John Sandford – The Fool’s Run

Der 1. Roman der Kidd-Reihe

Wie einige andere Fans von John Sandford hatte ich das Glück, aus der Kidd-Reihe zuerst The Empress File zu lesen, obwohl es sich dabei um den zweiten Roman der Reihe handelt, denn

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John Sandford – The Fool’s Run

erschien ursprünglich unter dem „realen“ Namen des Autos, John Camp, und wurde erst später als Sandford-Titel nochmal veröffentlicht.

The Empress File ist ein fabelhafter Krimi, mit viel Augenzwinkern und schrägen, aber liebenswerten Charakteren mit Moral, auch wenn sie Kriminelle sind. In The Fool’s Run dagegen sind die beiden Hauptdarsteller, Kidd und LuEllen, deutlich amoralischer. Das ist per se erst mal nicht schlecht – ich muss einen Charakter nicht „mögen“ oder seine Handlungsweise für richtig erachten, um ihn als Charakter gelungen zu finden; die Grenzen verwischen aber doch stark – vor allem aber sind die Figuren in diesem ersten Roman noch relativ unrund, und ich bezweifle, dass ich basierend darauf den zweiten Roman hätte lesen wollen.

Die Story:

Kidd, ein Vietnam-Veteran, ist ein Hacker der ersten Generation, außerdem ein bekannter Landschaftsmaler, und, weniger bekannt, in dieser Eigenschaft auch auf illegalen Pfaden unterwegs, ausserdem hat er ein Faible für das Tarot, obwohl er angeblich nicht daran glaubt. Am liebsten arbeitet er, wie viele Nerds, allein, aber manchmal benötigt er für einen Job die Hilfe anderer. Und so begibt es sich, dass er – als ihm ein lukrativer Auftrag hereinschneit – auf die Dienste der koksenden Einbrecherin LuEllen zurückgreift , mit der er eine on/off-Beziehung führt, da sie beide nicht der Typ für Partnerschaften sind. Mit im Team sind darüber hinaus ein abgehalfterter Journalist namens Dace, und die seltsame Assistentin seines Auftraggebers, Maggie.

Der Job um den es geht: eine Firma, die Militärtechnik für die AirForce baut, beauftragt Kidd, die Server des Hauptkonkurrenten lahmzulegen, bis sie selbst den Zuschlag für einen wichtigen Auftrag der Regierung erhalten haben. Als Entlohnung winken 2 Millionen Dollar. Das ist heute schon nicht schlecht, im Jahr 1989, in dem der Roman spielt, war es verdammt viel Geld. Also macht sich Kidd daran, gemeinsam mit seinem Team einen Weg in das fremde System und durch deren Sicherheitsvorkehrungen zu finden, und die Server lahmzulegen – wenn nötig, mit Tricksereien der ausgeklügelten Art.

Gleichzeitig werden aber auch Kidd und LuEllen von ihrem Auftraggeber an der Nase herum geführt, und die gegnerische Seite schläft ebenfalls nicht – die Möglichkeit, lebenslänglich im Knast zu landen oder schlicht irgendwo als Leiche wieder aufzutauchen, wird alsbald wahrscheinlicher als der Gewinn des Jackpots…

Tatsächlich sind die Dinge nicht das was sie zu sein scheinen; und nun kämpfen die Protagonisten wirklich ums nackte Überleben – und darum, es denen, die sie reinzulegen versuchten, heimzuzahlen.

Dass Kidd und LuEllen hier für schnöden Mammon und nicht irgendein hehres Ziel arbeiten, finde ich weniger verwerflich als manche Rezensenten bei Goodreads oder Amazon; auch die Technik (Modems, Baud, IBM-PCs, Hardware-Lingo der End-80er) ist für mich altbekannt, wenn ich auch an ein paar Stellen laut schnaufen möchte, weil die technischen Gegebenheiten leicht für den Plot hingebogen wurden. Mich stören insofern eher die Ungenauigkeiten als der Jargon, mit dem ich ja vertraut bin; wer in der Welt von Touchscreens und Breitband-DSL lebt und noch nie einen Akustikkoppler gesehen hat, tut sich mit der „antiquierten“ Technik hier möglicherweise schwer.

Etwas lästiger finde ich, dass der hochintelligente Kidd in eine mittelprächtige Falle tappt, die ihm hätte klar sein müssen, und die selbst einen unbedarfteren Leser als einen Hardcore-Krimi-Fan wie mich zu der Frage bringt, wieso er so blöd ist und die Zusammenhänge nicht schneller und leichter durchschaut; das wird der Figur Kidd irgendwie nicht gerecht. Das Niveau von The Fool’s Run ist nicht so hoch wie das der anderen Sandford-Romane; man merkt, dass es sich um ein „Frühwerk“ handelt, gleichzeitig sind die Charaktere hier aber schon so vielschichtig angelegt, wie man das von Figuren wie dem späteren Kidd und natürlich Davenport in der Prey-Reihe kennt und schätzt.

Zum Einstieg in die Romanwelten Sandfords würde ich The Fool’s Run nicht empfehlen; um die Kidd-Reihe zu komplettieren, lohnt es sich aber durchaus, den Roman mal zu lesen; es ist solide Krimi-Unterhaltung mit einem Geek-Faktor, der zumindest mir Spaß macht.

Bewertung: ★★★½☆ 

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