Lee Child – Echo Burning

Der 5. Roman der Jack-Reacher-Reihe

Jack Reacher hat es in

echoburning

Echo Burning

nach Texas verschlagen – genauer in die verschlafene Gemeinde Echo, ein Dörfchen, das zum Ort Pecos gerechnet wird. Hier sind echte Männer noch Männer die das Gesetz selbst machen, Mexikaner sind „beaner“ und werden als wertlos erachtet, und die Mühlen des Gesetzes mahlen mit der Geschwindigkeit geologischer Äonen.

An einem glühend heissen Tag wird Reacher von einer jungen Frau als Tramper aufgesammelt, doch bald stellt sich heraus, dass das kein Zufall war – sie war auf der Suche nach jemandem wie ihm, der ihr vielleicht helfen kann. Und sie erzählt eine herzzerreissende Geschichte über sich, ihr Kind und ihren sie misshandelnden Mann, dem sie zu entkommen versucht. Carmen Greer ist Tochter aus gutem Hause in Kalifornien und hat einen Universitätsabschluss, aber das interessiert in Echo, Texas, niemanden – hier ist sie nur die chica, die sich ein Kind hat machen lassen, um den reichen Ranchersohn an die Angel zu bekommen, und so wird sie auch behandelt.

Doch ihr Ansinnen, für sie ihren Ehemann, Sloop, zu töten, sobald dieser aus dem Knast kommt, wo er wegen Steuerhinterziehung einsass, lehnt Jack ab. Er stimmt dennoch zu, sich ihre Situation anzusehen, und lernt dabei ihre „Familie“ und ihre kleine Tochter Ellie kennen. Carmens Schwager Bobby glaubt, Jack sei ihr Liebhaber, und versucht ihn von zwei Rodeo-Burschen aus dem Weg räumen zu lassen – keine gute Idee. Allerdings wird Reacher in der Folge von den State Troopers von der Farm geholt – und am Tag drauf ist Sloop tot, und Carmen hat ihn mit ihrer Handwaffe erschossen, an der auch Reachers Fingerabdrücke zu finden sind…

Reacher versucht nun, zusammen mit einer Anwältin Carmen zu helfen, vor allem damit Ellie, ihre Tochter, nicht in die Familienfürsorge abgeschoben wird. Ist sie wirklich, wer sie zu sein vorgibt? Ihre medizinischen Akten scheinen nicht zu bestätigen, dass Sloop sie misshandelt hat, dafür tauchen Dokumente auf, die belegen, dass Carmen vom Tod ihres Mannes profitieren würde.

Echo Burning – der Titel ist wohl nicht zufällig auf Mississippi Burning gemünzt, denn auch hier geht es um Politik und Rassismus, aber auch die glühende Hitze von Texas und das brennende Drama in Echo – ist ein eher ungewöhnlicher Jack Reacher-Roman. Fast 200 Seiten benötigt Lee Child, bis wirklich etwas passiert, und wie Reacher möchte ich in den ersten Kapiteln flüchten, wenn Carmen versucht, ihre melodramatische Geschichte an den Mann zu bringen. Dann allerdings nimmt die Story rasant an Fahrt auf und verwandelt sich in ein explosives Actionspektakel, in dem Reacher es mal wieder allen so richtig zeigt, und in dem natürlich am Ende die Guten siegen.

Auch die auftauchenden Frauen sind für Childs Verhältnisse moderat gezeichnet, es gibt keine Romanze von Reacher, Seite an Seite mit ihm arbeitet eine lesbische vegetarische jüdische New Yorkerin – die wohl unwahrscheinlichste Kombination mit dem ländlichen Texas, die man sich vorstellen kann.

Das Bild, das Child von Texas zeichnet, ist kein freundliches – abzüglich moderner Technik wie Autos und Telefon könnte Echo Burning auch ein klassischer (Spaghetti-) Western sein, in dem der schweigsame Aussenseiter, Clint-Eastwood-Style, aus dem Nichts auftaucht, Unrecht und Recht wieder in die ihnen angestammte Ordnung versetzt, und dann ebenso unvermittelt verschwindet wie er kam. Die perfekte Rolle für Jack Reacher.

Echo Burning ist nicht Childs bester Roman, die Längen zu Beginn sind ermüdend, aber sein kritischer Blick durch die Augen Reachers auf „law and order“ ist immer wieder erfrischend, und auch der Action-Thriller-Fan kommt gut auf seine Kosten. Gute Unterhaltung, unter Lee Childs Top-Performance, aber immer noch weit über dem Durchschnitt der meisten Thriller die auf meinem Schreibtisch landen, und mit einem Jack Reacher, der ein bisschen weniger wie ein Supermann daher kommt, was der Figur nur gut tut.

Bewertung: ★★★★☆ 

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