T. S. Wiley – Lights Out

Lights Out – Sleep, Sugar and Survival
von T. S. Wiley und Bent Formby

ist eines dieser Bücher, über die man immer wieder stolpert, wenn man sich mit Ernährung, zirkadianen Rhythmen, Schlaf und Gesundheit befasst. Mal wird es hochgelobt, dann wieder als esoterischer Quatsch verrissen, aber nachdem nun auch in der Mainstream-Medizin angekommen ist, dass die dauernde Lichtüberflutung der Moderne unseren Körpern nicht unbedingt gut tut, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Thesen, die Wiley und Formby aufstellen.

Tatsächlich sind die Autoren alles andere als spinnerte Esoteriker. Runde 150 der 354 Seiten des Buches sind Quellenangaben zu den aufgeführten Studien, für jedermann, der es genau wissen will, präzise nachvollziehbar.

Die These der Autoren, stark verkürzt: Die Kombination aus im Übermaß verfügbaren Kohlenhydraten in der Nahrung und die ständige Verfügbarkeit von Helligkeit (dauerhafte Tagesverlängerung) sorgt dafür, dass wir dauergestresst sind, nicht ausreichend erholsamen Schlaf bekommen, und dadurch fett und krank werden.

Bis zur Elektrifizierung gab es Helligkeit nach Sonnenuntergang nur in Form von Kerzen und Öllampen; die Tages- und Nachtlänge orientierte sich an der Jahreszeit und am Sonnenstand, und auch viele der körperlichen Prozesse bei Homo Sapiens richten sich nach den Jahreszeiten. Vor dem Tiefgefrieren und Einmachen in rauen Mengen Zucker und Durch-die-Welt-Fliegen gab es Obst nur in wenigen Wochen im Jahr, in denen es reifte, die Saison, in der es galt, sich Fettvorräte für die kalte, dunkle, nahrungsarme Jahreszeit zuzulegen. „Gute Futterverwerter“, also Leute, die diese Extra-Kalorien in Fettdepots einlagern konnten, hatten bessere Überlebens- und damit auch Vermehrungsaussichten. Heutzutage gibt es kohlenhydratreiche Nahrung im Übermaß, der Köper hat dank Kunstlicht und Nahrung „das ganze Jahr Sommer“, und dafür sind wir nicht gemacht.

Tageslicht steuert nicht nur, ob wir wach oder müde sind, sondern vor allem unseren gesamten Hormonkreislauf. Ob Cortisol oder Melatonin, Dopamin oder Serotonin, Insulin oder Geschlechtshormone – alles wird vom Licht beeinflusst. Stimmen diese Regelkreisläufe nicht mehr, sind wir ständig im Stress, schlafen schlecht, werden depressiv, krank, unsere Immunsysteme werden davon beeinträchtigt – die Liste der möglichen Auswirkungen ist schier endlos, und liest sich wie das Who-Is-Who der modernen Zivilisationskrankheiten.

Vieles von dem, was Wiley und Formby auflisten, war mir nicht neu; eine Menge davon ist mir aus den Diskussionen um Paläo-, Keto- und kohlenhydratarme Ernährung und den entsprechenden Büchern und Studien dazu ein Begriff; die Ausführungen zu Vitamin D und Sonnenlicht etwa finden sich bei Holick (genauer). Was Lights Out dennoch extrem lesenswert macht, war für mich, die Zusammenhänge zwischen all diesen Gebeten klar vor Augen geführt zu bekommen – etwa, wie Müdigkeit, Stress, Erschöpfung, Hormone, Depressionen, Fetteinlagerung usw. einander bedingen und verstärken können.

Nach dem Lesen ist mir klar, wie viel ich noch an meiner Schlafhygiene ändern muss, und ich sehe auch viele andere Dinge – pun intended – in neuem Licht. Sehr zu empfehlen.

Bewertung: ★★★★☆ 

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