Alan Cumming – Not My Father’s Son

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Alan Cumming kennen die meisten wohl als glatten Anwalt Eli Gold aus der TV-Serie „The Good Wife“, wo er mit einem ebenso glatten amerikanischen Englisch durch die Welt geht. Umso mehr überrascht es, wenn man den Schauspieler dann das erste Mal in der Hörbuchversion seines biografischen Werkes Not My Father’s Son reden hört – sanft und mit einem ausgesprochen angenehmen schottischen lilt.

In diesem Buch erzählt Alan Cumming einen Teil seiner Lebensgeschichte – von seiner Kindheit in Schottland, einem Vater, der ihn, den schwächlichen jüngeren Sohn, der nie etwas gut genug machen konnte, systematisch vertrimmte, der soff, und auch sonst eher ein gewalttätiger Mistkerl war. Gegen den Willen seines Vaters, aber mit der Unterstützung seiner Mutter, flüchtet Cumming schließlich, und ergreift die Chance, eine Schauspielschule zu besuchen.

Allein dieser Teil seines Lebens wäre schon ein Buch wert, und Cumming weiss ebenso spannend zu erzählen wie die Geschichte, die er in Rückblicken aus der Jetztzeit (getrennt mit ‚Now‘ und ‚Then‘ als Ansage) erzählt, in Szene zu setzen. Alan Cumming – Not My Father’s Son weiterlesen

Hans Kammerlander – Seven Second Summits

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Nach Erlebnissen an den 14 Achttausendern und rund 50 Erstbegehungen hatte Hans Kammerlander ein neues Ziel: die Besteigung der zweithöchsten Gipfel auf den sieben Kontinenten. Sein Projekt der »Seven Second Summits« wurde zu einer Reise um die Welt; vom K2 in Asien, der ihm extrem viel abverlangte, über den Ojos del Salado am Rand der Atacamawüste bis zum Dschungel Neuguineas. Doch dann wurde ausgerechnet der vergleichbar »einfache« Mount Logan in Nordamerika zum Auslöser heftiger Diskussionen – zu einem Zeitpunkt, als der erfahrene Höhenbergsteiger längst entschlossen war, zum Berg des Anstoßes zurückzukehren…

So weit die Verlagsbeschreibung zu Hans Kammerlanders Seven Second Summits: Über Berge um die Welt

Ich habe schon als Kind gern Bergsteigerabenteuer gelesen, und lese bis heute gern so etwas. Das Buch klang also eigentlich super. Eigentlich…

Kammerlander als Zeitgenosse und Wegbegleiter von Reinhold Messner ist mir ein Begriff. Er weiss ganz zweifelsohne, von was er redet, und so ist sein Bericht von der Besteigung der jeweils zweithöchsten Berge der sieben Kontinente auch von seiner Fachkenntnis geprägt, und seiner recht bescheidenen, sich zurücknehmenden Art. Das ist durchaus eine Zier. Leider macht es ihn aber nicht zu einem guten Erzähler.

Meine Irritation mit diesem Buch beginnt bereits damit, dass der Prolog sich ganz ausführlich und eher schnarchnasig der schon auf dem Klappentext erwähnten Vorgeschichte widmet, und auch das erste Kapitel, die Besteigung des K2, zieht sich für mich wie Kaugummi. Nein, das Kapitel erzählt eben nicht sein Abenteuer K2. Stattdessen lässt uns Hans Kammerlander wortreich wissen, warum der K2 so toll und so schwer und so aussergewöhnlich ist und wer sich noch alles dort herumgetrieben hat, er erzählt von seinem ersten Versuch den Berg zu besteigen, von der Topographie, und irgendwann, sehr spät im Kapitel, geht es dann auch tatsächlich, endlich!, um diese letzte, erfolgreiche Besteigung, aber das alles liest sich wie eine Nacherzählung aus einem Schulaufsatz.

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Andreas Altmann – Triffst Du Buddha, töte ihn!

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Andreas Altmann, Reisejournalist und Autor, hatte ein sehr abwechslungsreiches Leben. Sein Lebensweg führte ihn aus Altötting auf Umwegen und über ein Schauspielerdasein nach Paris, nach New York, in ein japanisches Zenkloster, in einen Ashram, nach Mexiko City, und auf der hier beschriebenen Reise nach Indien.

Der etwas plakative Titel ist allerdings irreführend (und wird im Verlauf des Buches auch erklärt), denn Altmann schlägt keineswegs vor, (einen) Buddha zu töten. Tatsächlich betrachtet er selbst sich im sehr ursprünglichen Sinne als einen Buddhisten (wenn auch einen streitbaren), und ermutigt seine Leser, sich ebenso streitbar und selbstkritisch mit Buddha, den Weltreligionen und sich selbst auseinander zu setzen.

