Marlo Morgan – Traumfänger

Marlo Morgan erzählt eine Geschichte. Eine Geschichte darüber, wie sie selbst von einem Stamm der Aborigines zu einem Walkabout eingeladen wird, um auf eine spirituelle Reise zu gehen, das wahre Leben im Busch zu erkunden und die letzten Geheimnisse der Aborigines zu entdecken und für die Weißen (natürlich, für wen auch sonst) ausserhalb der Traumzeit zu bewahren. Dabei lernt sie die Welt aus einem neuen Blickwinkel kennen und erlebt Abenteuer, die uns den Atem stocken lassen ob ihrer Fremdartigkeit.

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Marlo Morgan – Traumfänger


Auch wenn das Buch schon im Vorwort ausdrücklich behauptet, ein autobiographischer Tatsachenroman zu sein, wird sehr schnell klar, dass es sich hier um eine fiktionale Reise handelt, mit blutigen Details und einer Überdosis Mystik ausgestattet. Leider bleibt Morgan dabei spürbar an der Oberfläche der Aboriginal-Kultur, und trotz einer beeindruckenden vorgeblichen Faktenfülle über das Leben der sogenannten Primitiven, die den Marsch durchs Outback sehr lebensecht erscheinen lässt, sind die meisten Details schlicht falsch oder unvollständig recherchiert.

Das Buch ist spannend zu lesen und als esoterischer Roman für einige Stunden anregender und mystischer Unterhaltung gut. Viele Themen, die Morgan anreisst, wie das Verhältnis des modernen „zivilisierten Menschen“ zur Natur, sind in die angebliche Sprache der Aborigines eingehüllt kleine Steine des Anstoßes zum Nachdenken. Die Themen wie die Lösungsansätze und auch die Sozialstruktur des Stammes, mit dem Morgan durch die Wüste gezogen sein will, entspringen aber eindeutig einem westlichen Kultur- und Psychologieverständnis, das mit traditioneller Aboriginalkultur rein gar nichts gemein hat. Die Autorin schmückt sich nicht nur mit fremden Federn, sondern verfälscht massiv die Identität einer ihr fremden Stammeskultur für ihre Zwecke.

So ist nur noch peinlich zu nennen, dass Morgan erst auf massive Proteste von Aboriginals zugab, dass die Handlung vollständig ihrer Fantasie entsprungen ist. (Was einem aufmerksamen Leser auch so nicht entgehen sollte).

Eine detaillierte Analyse und Kritik der Behauptungen Marlo Morgans findet man bei Creativespirit, hier werden u.a. ihre Behauptungen wissenschaftlichen Fakten und ethnologischen Informationen gegenübergestellt. Die Sekundärliteratur ist fast spannender als das Original… 🙂

Bewertung: ★★★☆☆ 

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