Lonely Planet – Kanada

Kann man ein ganzes Land, noch dazu eines, das einen halben Kontinent bedeckt, in einen Reiseführer packen? Der

Lonely-Planet-Guide: Kanada

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versucht das.

Auf schlagkräftigen 1024 Seiten, die nach Bundesstaaten Kanadas sortiert sind, plus ein paar Exkurse zu Nationalparks und dem üblichen allgemein Wissenswerten, führt der Lonely-Planet-Guide: Kanada den Reisenden durch das riesige Land.

Dabei kommt der gewohnte, informative Aufbau der Lonely-Planet-Reihe zum Zuge: Sehenswürdigkeiten, Verkehrsmittel, und Restaurants und Unterkünfte nach Region und Preis aufgeschlüsselt werden vorgeschlagen, kleine Kartenausschnitte unterstreichen Tourenvorschläge, und natürlich werden nicht nur die „großen“ Sehenswürdigkeiten, sondern auch sportliche Aktivitäten, und so manche schrille Idee und Eigenheit aufgeführt. So weit, so gut.

2010 haben wir (mit dem Vorgänger dieses Buchs) eine Kanada-Reise geplant und auch umgesetzt. Während wir aber 2008 noch mit dem Lonely Planet Malaysia, Singapore & Brunei im Rucksack durch Malaysia getourt sind, bot sich dieses Vorgehen für Kanada nicht wirklich an. Das hat zum einen geografische Gründe. Malaysia ist ungefähr so groß wie die Bundesrepublik Deutschland, und trotz einer faszinierenden Kultur einfacher in einen Buchdeckel zu quetschen als Kanada, das mit fast 10 Millionen Quadratkilometern auch physisch die Dimension eines solchen Guides sprengt. Schon Ontario für sich genommen ist dreimal so groß wie die Bundesrepublik. Der allgemeine Infoteil inklusive Ontario-Kapitel umfasst 275 Seiten, und das hätte für meine Zwecke völlig gereicht, dafür hätten mich manche Dinge vielleicht umfangreicher interessiert.

Bei der Planung ergab sich, dass die meisten Infos im Guide für mich relativ belanglos waren… wirklich cool und mit viel Nutzwert versehen sind für mich die Vorschläge, was man in 2,3,5 Tagen in einer der Metropolen anstellen kann, um ein ungefähres Bild davon zu haben, wie viel Zeit man da veranschlagen sollte, und was sich lohnen würde.
Ebenso hilfreich sind die Tipps zu An- und Abreise vom Flughafen, Verkehr, Fähren usw. Plant man aber einigermaßen vor, was bei Anreise aus Europa allgemein anzuraten ist, relativiert sich der Nutzen schon.

Womit ich zu einem grundlegenderen Problem komme: für meine Begriffe ist ein gedruckter Reiseführer im Wortsinn totes Holz. Die wesentlichen Informationen für so einen Trip finde ich online schneller, aktueller und besser auf meine Bedürfnisse zugeschnitten; vor Ort ist die Investition in eine Prepaid-Mobil-Karte oder einen gedruckten Stadtplan einer Tourist Info wahrscheinlich nützlicher, als das Pfund Reiseführer im Gepäck, in welchem (wenn ich Glück habe) zwei Zeilen zu dem stehen, was mich interessiert. Im Zweifel zücke ich dann doch das mobile Endgerät und werfe eine Suchmaschine an.

Hotels und Restaurants finde ich auf andere Art und Weise (während mir der Malaysia-Guide, auch das soll erwähnt werden, eine der schönsten Übernachtungen in Malaysia spendiert hat.) Wenn mich dann etwas anderes interessiert (etwa: wie lang brauchte in Zug von Toronto nach Montreal, und ist es sinnvoller zu fliegen, oder Auto/Fähre zu nehmen), suche ich vergebens – diese Fragen sind logischerweise für einen allgemeinen Guide zu speziell.

Summa summarum ist der LonelyPlanet nach wie vor ein gutes Nachschlagewerk, wenn man sich ein umfassendes Bild machen will, und vielleicht nicht sonderlich online-affin ist (oder man sich in Regionen ohne Netzzugang bewegt). Gerade der Kanada-Guide erschlägt aber durch sein Format und seine Faktenfülle. Für eine längere Tour mit Auto oder RV würde ich ihn gern mitnehmen, weil auch zu kleinen Orten oft noch gebündelt Infos angeboten werden, für eine Reiseplanung ist er aber ziemlich unhandlich, und im Zeitalter des Internets hat sich das Modell des gedruckten Alles-in-einem-Führers einfach überholt.

Immerhin ist man auch bei LonelyPlanet zu diesem Schluss gekommen; mittlerweile verkauft der Konzern Apps und eBooks, die eBooks als PDF, die man auch kapitelweise kaufen kann – für mich wäre hier zum Beispiel ein Kapitel über Ontario auf dem iPad, oder eine Toronto-App hilfreicher gewesen. Das bedeutet aber auch, dass die Verlags- und Vertriebsmodelle sich ändern. Das allerdings ist ein ganz anderes Thema…

Würde ich das Buch nochmal kaufen? Nein. Nicht, weil es schlecht wäre, sondern weil es meinen Anforderungen an einen Reiseführer nicht mehr entspräche, und ich lieber digital kaufen würde.

Bewertung: ★★★☆☆ 

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