In Triffst du Buddha, töte ihn! Ein Selbstversuch reist er nach Indien, nicht ganz sicher, was er genau sucht, jedenfalls nicht „die Erleuchtung“, aber doch irgendwie etwas, oder jemanden, die ihm helfen, sich selbst und die Welt besser zu verstehen, besser anzunehmen, glücklicher zu sein. Und so ist das Buch ebenso sehr eine Erzählung einer Reise durch Indien wie ins eigene Selbst.

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John Grisham – Die Farm (Hörbuch)

Grisham, Die Farm

John Grisham: Die Farm
gelesen von Charles Brauer

John Grisham kennt wohl jeder – er ist seit „Die Firma“ so etwas wie der Großmeister des juristischen Thrillers. Weltweit wurden über 60 Millionen seiner Bücher verkauft und in 29 Sprachen übersetzt, und zahlreiche seiner Bücher wurden erfolgreich verfilmt.

Das Buch:

Im Original ist der Roman unter dem Titel „The Painted House“ erschienen, und der Anstrich eines alten Farmhauses spielt auch eine Rolle in diesem recht untypischen Werk von John Grisham – denn es geht nicht um Gerichte, Justiz und Anwälte, sondern um den Sommer auf einer Baumwollfarm in den Südstaaten der USA im Jahr 1952. Erzählt wird vom kargen, harten Leben der Baumwollfarmer, die nicht viel mehr als scheinselbständige Lohnsklaven der Reichen sind, und die trotz Hitze, Dürre, zu wenigen Erntearbeitern und bitterer Armut irgendwie durch ihr Leben kommen. Die Geschichte erzählt der 7jährige Luke Chandler, oder doch Luke Chandler aus der Sicht seines siebenjährigen Ichs – die Handlung umfasst einen Sommer, eine Erntesaison in Arkansas.

Die Chandlers betreiben eine kleine Farm, auf der Baumwolle angebaut wird. Die Frauen der Chandlers, vor allem die Großmutter, haben das Regiment über Haus und Garten. Ricky, der Onkel von Luke, ist im Koreakrieg, und in der kargen Freizeit, die den Chandlers bleibt, hören sie Radio, mal in der Küche, mal auf der Terrasse – mit den regelmäßigen Baseballübertragungen, die die Fantasie des siebenjährigen Luke beflügeln, und eben Kriegsnachrichten; oder sie schreiben Briefe an Ricky. Dass Ricky „bald nach Hause kommen“ könne, steht als ständige Hoffnung im Raum. Doch zunächst ist das Tagesgeschäft zu absolvieren… die Chandlers brauchen für die lange und anstrengende Ernte Farmarbeiter. Zum einen die „Leute aus den Hügeln“, die Hillbillys, die zum Arbeiten ins Tiefland kommen mit Sack & Pack und Familie, zum anderen Mexikaner, die auf Lastwagen herangekarrt werden und die harte Saisonarbeit übernehmen.

Doch diesen Sommer wird alles anders. Luke, der eigentlich eine Cardinals-Baseball-Jacke haben möchte, und dafür mit den anderen auf den Feldern schuftet, verliebt sich in die 16jährige Tally, die Tochter eines der „Hillbillys“, die auf der Chandler-Farm als Saisonarbeiter hausen.
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On Her Majesty’s Secret Service – BBC Audiobook

Eins der für mich großartigsten Hörbücher der letzten Zeit stammt von der BBC, eine ungekürzte Lesung eines James-Bond-Romans von Ian Fleming:

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On Her Majesty’s Secret Service – gelesen von David Tennant

Die Geschichte ist eine ganz klassische Bond-Nummer – und auch wieder nicht. On Her Majesty’s Secret Service wurde mit George Lazenby verfilmt, und genießt allgemein keine gute Reputation, aber nicht wegen der Handlung, sondern wegen Lazenby. Die Handlung wiederum bietet alles auf, was Bond ausmacht: Superböse Gegner, hier Ernst Stavro Blofeld, rasante Action und Liebeleien – und doch… Bond verliebt sich, Bond kündigt sogar den Job auf, Bond heiratet – und es ist klar dass das in einer gigantischen Katastrophe enden muss…

Was dann den Spaß an diesem Hörbuch ausmacht, ist auch weniger Bond, James Bond – obwohl gerade bei den kühlen Beschreibungen eines sehr düsteren Commander Bond ein skeptisch und grimmig dreinblickender Daniel Craig vor meinem inneren Auge entsteht.

