Manfred Reitz – Alltag im alten Ägypten

Das alte Ägypten – eine der ersten Hochkulturen der Menschheit – ist uns vor allem durch seine Totenbauten wie die Pyramiden oder die großartigen Kunst- und Goldschätze präsent, die wir aus Museen, Ausstellungen und Abenteuerfilmen kennen. Aber wie sah der Alltag eines Ägypters vor mehr als 3000 Jahren aus? Was aßen und tranken die Menschen, wie sahen ihre Wohnungen aus, was brachte ihre Gesellschaft zum Pulsieren?

Am Leben der Menschen und ihrer Alltagskultur – von der Arbeit auf den Feldern, über das Handwerk, die Staatsorganisation (eine zentrale straffe Bürokratie voller titelsüchtiger Beamter) und die Familie bis zu Wirtschaft und Handel in einem Staatswesen das kein Geld kannte – lässt uns

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Alltag im Alten Ägypten

teilhaben.

Auf 184 Seiten, die mit hochwertigen Farb-Reproduktionen von Grabinschriften, Hieroglyphen und anderen Zeugnissen des altägyptischen Schaffens sehr stimmungsvoll illustriert sind, vermittelt Reitz einen oftmals überraschenden Einblick in das Leben vor mehreren tausend Jahren. Er zeigt uns, wie die ägyptische Familie organisiert war, wie die Anbetung verschiedenster Götter in den unterschiedlichen Provinzen (Gauen) dennoch zu einer einheitlichen Staatsreligion zusammengefasst werden konnte, wie ein Staat funktionierte, bei dem Gehälter in Lebensmitteln oder Arbeitsleistungen Dritter ausgezahlt wurden, wie das Steuersystem angelegt war, vor allem aber, wie der Mensch am Nil sein Leben lebte.

Naturgemäss kann sich der Autor nur auf die Quellen beziehen, die vorliegen, und das sind zumeist Grabinschriften wohlhabenderer Leute oder alte Papyri. Über das Dasein von armen Bauern, Sklaven und Leibeigenen erfährt man wenig, dafür umso mehr über ägyptische Parties oder die Entwicklung der Kleidung durch die Jahrtausende. Das Wissen, das er zusammengetragen hat, ist dennoch beeindruckend und hilft, das Land von Binse und Biene mit neuen Augen zu sehen und besser zu verstehen. Für jeden Fan des antiken Ägypten ist dieses Buch zu empfehlen.

Schade ist, dass Reitz bei seinen Beschreibungen oft Dinge zusammenmischt, die aus unterschiedlichen Epochen stammen – selbst bei einer so stabilen Gesellschaft wie Ägypten kann man davon ausgehen, dass sich in mehr als 1500 Jahren zwischen Altem und Neuem Reich einiges verändert hat – und auch die Umschreibung von Eigennamen nicht konsistent nach einem System durchhält (beispielsweise Kha-emwese / Chaemwese).

Um gezielt Details zu einer Epoche herauszufinden, bleibt ein genaueres Quellenstudium unverzichtbar. Als großer Überblick über das Sozialleben des Staates am Nil, der den Leser in der Phantasie dorthin reisen lassen kann, ist „Alltag im Alten Ägypten“ allerdings bestens geeignet.

Bewertung: ★★★☆☆ 

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