Melissa Hershberg – The Rebel Diet

Diät- und Ernährungsratgeber, das gebe ich ganz offen zu, lese ich mittlerweile mit einer gewissen morbiden Faszination. Ansätze, die aus dem Gewohnten ausbrechen, sind da sehr willkommen, und genau das versprach

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The Rebel Diet: Break the Rules, Lose the Weight

zu sein.

Melissa Hershberg ist Medizinerin aus Toronto, die sich auch im Umgang mit Patienten mit dem Abnehmen befaßt. The Rebel Diet verspricht – wie derzeit so gut wie alle Diätbücher – dass diese aber nun eigentlich gar keine Diät sei, sondern eine Anti-Diät – völlig im Gegensatz zu all den sinnlosen Diätbüchern die es bereits gibt. Ein leises janeeisklar macht sich in meinem Hinterkopf breit – deswegen steht ja auch Diet auf dem Titel, nicht wahr?

Faktencheck: 95% aller Diäten scheitern langfristig. d.h. über einen Zeitraum von 5 Jahren hinweg betrachtet – das hat mehr metabolische als soziale oder Willensgründe. Also, so der Schluß, muss man was anders machen als bisher.

Die Regeln des Diäthaltens will sie brechen, und so führt sie die Regeln auch gleich selbst an:

  1. No Cheating
  2. No Dry Foods
  3. No Sugar
  4. No Carbs
  5. No Fat
  6. No Large Portions
  7. No Booze
  8. No Coffee
  9. No Quitting

Über diese „Regeln“ und warum sie Blödsinn seien, lässt sich Hershberg ganz ausführlich aus.

Ihren Ansatz, dass es unrealistisch ist, eine längerfristige Ernährungsumstellung anzugehen, wenn man sich all die Dinge versagt, bei denen man anschließend bloß darüber nachdenkt wie gern man sie hätte – das Glas Wein zum Essen, den Kaffee am Morgen, sich den Bauch vollschlagen wenn etwas superlecker ist, etc. etc., ist durchaus realitätsnah. Letztlich verspricht Hershberg ihren Lesern: Hey, ihr könnt alles essen, ihr müsst Euch nicht an blöde Regeln halten, aber wenn ihr gesünder sein wollt, dann könnt ihr eben nur fast alles essen, meistens, ihr müsst nur smarter essen und mehr Obst und Gemüse und weniger von dem bösen Zeug ™. – Augenblick — halt…

Mehr Obst und Gemüse (und Reis), mehr „wasserhaltige“ Nahrung, weniger kalorisch dichte Nahrung, insgesamt kalorienärmer, fettärmer essen — ich könnte schwören, das habe ich schon mal gelesen in Ernährungsratgebern. Besonders rebellisch kommt mir das alles nicht vor. Auch Vollkorngetreide statt Weißmehl, Pasta (und andere Lebensmittel) mit niedrigem glykämischen Index, Kaffee ja, aber ohne Zucker und ohne Milch; das Verwenden von Maßband und Waage, die Erläuterung des Body-Mass-Index – das ist alles Dieting 101 und ziemlich belanglos.

Bei den Ernährungsempfehlungen und „Menüvorschlägen“ (ich kann das wirklich nur in Anführungszeichen setzen), über die sich Rezensenten in USA und Kanada teilweise freuen, verlässt es mich dann ganz. Es folgt nämlich selbst bei der Kategorie „Fresh Market“ eine ausführliche Auflistung von im Supermarkt erhältlichen Produkten wie Weight Watchers Schnittbrot, Original Fat Free Fudgy Brownie Mix von $Markenname, oder Chocolite Protein Bars, und die Essensempfehlungen lesen sich dann auch wie ein Werbeheftchen der Lebensmittelindustrie (man nehme ein Päckchen xy-Pasta und tue ABC-Sauce und 100%-fatfree-Käse der Marke Y drauf).

Gut die Hälfte des Buches besteht aus dem ersten Teil zu den „Verboten“ oder Regeln, der so allgemein gehalten ist wie jeder Ernährungsratgeber, gefolgt von weiteren rund 110 Seiten mit Einkaufstipps für das richtige Halbfertigfutter aus dem Supermarkt, das den diätetischen Segen der Autorin bekommen hat. Das mag für den nichtkochenden Nordamerikaner ja ein sinnvoller Ansatz sein, für mich ist das – nicht nur weil es diese Produkte in Europa nicht gibt – absolut der falsche Weg, die eigene Ernährung umzustellen. Und Frühstückstipps vom Typ „Müsli mit viel Ballaststoffen plus Beeren plus 70-100 Kalorien Joghurt, Milch oder Hüttenkäse“ könnten auch nahtlos aus den 80ern des vergangenen Jahrhunderts kommen.

The Rebel Diet: Break the Rules, Lose the Weight ist in meinen Augen ein Neuaufguß dessen, was Melissa Hershberg, MD, bereits einmal als die Hershberg Diet unter das Volk gebracht hat. Und schon da war es nur eine ganz normale Diät wie jede andere auch.

Rebellisch? Kein Stück. Lesenswert? Nein.

Bewertung: ★★☆☆☆ 

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