Klaus Scheld – Aktion Störtebeker

Regionalkrimis erfreuen sich großer Beliebtheit, nicht nur beim Tatort, sondern auch in gedruckter Fassung. Lokalkolorit macht einen großen Teil der Stimmung aus – das gilt ebenso für den auf Rügen spielenden Kriminalroman von Klaus Scheld.

stoertebeker

Klaus Scheld: Aktion Störtebeker
Ein Rügenkrimi mit Kommissar Bratfisch

Die Handlung, grob umrissen:

Der Südstrand in Göhren auf der Insel Rügen. Ein unbekannter Toter liegt im Wasser, brutal erstochen. Kommissar Kurt Bratfisch und seine Kollegin Mandy Thi Pham von der Kriminalpolizei in Stralsund suchen zunächst im privaten Umfeld des Ermordeten nach dem Täter. Schnell stoßen sie aber auf Spuren aus dessen geheimer DDR-Vergangenheit. Als sie auch noch Hinweise darauf entdecken, dass die neue Rügenbrücke Ziel eines Anschlags werden soll, weitet sich der Kreis der Tatverdächtigen erheblich aus. Ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
— (Quelle: Amazon.de)

Mit dem Mord an einem ehemaligen NVA-Ausbilder beginnt eine fieberhafte Spurensuche, quer über Deutschlands größte Insel und zurück nach Stralsund, bei der erst ein Kampfmesser aus alten NVA-Beständen gefunden wird, und dann unpraktischerweise der zunächst Hauptverdächtige, ein Neonazi, welcher ebenfalls ermordet wurde – offenbar mit Nahkampftechniken, die auf eine Sondereinheit des ehemaligen DDR-Militärs hinweisen. Doch wer ist wirklich der Täter?

In einer Ferienwohnung taucht ein Bekennerschreiben zu einem noch stattfinden sollenden (oder gescheiterten?) Anschlag auf die Rügenbrücke statt; der Hintergrund scheint islamistisch, oder kommen die Terroristen doch aus dem linken Lager?

Kurt Bratfisch und seine deutsch-vietnamesische Assistentin haben mit den Ermittlungen alle Hände voll zu tun.

Während die (für mich einen Tick zu sehr mit Ablenkungsmanövern und zu vielen möglichen Bösewichtern gepflasterte) Storyline an sich sehr gut ist, und auch die Beschreibungen der Orte an denen die Protagonisten unterwegs sind, sehr bildhaft und plastisch vor dem Auge des Lesers erstehen, schwächelt der Roman an anderen Stellen.

Zum einen erschlägt Scheld die Leser mit extrem vielen Details zur Vita seiner Hauptfiguren und nicht selten auch der Nebenfiguren. Das sind Überlegungen, die ein Autor zu einer Figur anstellen sollte; diese aber komplett in den Roman hineinzupacken ist ermüdend; und interessante Charaktere gewinnen eher dadurch, dass man nicht all ihre Macken, Marotten, Träume und ihren kompletten Werdegang kennt. Show don’t tell nennt das die amerikanische Schreibschule, ich möchte die Charaktere durch ihre Handlung kennenlernen und erleben, nicht vom allwissenden Erzähler mit ihren Lebensgeschichten überfüttert werden, zumal diese für den Plot weder entscheidend noch irgendwie relevant sind.

Zum anderen erwächst sich der durchaus interessante innere Konflikt eines ‚im Herzen‘ Linken, der für die Staatsmacht der nicht so richtig geliebten Bundesrepublik im Einsatz ist, alsbald zu einer dauerhaften politischen Propaganda.

Der Roman ist durchsetzt von hektoliterweise Ostalgie, und scheint immer wieder auf die „gute alte Zeit“ und die ach so sozial wichtige und tolle Politik der Linken hinweisen zu müssen, das vergällt mir am Ende den Spaß an der Sache. Nicht, dass ich einen Kommissar mit solchen Überzeugungen nicht für eine brauchbare und authentische Figur hielte, oder viele der Punkte, die Kommissar Bratfisch aufstossen, durchaus berechtigte Systemkritik wären, aber mir scheint der Roman hier doch eher stark in Richtung Politagitation zu gehen denn wirklich zu unterhalten. Was eine persönliche Überzeugung der Figur sein könnte, die im Spannungsbogen mit anderen Charakteren hätte Tiefe geben können, ist von Seite zu Seite offensichtlicher die Grundüberzeugung des Autors. Dazu passt, dass es bei linkeblogs.de auch eine Zeitlang ein eigenes Blog für den Kommissar gab.

Summa summarum: ein spannender Plot und viel Lokalkolorit retten diesen Roman aufgrund seiner Schwächen für mich nicht. Ich empfand ihn als extrem mühsam zu lesen. Und politische Indoktrination brauche ich von einem Krimi absolut nicht.

Bewertung: ★☆☆☆☆ 

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