John Sandford – The Empress File

Der 2. Roman der Kidd-Reihe

John Sandford (alias John Camp, das abgebildete Cover stammt von einer Ausgabe mit diesem Namen auf dem Titel) ist mit seiner „Prey“-Reihe als Krimiautor bekannt geworden, deren Held ein Ex-Polizist namens Lucas Davenport ist.

Einen ganz anderen Helden hat sich Sandford dagegen für seine zweite Krimi-Reihe erschaffen – Kidd ist ein ernsthafter Maler, dessen Bilder in Galerien hängen (und verkauft werden), außerdem Hacker, und in der Kunst des Tarotlesens bewandert, wenn er auch selbst nicht unbedingt an die Karten glaubt.

empressfile

The Empress File

ist der zweite Roman mit Kidd und der professionellen Diebin LuEllen, und führt die beiden in ein gottverlassenes Nest an den Ufern des Mississippi.

In Longstreet, Mississippi, wird ein schwarzer Junge „versehentlich“ für einen Ladendieb gehalten und erschossen, ehe man das verifizieren kann. Longstreet ist ein kleiner Ort, in dem mehr Schwarze als Weiße wohnen, aber durch einen bürokratischen Trick dennoch die weiße Oberschicht auch politisch das Sagen hat, verkörpert vom Stadtrat, der sich aus der esoterikgläubigen Bürgermeisterin Chenille Dessusdelit, dem städtischen Hundefänger Duane Hill, einem pädophilen schwarzen Reverend und zwei weiteren undurchsichtigen Gestalten zusammensetzt. Und natürlich wird die ganze Geschichte um den erschossenen Jungen unter den Teppich gekehrt.

Das ruft Freunde von Kidd auf den Plan, die ihn bitten, in Longstreet nach dem Rechten zu sehen und den Stadtrat auszubooten so dass sich dort politisch etwas ändern kann.

Kidd schnappt sich seine zumindest zeitweilige Freundin LuEllen, die sich nun von einer koksenden Diebin in eine Südstaaten-Lady wandelt, mietet sich ein Hausboot und schippert gemütlich – um zu malen – in Longstreet vorbei, während er die Lage analysiert, und dabei einen Plan entwickelt, der nicht nur die Geschichte der Stadt Longstreet verändern wird, sondern auch noch gehörig Geld in seine eigene Kasse schaufeln soll. Dabei spielt er die Begehrlichkeiten seiner Gegenspieler gekonnt zu seinem Nutzen aus, wozu auch die Anwendung von Tarotkarten und einer Kristallkugel gehört.

Viel mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten, denn die Storyline, die Pulitzerpreis-Träger John Sandford hier entwickelt, ist ebenso unterhaltsam wie überraschend. Mit viel Witz und Subtilität und auch ein wenig altmodischem Hacking und Fachwissen darüber, wie bestimmte Dinge in der Welt aus Politik und Geld so funktionieren (könnten), finden LuEllen und Kidd Mittel und Wege, ihre Ziele nicht immer auf den saubersten oder gesetzestreuesten Pfaden zu erreichen, aber gerade das macht das Vergnügen aus, Kidd lesenderweise bei der Arbeit zuzusehen. Und auch das nötige Quäntchen Spannung fehlt natürlich nicht.

Dieses Buch macht Lust auf mehr Kidd, was nicht zuletzt auch auf Sandfords klare, ausdrucksvolle Sprache und seine lebensechten Beschreibungen von Menschen wie Szenen zurückzuführen ist. Ein rundum gelungener Krimi mit ungewöhnlichen Protagonisten und glaubwürdigen Charakteren – exzellente Unterhaltung.

Auf John Sandfords offizieller Homepage gibt es eine eigene Seite zu „The Empress File“ (das auf Deutsch mit ‚Königin der Nacht‚ irreführend betitelt ist). Neben der Einordnung aller Sandford-Romane an die richtige Stelle der jeweiligen Serie findet man hier auch ein Probekapitel zu lesen. 

Bewertung: ★★★★☆ 

Mehr Lesefutter:

Ein Gedanke zu „John Sandford – The Empress File“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Protected with IP Blacklist CloudIP Blacklist Cloud