Stephen Coote – Drake

Die meisten kennen Sir Francis Drake vor allem als den heldenhaften Seebären im Dienste ihrer Majestät, der kühn und keck mit einer kleinen Nußschale von Schiff die Spanier in der Karibik das Fürchten lehrte und Silberbarren und Golddublonen scheffelte, bis sein Schiffchen beinahe zu sinken drohte.

Dass hinter dem Bauernsohn, der schon frühzeitig bei Freunden der Familie anheuerte und zur See fuhr, viel mehr steckte als nur ein schlichter Pirat, weiss Stephen Coote mit viel Liebe zum Detail zu erzählen.

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Stephen Coote – Drake
The Life and Legend of an Elizabethan Hero

Er setzt den genialen Strategen, die geborene Führungspersönlichkeit Drake ebenso in Szene wie die historischen Zusammenhänge – und die tief verwurzelte Überzeugung des protestantischen, elisabethanischen England, im Auftrage Gottes gesandt zu sein, die Macht der verhassten Papisten zu brechen. Das erscheint zunächst größenwahnsinnig, ist aber erst aus der Zeitgeschichte heraus zu verstehen. Denn das katholische Spanien war in der Tat daran interessiert, Britannien wieder zu Ehren der Kirche zu unterjochen und vor allem die eigene Seeherrschaft und Pfründe zu sichern.

Es war ein Zeitalter voller Eroberungszüge und Glorie, und Drake schaffte es nicht nur, legendär erfolgreiche Beutezüge an die afrikanische Küste und von dort in die Karibik zu machen, wo er den Spaniern teuer seine Sklaven verkaufte, sondern auch die Welt zu umsegeln – unter haarsträubenden Bedingungen, mit meuternden Mannschaften, revoltierenden adligen Geldgebern an Bord, Eifersüchteleien mit seinem eigenen Bruder und in verheerenden Stürmen. All dem entkam er und spielte schließlich eine wichtige Rolle im englischen Sieg über die Armada 1587.

Stephen Coote zeigt uns einen Drake, wie wir ihn in Historienfilmen nicht sehen können – skrupellos, und doch von starker Christlichkeit zutiefst geprägt, mit feinem Gespür für die Stimmungen in seiner Mannschaft, was auf wochenlangen Exkursionen mit vielen rauen Männern auf einem winzigen Schiff überlebenswichtig war.

Mit dem nötigen Quäntchen Glück – trotz wechselnder Koalitionen und Unterstützungen auch in der britischen Krone – schaffte es der Junge aus einfachstem Stande, wie er es verstand “durch Gottes Segen” an die Spitze der englischen Gesellschaft.

Coote bindet die Historie Drakes gekonnt in einen größeren Zusammenhang ein. Sein Buch ist spannend zu lesen, erschlägt aber bisweilen beinahe mit dem Detail. Eine faszinierende Biographie, die im Segelschiff rund um die Welt und in die Tiefen der Religionskriege führt.

Bewertung: ★★★☆☆ 

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