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Dave Bruno – The 100 Thing Challenge

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The 100 Thing Challenge: How I Got Rid of Almost Everything, Remade My Life, and Regained My Soul

„The 100 Thing Challenge is a response to the culture of materialism in America, one that has filled our lives with the constant and unsatisfactory desire for „more.“ Dave Bruno offers compelling anecdotes and practical advice to help readers live more meaningfully, simply by casting off the unnecessary „stuff“ that clutters their lives.“

Im Jahr 2008 hat David Michael Bruno eine Krise – und eine Einsicht noch dazu: er hat zu viel Zeugs angehäuft. Etwas, das die meisten Menschen unseres Kulturkreises, die länger als zwei Jahre an einem Ort wohnen, aus eigenem Erleben kennen: Man schaut in den Schrank, auf den Dachboden, in der Keller, und entdeckt Zeug, von dem man nicht mal mehr wusste dass man es hat, oder doch denkt, man könne es ja nochmal brauchen, und nächstes Jahr ganz bestimmt auf diesen Campingtrip in den Himalaya gehen, für den man die Ausrüstung seit 15 Jahren hortet…

Und so beschließt Dave, sein Leben einer Radikalkur zu unterziehen. Gar nicht so einfach, wenn man Vater von drei Kindern ist, ein Haus an der kalifornischen Pazifikküste hat, mit Garage, Schuppen, und und und… sein Ziel: er will seine Besitztümer auf 100 Gegenstände eindampfen, sich von Unnützem trennen. Die 100 ist dabei eine willkürliche Zahl, die er auch schon mal unterschreitet. In The 100 Thing Challenge berichtet er davon, wie es zu der Idee kam, wie er sie umsetzte, und wie sich die damit verbundenen Denkprozesse auf sein Leben auswirkten.

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Rolf A. Becker – Der Krimi, unser täglich Brot

Rolf Becker, Erfinder von „Dickie Dick Dickens„, nimmt in diesem kurzweiligen Bändchen die Krimiwelt unter die Lupe. Von den Anfängen bei Edgar Allan Poe und Sir Arthur Conan Doyle bis zur modernen Krimiserie im TV analysiert der Krimispezialist die ganze Welt von Mord und Spannung.

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Rolf A. Becker – Der Krimi, unser täglich Brot
Eine satirische Betrachtung über Krimis

Mehr als den Kriminalroman aber, der vor allem zur Erläuterung der Grundtypen des Krimis dient – der Wer-War’s-Krimi, der auf die intellektuelle Lösung des Problems setzt, und der Action-Krimi, in dem es um eine schnell voranschreitende und dadurch Spannung erzeugende Handlung geht – nimmt der langjährige Rundfunk- und Fernsehautor das filmische Krimi-Geschehen unter die Lupe.

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Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte

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Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte:
Goldene Regeln für gute Ernährung
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von Michael Pollan, illustriert von Maira Kalman

Michael Pollan, den die New York Times einmal als liberal foodie intellectual bezeichnete, ist einem größeren Publikum durch seine beiden Bücher In Defense of Food: An Eater’s Manifesto (deutsch: Lebens-Mittel: Eine Verteidigung gegen die industrielle Nahrung und den Diätenwahn) und The Omnivore’s Dilemma (deutsch: Das Omnivoren-Dilemma: Wie sich die Industrie der Lebensmittel bemächtigte und warum Essen so kompliziert wurde) bekannt. In letzterem befasst er sich ausgiebig mit dem Siegeszug des subventionierten Mais in der amerikanischen und weltweiten Lebensmittelindustrie, und generell kann man ihn wohl als einen der wichtigsten Kritiker der Nahrungsmittelindustrie betrachten.

2009 veröffentlichte er dann Food Rules. An Eater’s Manual, ein handliches Büchlein, das den von der komplizierten Welt der Lebensmittel verwirrten Kunden ein paar einfach zu befolgende Ratschläge an die Hand geben soll, wie sie gesund, umweltschonend und bewußter essen und leben können. Im Kunstmann-Verlag ist soeben die fröhlich-bunt von Maira Kalman illustrierte Sonderausgabe des Büchleins erschienen, als 220 Seiten dickes Hardcover-Buch mit Schutzumschlag.

Credo des Buches ist, wie vielfach im Web zitiert:

Eat food, not too much, mostly plants.

und damit lässt sich auch der größte Teil der Philosophie von Pollan zusammenfassen.

Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, dieses Buch zu mögen, obwohl – oder vielleicht weil – ich mit dem Autor und seinen Thesen (aus anderen Büchern und Kontexten) so meine Probleme habe. Denn im Grunde vertritt Pollan hier all das, was ich selbst auch propagieren würde: esst richtige Nahrung, lasst die Finger von Lebensmittelzusatzstoffen, kocht selbst, kauft euer Essen nicht an der Tankstelle, genießt euer Essen, esst nichts was nicht verderben kann – wobei der Autor bzw. seine Übersetzerin die Leser konsequent-deutsch siezt, was dem Ganzen für mich eine seltsam dozierende Konnotation verleiht.

Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte weiterlesen

von Petra Hildebrandt