Stephen King – Bag Of Bones

Stephen King ist bekannt für eher plakative Horrorgeschichten. Mit Bag of Bones zeigt King jedoch eine ganz andere Facette seines Schaffens und führt uns in eine beinahe altmodische Geistergeschichte.

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Stephen King: Bag of Bones

Alles beginnt mit dem Schriftsteller Michael Noonan, der vom abrupten Tod seiner Frau Jo erzählt. Über diesen Verlust ist er nie hinweg gekommen, und so leidet er unter schweren Alpträumen, an die er sich jedoch morgens nicht erinnern kann, lähmenden Ausbrüchen akuter Trauer, und einer Schreibblockade.

Noonan, der Ich-Erzähler, beschließt, sich in sein Sommerhaus am Dark Score Lake zurückzuziehen, das den Namen „Sarah Laughs“ trägt – ein Lieblingsplatz in den Zeiten seiner Ehe – und sich dort seinen inneren Gespenstern zu stellen. Doch die sind bald die geringste seiner Sorgen… in dem Haus spukt es. Die Geister besuchen ihn in Sara Laughs, mischen sich in sein Leben ein…

Ist es der Geist seiner toten Frau, der hier umgeht? Immer lebendiger wird die verstorbene Jo für den Leser, und es ist wohl nicht zufällig, dass man sich doch stark an Daphne du Mauriers „Rebecca“ erinnert fühlt. Oder ist der Geist der sich in den Wänden des alten Hauses eingenistet hat, vielleicht der einer schwarzen Frau, die Jahre zuvor hier vergewaltigt und bestialisch ermordet wurde?

Wenig später trifft Mike eine junge Frau und ihr Kind, Mattie und Kyra. Er fühlt sich schon bald zu beiden hingezogen – und stolpert in einen Privatkrieg mit dem Großvater des Kindes, dem reichsten Mann der Gegend, der seine ganz eigenen Gründe hat, das Sorgerecht für die Kleine haben zu wollen. In der Folge wird Mike noch in ganz andere mysteriöse Vorgänge verwickelt, die seit Jahrzehnten wie eine düstere Wolke über der Stadt hängen.

Was nach Durchschnitts-Geistergeschichte klingt, lässt sich bei King zunächst ganz sacht und melancholisch an, kaum merklich und doch immer enger zieht er das Netz zusammen, in dem sich Mike und der Leser fangen, bis man schließlich der Story ebensowenig entkommen kann wie die Figuren, von denen einige leider das Ende nicht erleben werden.

King erkundet in Bag Of Bones souverän die inneren Strukturen der sozialen Gemeinschaft, in der Noonan lebt. Auf Umwegen führt er uns zu einer Art Theorie der Geister und spukenden Seelen weiter, die bereits in anderen seiner Werke aufblitzten, und bringt das alles in einem phantastischen und dennoch nachvollziehbaren Zusammenhang. Auch eine Reminiszenz an die Geister aus dem Dickens’schen „Christmas Carol“ bindet der Großmeister des Horror so ein, als sei er ein nativer Bestandteil seines Schaffens. Kings Charaktere sind wie so oft sehr intensiv geschildert und erfüllen auch die fiktionalen Wälder Maines mit Leben – und einer Gänsehaut…

Bag of Bones ist ein Roman der, obwohl er sich geografisch in gewohntem King-Territorium (Dark Score Lake, Derry, Maine) befindet und im literarischen Sinne „klassischen“ Horror liefert, jenseits der ausgetretenen Pfade des Beststellerautors funktioniert.

King würzt die Handlung mit mehr oder weniger subtiler Ironie und einer vielschichtigen Erzählung um vergangene und gegenwärtige Gefühle. Gerade durch seinen eher unterschwelligen Umgang mit dem Mysteriösen, mit den dunklen Orten in uns selbst, zieht der Roman den Leser in seinen Bann.

Auch für Nicht-King-Fans zu empfehlen.

Bewertung: ★★★★½ 

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