Hartmuth Malorny – Tod in Thailand

Harald Nitrowski ist ein abgehalfterter, drittklassiger Privatdetektiv aus Dortmund; er scheint das Leben ebenso zu hassen wie sich und seinen Job, und kommt als mißmutig, gelangweilt und widerlich rüber. Er säuft, raucht, pflegt Beziehungen zur (Dortmunder) Unterwelt und ist in seiner Misanthropie kein besonders angenehmer Zeitgenosse.

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Tod in Thailand: Der Mysteriöse Asiat

lässt Hartmuth Malorny verräucherte Dortmunder Kneipen und das horizontale Gewerbe ebenso schmuddelig unangenehm zum Leben erwachen wie seine als Ich-Erzähler fungierende Hauptfigur.

Die Story windet sich um einen deutschen Spießbürger und dessen „gekaufte“ thailändische Ehefrau, die erst verschwindet und später tot aufgefunden wird. Nitrowski soll zunächst für seinen Auftraggeber, Grünbein, die Frau finden und wiederbeschaffen, doch der Mann will schließlich auch noch, dass Nitrowski für ihn den Mörder jagt, eine Aufgabe, der der Schnüffler möglichst spesenfressend aus dem Weg geht.

Statt sich in Schwierigkeiten mit der die Prostitution kontrollierenden Russenmafia zu begeben, forscht er lieber in Thailand bei Mekong-Whiskey und mit einem hübschen Mädchen auf dem Schoß nach dem „geheimnisvollen Asiaten“, dem Drahtzieher hinter der ganzen Geschichte, und hat es damit nicht übermäßig eilig an den Gestaden des Golfs von Thailand.

Tod in Thailand: Der Mysteriöse Asiat ist ein relativ fader Krimi, der unter drei Dingen leidet: die Hauptfigur ist nicht besonders interessant, die Storyline wird mit mehreren Einschüben des Ich-Erzählers schon halb vorweg genommen, und schließlich ist die Auflösung des großen Rätsels jedem einigermaßen versierten Krimileser spätestens auf der Hälfte der Strecke klar, während die Hauptfigur viel zu weggetreten ist, um irgendwas zu kapieren. Das könnte nun ein fabelhafter Roman sein, selbst mit dieser Zusammenstellung, wäre Nitrowski ein Misanthrop vom Schlage eines Dr. House, und wären die Szenerien aus Deutschland ebenso lebensecht geschildert wie die Erlebnisse in Thailand.

Denn das ist es, was trotz einer gehörigen Dosis Klischees diesen Roman dann am Ende doch für mich halbwegs lesenswert macht: die Beschreibungen Malornys aus Thailand lassen erkennen, dass er sich dort gut auskennt, und auch wenn er vieles aus dem Blickwinkel des (Sex-) Touristen überzeichnet, ersteht sein generischer thailändischer Touristenort (ob es Pattaya ist, sei mal dahin gestellt) lebendig und lebensecht vor dem Auge des Lesers, der schon mal in Thailand war.

Das war’s dann aber auch an Erwähnenswertem. Ein Lektorat hätte dem streckenweise hakeligen Text und der bisweilen wenig inspirierten Sprache gut zu Gesicht gestanden; zum Glück, muss man sagen, ist die im ersten Abschnitt viel zu langatmige Geschichte dann doch nur 125 Seiten lang geworden.

Exotisches Ambiente allein macht aber noch keinen Roman – dieses Werk (und Detektiv Nitrowski) kann man getrost auslassen.

Bewertung: ★☆☆☆☆ 

Der Ruhr-Guide kommt in seiner Rezension dieses Romans übrigens zu einem ganz anderen Urteil: hier lesen.

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