Douglas Coupland – JPod

„Very evil … very funny“ behauptet der Verlag auf dem Rückeinband von Douglas Couplands neuem Werk, und verspricht auf der Front gar: „Microserfs for the age of Google“. Und in der Tat erinnert

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Douglas Coupland: jPod

streckenweise an Couplands Roman über das Geek-Dasein der 90er Jahre.

Die Helden sind eine Art spätgeborene Generation-X, die Arbeitssklaven der Spieleindustrie, protoypische Geeks die sich von Junkfood ernähren und Nächte durcharbeiten, aber Tage damit verbringen Tetris zu spielen, oder obskure und nicht selten kryptographische Rätsel zu lösen. Hauptfigur ist Ethan, der die Geschichte als Ich-Erzähler vorträgt. Seine Mutter baut im heimischen Keller Marihuana an und lebt davon sehr gut, sein Vater geht zu Gesellschaftstanzwettbewerben und arbeitet als Komparse in der Filmindustrie von Vancouver, seine Kollegen haben alle eine mehr oder weniger schräge Macke – bis hin zu dem Typen der sich legal in John Doe hat umbenennen lassen um nur ja das Mittelmaß von allem zu sein, nachdem er in einer radikalvegetarischen lesbischen Kommune aufwuchs.

Auch Frauen gibt es in JPod, das für einen Büro/cubicle-Trakt steht, in welchem durch einen obskuren Verwaltungscomputerglitch ausschliesslich Leute sitzen, deren Nachname mit einem J beginnt. Doch was JPod wirklich fatal macht ist: es gibt kein Entrinnen aus dem System…

Der Roman beginnt damit, dass einer der Charaktere anmerkt, er komme sich vor wie ein Flüchtling aus einem Douglas Coupland-Buch. Was zu Beginn noch gerade als witzige Idee durch geht, wird durch den Roman zur Manie – ich habe aufgehört zu zählen wie oft Coupland selbstreferentiell über sich, seine Bücher, die Frage ob Melrose Place ein Plagiat von Generation X darstellt und die Grossartigkeit des Autors Coupland schwadroniert – spätestens an dem Punkt des Romans, in dem der Autor selbst als Figur der Handlung auftritt und sich in dieser immer mehr Raum verschafft.

Zwar zeichnet Coupland sich selbst keinesfalls als netten Kerl, aber doch am Ende als supergeekig coolen tollen Hecht, und seine Manie im Buch aufzutauchen ist mindestens so nervig wie insgesamt rund 130 Seiten voll mit Codeschnipseln, chinesischen Symbolen, Iterationen von Pi, Spam-Auszügen und ähnlichem, die nur rudimentär illustrierend mit dem Text zu tun haben – 130 von 448 Seiten, wohlgemerkt. So kann man seine Seiten natürlich auch füllen, wenn der Abgabetermin dräut…

Diese Gestaltung hat durchaus Anklänge an Microserfs, und vielleicht ist genau das auch die Crux dieses Buches. Es ist, als habe der Autor versucht, Microserfs ein zweites Mal zu schreiben, oder eher: einen zweiten Aufguss zu machen.

Coupland hat, wie schon in früheren Werken, einen Episodenroman abgeliefert, in dem sich schräge, obskure Stories die Hand reichen mit Kryptospielereien und „Geek-Art“, aber den Geschichten fehlt dennoch der innere Zusammenhang, die Botschaft, und bei aller Abgedrehtheit sind sie vorhersehbar, klischeebehangen und – langweilig.

Da hilft auch nicht, dass er einen chinesischen Gangster auftauchen lässt, der den Ex-Lover von Ethans Mutter heroinsüchtig macht, was darin gipfelt dass Ethan nach China reisen muss um eben diesen Ex-Liebhaber aus einer Art Gefangenenlager zu befreien – eine Reise in deren Folge er seinen Laptop an Douglas C. verliert, der ihn dafür aus dem chinesischen Hinterland mit in die Zivilisation nimmt…

JPod ist, bei aller Freude an Geek-Kultur, schrägen Charakteren und netten satirischen Einsprengseln, lausige Arbeit von einem der das sehr viel besser kann. Reine Zeitvergeudung.

Bewertung: ★★☆☆☆ 

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