John Grisham – Die Schuld (Hörbuch)

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Die Schuld, von John Grisham (5 CD)
gelesen von Charles Brauer

John Grisham kennt wohl jeder – er ist seit “Die Firma” so etwas wie der Großmeister des juristischen Thrillers. Weltweit wurden über 60 Millionen seiner Bücher verkauft und in 29 Sprachen übersetzt, und zahlreiche seiner Bücher wurden erfolgreich verfilmt.

Das Buch

Ein junger Anwalt, der als Pflichtverteidiger sein Geld verdient, erhält plötzlich und aus heiterem Himmel die Karrierechance seines Lebens. Aus einem zunächst ganz simplen Mordfall entwickelt sich auf einmal ein unglaubliches Komplott. Anwalt Clay lernt durch einen undurchsichtigen Berater, der ihm viel Geld verspricht – und auch überweist – dass hinter diesem Mord und einer Reihe anderer ein fehlgeschlagenes geheimes Experiment eines Pharmakonzerns steht. Und schon bald steckt Clay in einer aufsehenerregenden Großklage um Schadenersatz gegen einen Mega-Konzern.

Grisham erzählt in “Die Schuld” wieder einmal eine Geschichte von einem etwas naiven, gutgläubigen jungen Anwalt, den das große Geld lockt. Viel interessanter als diese Geschichte ist aber der Einblick, den der Bestsellerautor in die Welt der US-amerikanischen Schadenersatzklagen gibt. Hyänenrudeln gleich stürzen sich Anwälte im ganzen Land auf Schadenersatzfälle, um sich ihren lukrativen Anteil an einem entstehenden Deal zu sichern – gern auf dem Rücken derer, die sie eigentlich vertreten sollen, und die am Ende mit lächerlichen Bröckchen für echtes oder eingebildetes erlittenes Unheil abgespeist werden: ihrer Mandanten.

Die ganze Klagewahn der Amerikaner und auch ihr aus unserem Blickwinkel etwas absurdes System über Schadenersatzklagen zu befinden, wird hier deutlich an den Pranger gestellt. Hinter jeder Hyäne lauert eine noch größere Hyäne, und nach der Klage ist vor der Klage… notfalls gegen den eigenen Anwalt.

Eine der Schlüsselfiguren des Romans ist der Berater, der Clay seinen ersten großen Auftrag vermittelt, und von Anfang an ist sonnenklar, dass hier etwas nicht stimmt, dass das alles zu schön ist um keine Haken und Ösen zu haben. Doch wieder einmal stattet Grisham seine Hauptfigur mit geradezu himmelschreiender Naivität aus, die in der Paarung mit Geldgier zur Katastrophe führen muss.

Das ist umso unglaubwürdiger, als Clay zu Beginn genau weiß, dass er kein habgieriger Anwalt werden will, und schon bald, kaum hat er Geld verdient, von eigenen Learjets fantasiert und das Geld nur so mit beiden Händen aus dem Fenster wirft, als hätte er noch nie Zeitung gelesen, noch nie von Börsen-Insidergeschäften gehört, und noch nie eine Rechtsvorlesung besucht; als wäre ihm nicht klar, welche persönlichen Kosten auf ihn zu kommen, wenn etwas bei seinen Klagen schief läuft. Und natürlich läuft es schief, in ganz großem Stil, als er seinen nächsten großen Coup anvisiert…

Das Hörbuch (5 CDs)

Charles Brauer kennen die meisten vor allem als Kommissar Brockmöller aus dem Hamburg-Tatort an der Seite von Manfred Krug. Souverän trägt er die Audiofassung von Grishams Roman vor und bringt auch den streckenweise schwachen Plot noch interessant an das Ohr des Hörers, was eine wahre Kunst ist.

Leider kann auch sein guter Vortrag die Handlungslöcher nicht überbrücken. Die Kürzung des Romans hat dem Storyverlauf nicht gut getan – eben noch war Clay ein netter Bursche mit ordentlichen Werten, und wenige Minuten später ist er ein zwar naiver, aber nicht minder geldgieriger Hai, ein Vorgang, der schon im Buch nur wenig glaubwürdig erschien. Die gesamte innere Charakterentwicklung der Hauptfigur und die komplexe Beziehung Clays zu seiner Freundin und ihrer Familie, die für den Roman wesentlich sind, sind im Hörbuch nicht nachvollziehbar, das Ende wirkt – ebenso wie im Roman – abrupt und ist inkonsequent.

Fazit

Ein sehr schwacher Grisham, der die 5 Stunden Hördauer nicht wert ist.

Bewertung: ★★☆☆☆ 

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