Markus Lanz – Und plötzlich guckst Du bis zum lieben Gott

Wer kennt ihn nicht, den stets vergnügten, bisweilen launige Witze reissenden Fernsehkoch mit dem formidablen Schnauzbart, der selbst Johann Lafer zum Lachen bringt und bei Kerners Köchen schon mal damit kokettiert, er könne nicht kochen – Horst Lichter, den Mann aus Rommerskirchen.

Dass hinter der rheinischen Frohnatur ein unglaublich netter Mann mit einer wahrhaft irrsinnigen Lebensgeschichte steckt, wussten bislang nur wenige Menschen und aufmerksame Zuschauer der Kerner-Talkshow. Markus Lanz hat sich mit Horst Lichter für eine Woche in die Abgeschiedenheit eines Klosters zurückgezogen, um das Leben von Horst Lichter zu verstehen und aufzuzeichnen, um den Menschen hinter dem Zwirbelbart kennenzulernen, und herausgekommen ist eine wunderbare Biographie.

lanzlichter

Und plötzlich guckst du bis zum lieben Gott: Die zwei Leben des Horst Lichter

Einfach haben es sich beide nicht gemacht, nicht Lanz, der für dieses Buch auch die Freunde, Familie, Ärzte und Weggefährten Horst Lichters kennengelernt und befragt hat – aber vor allem Horst Lichter nicht.

Von seinen Jugendjahren – geprägt durch Wochen in einem Gipskorsett im Bett – über den Versuch, das ganz normale spießbürgerliche Leben seiner Umgebung zu leben, mit Häuschen bauen, Kind, im Kohlekraftwerk schuften und Unterordnung unter die herrschende soziale Norm und die Wertvorstellung seiner Eltern – bis hin zum zweimaligen Kollaps, mit klinischem Tod und dramatischer Wiederbelebung, wochenlanger Reha, der Auseinandersetzung damit was im Leben wirklich wichtig ist und für ihn zählt, Lichter und Lanz lassen nichts aus in diesem Buch. Oft möchte man atemlos nach Luft schnappen, Lichters Eltern ob ihrer Borniertheit würgen, dem Horst auf die Schulter klopfen. Man leidet mit ihm, obwohl man doch weiss das das alles längst Geschichte ist, dann wieder freut man sich von ganzem Herzen mit Lichter, wenn er sich Träume erfüllt und schließlich ganz unbeirrt und gegen alle Widerstände seinen ureigenen Weg geht, als er weiß, er hat nichts mehr zu verlieren, ausser dieses eine Leben.

Das Portrait, das Lanz zeichnet, ist so einfühlsam aber auch so lebensecht und authentisch wie Lichter selbst, dass man sich fühlt als sei Lichter ein Familienmitglied, auf jeden Fall aber ein guter Freund, mit dem man gelitten und sich gefreut hat. Und an vielen Stellen macht das Buch nachdenklich, regt dazu an das eigene Leben kritisch unter die Lupe zu nehmen, etwas mehr man selbst und etwas weniger das was die anderen erwarten zu sein.

Bei allen Schwierigkeiten, die Lichter in seinem Leben bewältigt hat, macht er zumindest in diesem Buch jedoch niemandem Vorwürfe, nein er ist einfach ein großartiger Kerl, eine ehrliche Haut, der man bedingungslos das eigene Leben anvertrauen würde, und das spiegelt sich dann auch in dem, was seine Freunde und Kollegen über ihn zu sagen wissen.

Eine tolle Biographie über einen besonderen Menschen, die zu Herzen geht. Unbedingt lesen!

Bewertung: ★★★★½ 

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Ein Kommentar

[…] Schade eigentlich. Etwas mehr Rückgrat hatte ich schon erwartet von diesem Mann. […]

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