlich-bunt von Maira Kalman illustrierte Sonderausgabe des Büchleins erschienen, als 220 Seiten dickes Hardcover-Buch mit Schutzumschlag.

Credo des Buches ist, wie vielfach im Web zitiert:

Eat food, not too much, mostly plants.

und damit lässt sich auch der größte Teil der Philosophie von Pollan zusammenfassen.

Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, dieses Buch zu mögen, obwohl – oder vielleicht weil – ich mit dem Autor und seinen Thesen (aus anderen Büchern und Kontexten) so meine Probleme habe. Denn im Grunde vertritt Pollan hier all das, was ich selbst auch propagieren würde: esst richtige Nahrung, lasst die Finger von Lebensmittelzusatzstoffen, kocht selbst, kauft euer Essen nicht an der Tankstelle, genießt euer Essen, esst nichts was nicht verderben kann – wobei der Autor bzw. seine Übersetzerin die Leser konsequent-deutsch siezt, was dem Ganzen für mich eine seltsam dozierende Konnotation verleiht.

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Norbert Suchanek – Der Soja-Wahn

Norbert Suchanek ist seit seinem Studium der Chemietechnik Umweltjournalist, war für Greenpeace aktiv, und hat sich in Eine-Welt-Netzwerken engagiert. Er lebt und arbeitet heute in Brasilien. In

sojawahn

Norbert Suchanek: Der Soja-Wahn
Wie eine Bohne ins Zwielicht gerät

setzt er sich kritisch mit der Sojabohne auseinander – egal ob es sich um Ernährungslügen handelt oder die Folgen des weltweiten Sojaanbaus für Mensch und Umwelt.

Die Kapitelliste:

  1. Soja – gut für die Gesundheit?
  2. Margarine aus Soja – gesünder als Butter?
  3. Soja statt Gras – schlecht für Mensch und Tier
  4. Soja und Asien – mehr Mythos als Wahrheit
  5. Opfer der Bohne: Mensch und Natur
  6. Soja – ein amerikanischer (Alb-) Traum
  7. Kann (Gen-) Soja nachhaltig sein?

Die Frage nach der Gesundheit ist hoch interessant, und es ist passend, dass Suchanek sie an den Anfang stellt. Immer wieder wird Soja als gesundes Nahrungsmittel, ja geradezu als Superfood angepriesen; Soja sei gut in den Wechseljahren und gegen Krebs (wegen der Phytoöstrogene); das Eiweiss besonders hochwertig; Sojaprodukte ein jahrtausendealtes Gesundmittel der Asiaten, Motto: esst mehr davon, etc. pp.

Dem Format des Bändchens angemessen geht Suchanek auf diese Fragen sehr komprimiert ein; viele Erkenntnisse der modernen Ernährungsmedizin jenseits von Low-Fat-Propaganda und Ernährungsrichtlinien der Regierungen (wie die Fehlerhaftigkeit der Cholesterinhypothese oder die fälschliche Behauptung mehrfach ungesättigte Fettsäuren seien gesünder als einfach gesättigte) setzt er voraus oder reisst diese nur knapp an; dafür findet sich dann in der Literaturliste das wohl endgültige Standardwerk zum Thema, Gary Taubes‘ Good Calories, Bad Calories: Fats, Carbs, and the Controversial Science of Diet and Health oder auch die thematische Artikelsammlung der Weston A. Price Foundation zum Thema Soja, Soy Alert.

Für den, der diese Lektüre kennt, sind die Ernährungskapitel keine Neuigkeiten, alle anderen dürften erstaunt aufschauen. Die meisten Punkte aus dem Buch zum Thema Soja als Menschennahrung findet man bei Taubes oder der Weston A. Price Foundation detaillierter wieder, sofern man des Englischen mächtig ist – das Weiterlesen lohnt sich.

Die folgenden Kapitel widmen sich dann der Massenproduktion von Soja im agrarindustriellen Komplex – beginnend bei der Tatsache, dass proteinreiches Soja eben keine geeignete Tiernahrung darstellt (und natürlich ernährtes Tier, grass-fed oder pastured heisst das im angloamerikanischen Raum, nicht nur besser schmeckt sondern auch für den Konsumenten deutlich gesünder ist).

