Pepetela – Jaime Bunda, Geheimagent

Nicht alles was anders ist, ist originell, könnte die Kurzfassung meiner heutigen Rezension lauten. Oder auch: Klischees 101. Quer durch die Medien bekam

jaimebunda

Pepetela – Jaime Bunda, Geheimagent

gute Noten ausgestellt, wurde wohlwollend beim Deutschlandfunk rezensiert und galt als *die* Leseempfehlung für aufgeschlossene Krimifans schlechthin.

Wer ist dieser Jaime Bunda, dessen Name nicht zufällig nach James Bond klingt? Jaime kommt aus einer angesehen Familie, hat Vitamin B, wie man so schön sagt, und sitzt deswegen mit seinem breiten Hintern, dem er den Spitznamen „Bunda“ verdankt, unkündbar auf einem Praktikantenposten im verzwickten Filz aus Militär und Bürokratie, der das postkoloniale Angola beherrscht.

Er betrachtet sich selbst als Star-Geheimdienstler und geht mit einer seltsamen Unbefangenheit und einer guten Portion Größenwahn daran, seinen ersten echten Auftrag zu erledigen – einen Mordfall, für den ein besonders harmloser und unerfahrener (um nicht zu sagen dämlicher) Polizist gesucht wurde, der garantiert nichts kaputtmacht oder ermittelt. Und natürlich bringt Bunda seinen Auftrag entgegen der Erwartung seiner Vorgesetzten zu einem erfolgreichen Ende, was die Verzwicktheit der Lage nur verschlimmert…

Mit ingesamt vier Erzählerstimmen, darunter ein eher zynischer auktorialer Kommentator, berichtet Pepetela von Bundas Abenteuern, und doch möchte bei mir so keine rechte Krimistimmung aufkommen. Zwar ist ganz heiter und erhellend, was wir da aus dem Alltag eines afrikanischen Landes erfahren, und Pepetela vermittelt sehr viel Lokalkolorit und satirische Kritik am herrschenden System seines Heimatlandes. Aber unter dem Strich bleibt für mich seine Sprache gestelzt, anstrengend und viele Plots einfach gezwungen – es stellt sich kein flüssiges Krimi-Erlebnis ein.

Ich fiebere weder mit dem Helden des Ganzen mit noch kann ich für eine der Hauptfiguren auch nur eine Spur von Identifikation aufbringen. Nicht, weil die Lebenswelt eine gänzlich fremde (und als solche farbig beschrieben) ist, sondern weil für mich die Handlung und die Charaktere zu sehr hinter dem moralischen Zeigefinger, dem Anspruch das Land und seine Gesellschaft unter die Lupe zu nehmen, verblassen. Und vielleicht auch, weil die Charaktere einfach zu offensichtlich beschränkt und dämlich sind, zu betont durch den Kakao gezogen werden. Hier werden zum Teil Klischees angehäuft bis dem Leser das Lachen im Halse stecken bleibt.

Wer Spaß daran hat, einen ehemaligen Kolonialstaat durch das kritische Auge eines Ex-Guerilleros zu sehen, und sich auch von für westliche Verhältnisse ungewohnt hakeliger Sprache mit sehr viel indirekter Rede nicht abschrecken lässt, dem ist mit Pepetelas Antihelden mit dem extrabreiten Hintern ein Lesevergnügen garantiert. Als Lehrstück über das moderne Afrika taugt der Roman alle mal. Als spannender, unterhaltsamer Krimi jedoch hat er leider für mich sein Ziel verfehlt – die Krimihandlung ist nur schmückendes Beiwerk.

Bewertung: ★★½☆☆ 

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