Michael F. Holick & Mark Jenkins – Schützendes Sonnenlicht

Dass Sonnenlicht gut tut, kann jeder am eigenen Leib erfahren – ein Sonnenbad entspannt und wärmt, wenn es Sommer wird geht auch die gute Laune nach oben. Und doch warnen Forscher zunehmend davor, in die Sonne zu gehen, die Lichtschutzfaktoren der Sonnenschutzmittel werden immer höher, die Hautkrebsraten steigen, das Ozonloch wird größer – darf man noch in die Sonne gehen, wenn man gesund bleiben will?

Die vielleicht überraschende Antwort auf diese Fragen gibt ein Wissenschaftler der Universität Boston, Professor Dr. Michael Holick, der sich seit Jahren mit Gesundheit und UV-Einstrahlung befasst. In zahlreichen Studien, die in renommierten medizinischen Fachblättern erschienen sind, konnte er belegen, dass Sonnenlicht längst nicht so schädlich ist, wie uns die Kosmetikindustrie weismachen will, sondern im Gegenteil lebensnotwenig.

In Englisch ist das Buch

sonnenlicht

Michael F. Holick, Ph.D., M.D., und Mark Jenkins
Schützendes Sonnenlicht
Die heilsamen Kräfte der Sonne

treffend mit „The UV Advantage“ – der UV-Vorteil – betitelt.

Nur knappe 128 Seiten plus eine umfangreiche Bibliographie umfasst dieses Büchlein, aber diese Seiten sind randvoll mit Information – so zeigt Holick etwa auf, dass es klare Zusammenhänge zwischen der Sonnenexposition und dem Blutdruck, der Sonneneinstrahlung und Osteoporose, aber auch der (fehlenden!) Sonneneinstrahlung und Krebs gibt. So könnte eine (moderate) Nutzung der Sonne allein in den USA geschätzte 27.000 Todesfälle durch Brustkrebs verhindern, und 37.000 Fälle von tödlich verlaufendem Prostatakrebs, da aus Sonnenlicht produziertes Vitamin D als Schutzfaktor bei diesen Erkrankungen wirkt, während jährlich je etwa 500 Männer und Frauen an einem Nicht-Melanom-Hautkrebs sterben.

Als ausgebildeter Dermatologe weiss Holick von was er spricht, und erklärt ebenso genau wie gut verständlich, wie sich Sonnenlicht auf die Haut auswirkt, und welche Arten von Krebs dabei entstehen können. Die Nicht-Melanom-Krebsarten (Basalzell- und Stachelzellkrebs) sind in der Tat Folgeschäden von zu starker Sonneneinstrahlung – Sonnenbrand, zu viel Sonne, vor allem in den ersten 30 Jahren des Lebens – , das maligne Melanom aber, die bösartigste Krebsform, wird nicht von Sonne oder UV verursacht – im Gegenteil, Studien zeigen, dass je weniger Sonnenlicht jemand regelmäßig abbekommt, umso höher die Rate an Melanomen ist.

Auch andere faszinierende Erkenntnisse hat Holick zusammengetragen – so ist Sonnenlicht ein hervorragender Blutdrucksenker, hilft bei Hauterkrankungen, Diabetes, Herzproblemen, Depressionen, Allergien und auch PMS. Bei Osteoporose und Osteomalazie ist Sonnenlicht geradezu ein unerläßliches Heilmittel.

Dabei macht Holick stets klar dass er nicht für das Bräunen eintritt, sondern für einen maßvollen und regelmässigen Kontakt der Haut mit dem natürlichen Sonnenlicht in seinem vollen, vor allem auch UV-B umfassenden Spektrum.

Nicht unbedingt aktuell sind seine Ernährungsempfehlungen, und den in das Buch integrierten Exkurs über (sinnvolle dermatologisch begründete) kosmetische Chirurgie halte ich im Zusammenhang des Themas für deplaziert, ansonsten gehört dieses Buch in die Hand eines jeden Arztes und eigentlich auch jedes Menschen, der sich und seine Lieben aktiv gesund erhalten möchte.

Wer angesichts der neuesten Forschungsergebnisse zu Blutdruck und Sonnenlicht seinen Patienten noch Betablocker verordnet, sollte wieder einmal nachlesen, was im hippokratischen Eid über das Gebot dem Kranken nicht zu schaden steht.

Pflichtlektüre!

Bewertung: ★★★★★ 

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