Robyn Davidson – Spuren

Robyn Davidson ist 27 Jahre alt, als sie einer verrückten Idee nachgeht – mit Kamelen den australischen Kontinent zu durchqueren. Und das ohne einen Penny in der Tasche, ohne Ahnung vom australischen Outback, und mit einer riesigen Portion Naivität. So ist vorprogrammiert, dass sie, die weisse Frau inmitten von Ultra-Macho-Land, zunächst einen nervaufreibenden Kampf mit ihrer Umwelt führt. Fast zwei Jahre arbeitet sie in lausigen Jobs in Alice Springs, um ihren Unterhalt zu sichern und von einem sie ausbeutenden Kamelhändler alles zu lernen, was sie über Kamele lernen kann.

spuren

Robyn Davidson – Spuren. Eine Reise durch Australien

Sie steht das durch dank ihrer Vision, dank ihrer überbordenden Liebe zu dem Land und zu den Tieren, mit denen sie zusammenarbeitet.

Dann, endlich, zieht sie los, mit vier halbwilden Kamelen und einem abgerissenen Hund, und durchquert innerhalb von 8 Monaten die Gibson-Wüste allein.

Schon der Kampf mit sich selbst, der eignen Unbedarftheit, aber auch mit widerborstigen Kamelen, unfreundlichen Mitmenschen und einfach der Gnadenlosigkeit des Wüstenlebens, macht „Spuren“ zu einer hinreißenden Reise- und Abenteuererzählung. Davidson berichtet so unverblümt, frisch von der Leber weg und ohne falsche Scham auch von ihren peinlichsten Momenten, mit soviel Witz und Selbstironie, dass selbst die größten Katastrophen noch zu heiteren Episoden werden.

Während Davidson ihren Respekt vor der „normalen“ Welt jenseits der Wüste bald verliert, weil sie kapiert, dass nur sie selbst sich beurteilen kann und da draussen im Outback andere Wertmaßstäbe gelten, dass Authentizität und Überleben wichtiger sind als gekämmte Haare und glückliche Reporter, ist ihre Reiseerzählung tief geprägt vom Respekt für das Land, seine Natur und die Aboriginals. Sie lernt, mit anderen, eigenen Augen die Welt zu sehen, und auch den Blickwinkel der Ureinwohner zu verstehen. Dabei macht sie nicht halt vor ausdrücklichen Anklagen gegen die weiße Regierung des Landes, die die Ureinwohner systematisch ausgeraubt und beinahe ausgerottet hat; ihr Buch ist ein Aufschrei gegen den Rassismus, der auch heute, 25 Jahre später, leider in Australien weit verbreitet ist.

Das alles ist verpackt in atemberaubende Naturbeschreibungen, die jedem Australienfan das Herz höher schlagen lassen. Eine fesselnde, abenteuerliche Reiseerzählung aus dem wahren Leben, die auch fast 3 Jahrzehnte später nichts von ihrem Reiz verloren hat. Großartig.

Bewertung: ★★★★★ 

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