Michael Connelly – The Burning Room (Hörbuch)

Der 17. Roman der Harry-Bosch-Reihe

Der Roman

Harry Bosch arbeitet nach wie vor in der Abteilung Open/Unsolved, und sucht nach neuen Hinweisen zu alten, nie geklärten Fällen. In

The Burning Room

bekommt er eine neue Partnerin, Lucia Soto, einen “Rookie”, an die Seite gestellt. Sie ist ein aufsteigender Stern am Himmel des LAPD, und der alte Hase Bosch soll ihr noch etwas von seinem Wissen vermitteln, ehe er – sehr bald – in den Ruhestand gehen wird. Bosch ist von der Aussicht alles andere als begeistert, unter anderem, weil er zu den alten Recken mit einer guten Pensionsregelung gehört, und er sich sicher ist, dass man alles tun wird, ihm etwas anzuhängen, ehe er den Dienst quittiert, um an dieser Pension sparen zu können.

Der Fall, mit dem die Ermittler sich befassen müssen, kommt auf ungewöhnliche Weise auf ihren Tisch. Vor 20 Jahren wurde der Mariachi-Musiker Orlando Merced in Los Angeles bei einer Schießerei in der Öffentlichkeit schwer verletzt. Der Mann ist nun an der noch immer in seinem Körper befindlichen Kugel bzw. deren Auswirkungen gestorben. Mit der Kugel aus dem Leichnam liegt neues Beweismaterial vor, das außerdem die Schießerei damit zu einem untersuchenswerten Mord macht. Aber wer hatte ein Interesse daran, einen armen Mariachi-Musiker zu ermorden?

Bosch und Soto fangen an, sich bei den Mariachis umzuhören, und kommen zu dem Schluss, dass Merced nicht das eigentliche Ziel des Anschlages war. Bosch muss feststellen, dass seine neue Partnerin unter der Hand noch in einem anderen Fall ermittelt, einem Fall, der sie persönlich betrifft. Etwas, das Bosch gut verstehen kann, weswegen er ihr dabei zur Seite steht. Und die Zusammenarbeit erweist sich dann als noch viel fruchtbarer als gedacht…

Der Roman hat gewisse Längen, auch der Tatsache geschuldet, dass es eigentlich keine echte Action gibt, da so gut wie alles, das erzählt wird, in der Vergangenheit liegt. Kleinigkeiten wie Bosch, der mit einem übereifrigen Park Ranger aneinander rasselt, oder Tochter Maddie, die für das LAPD in einer Undercover-Operation als Minderjährige Alkohol kaufen geht, runden das Gesamtbild zwar ab, sind aber auch nicht zwingend für die Handlung. Die Storyline entwickelt sich langsam und häufig vorhersehbar. Dennoch fand ich den Roman unterhaltsam, zumal er einen gereiften und auch – so das überhaupt möglich ist – noch stärker desillusionierten Bosch zeigt, der auch sein mehr oder weniger verkorkstes Liebesleben einer kritischen Prüfung unterzieht. Der Roman liefert viel Procedural, wie immer routiniert ausgeführt, gemixt mit einem kräftigen Schuss Melancholie. Ich mag das, und habe dazu noch Freude an Ausflügen zu Orten, die ich schon selbst gesehen habe in Kalifornien, was den Roman für mich noch etwas lebensechter werden lässt.

Das Hörbuch

Die Hörbuch-Version wird von Titus Welliver gesprochen, der in der Amazon-Serie Harry Bosch verkörpert. Seine sonore Stimme ist sehr angenehm, und natürlich habe ich beim Hören automatisch auch “seinen” Bosch vor Augen. Gerade die trockenen, lakonischen Teile, die auf Umweg über Lucy Soto an den Hörer gebrachten Erläuterungen zu “proper procedures”, wirken hier ganz fabelhaft. Insgesamt hätte ich mir etwas mehr stimmliche Varianz und Lebendigkeit in seinem Vortrag gewünscht, zeitweise ist die Lesung etwas monoton, und ich bin an einigen Stellen mehrfach weggenickt, so dass ich sie erneut hören musste. Dennoch ein durchaus gelungenes Hörbuch.

Bewertung: ★★★★☆ 

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