Weiter geht es über Gentechnik (97% der Sojabohnen aus den USA sind GMO-crops) und Pestizide (Round-up und Konsorten) zur flächendeckenden Vernichtung von Regenwäldern für aus Sojaöl gewonnenen ach-so-nachhaltigen Biodiesel (die Produktion verschlingt 27% mehr Energie als sie erzeugt) und den Billigfleischhunger der ersten und zweiten Welt, die Zerstörung kleinbäuerlicher Strukturen und die Subventionierung von Soja in den USA, bis hin zu neuem Agrarkolonialismus in Afrika. Der Pestizid- und Düngerverbrauch von Soja nimmt Rekordausmaße an. Und dank Lobbyisten darf sich in Zukunft selbst Soja, das mit aus Flugzeugen versprühten Pestiziden eingenebelt wurde, noch als ‚verantwortliches Soja‘ schmücken.

Soja, eine Alternative für die Zukunft? Nur, wenn die Zukunft transgenen patentierten Produkten aus dem Labor der Agrochemiekonzerne gehört.

Die 110 Seiten sind gut zu lesen und ein vielleicht grad dank seiner Kompaktheit kräftiger Tritt in den Hintern, die eigenen Glaubenssysteme mal wieder zu überdenken. Zu befürchten steht allerdings, dass dieses Büchlein diejenigen, die es bräuchten, am wenigsten erreichen wird, sondern es am Ende auf preaching to the choir herausläuft.

Auf jeden Fall empfehlenswert.

Bewertung: ★★★★☆ 

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Anna Lappé and Bryant Terry: GRUB

What is GRUB?

1. grub is healthy, local, sustainable food for all
2. grub is food that supports community, justice, and sustainability
3. grub should be universal

definieren die Autoren des Buches ihre Mission auf der Webseite eatgrub.org, und wie das heutzutage so üblich ist, gibt es natürlich auch ein Begleit-Blog mit dem Titel Getcha Grub On.

Ich bin überzeugt, dass Konzepte wie Eat Local, das Unterstützen regionaler Strukturen und Handelsketten, und eine Auseinandersetzung damit wo unsere Lebensmittel tatsächlich herkommen, sehr wichtig und zukunftsweisend sind, nicht nur wenn es um die Ökologie geht, sondern auch im Hinblick auf transparente Produktion und Lebensmittelqualität. Das Buch

grub

Anna Lappé and Bryant Terry: GRUB. Ideas for an urban organic kitchen

verspricht eine interessante Lektüre und frische Ideen für das umweltbewusste Leben einer neuen, hippen jungen Generation, für die die Freude am guten Essen der Antrieb ist, nicht aber Political Correctness.
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Charles Clover – Fisch kaputt

Mehrere Jahre hat der renommierte britische Wissenschaftsjournalist Clover sich auf die Reise begeben, um den Zustand der Weltmeere zu erkunden, sich mit Fischern und Umweltschützern zu unterhalten und herauszufinden, wie es um die Fischbestände der Weltmeere bestellt ist. Das Ergebnis ist, salopp gesagt, eine globale Katastrophe. Der Mensch hat im 20. Jahrhundert die Fischbestände auf etwa 1/4 ihres ursprünglichen Ausmaßes reduziert. Mit Fangmethoden, die das Ökosystem Meer dauerhaft schädigen, wurde binnen weniger Jahrzehnte 90 % der gängigen Speisefische der Garaus gemacht – und Fisch liegt weiter im Trend, Fisch ist gesund, lecker, hip und die Umsatzzahlen steigen.

Doch wo soll all der Fisch in Zukunft herkommen, wenn die Ozeane leergefischt sind und keine Aussicht auf Besserung besteht? Was müssen wir tun, was müssen wir ändern, damit auch die Generation nach uns noch eine Chance hat, Seefisch zu essen? Wer trägt die Schuld an der Katastrophe? Und was kann der Verbraucher tun?

fischkaputt

>Charles Clover: Fisch kaputt

Auf all diese Fragen sucht – und findet – Clover Antworten, die erwartungsgemäß bei vielen nicht auf Gegenliebe stoßen werden. So fordert er von Gastronomen besonders der Spitzenküche, nicht nur nach der sensorischen, sondern auch nach der ökologischen Qualität der Produkte auf ihrem Teller zu fragen. Was bei Fleisch und Gemüse schon längst Normalität ist, muss auch bei Fisch und Meeresfrüchten Standard werden. Er stellt die MSC-Zertifizierung mit all ihren Pros und Kontras vor, und ruft Verbraucher auf, bewusst mit dem Produkt Fisch umzugehen.

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