Doris Ryffel-Rawak – Wir fühlen uns anders

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Doris Ryffel-Rawak – Wir fühlen uns anders
Wie betroffene Erwachsene mit ADS/ADHS sich selbst und ihre Partnerschaft erleben

Neben einem kurzen, kompakten Überblick über ADS in der Forschung widmet sich die Autorin, selbst praktizierende Psychologin, hier vor allem den Themen

  • Wir fühlen uns anders
  • ADHS und Kreativität
  • Konflikte in Partnerschaft und Familie
  • Diagnose und Therapie

Zu jedem Kapitel werden auszugsweise Darstellungen Betroffener zu ihrem Leben und Empfinden geliefert.

Für meinen Geschmack ist der Bereich Diagnose und Therapie in diesem Buch etwas überrepräsentiert; es sollte damit wohl aufgezeigt werden, wie sich die Lebens- und Partnerschaftsprobleme mittels Medikation handhabbarer gestalten. Die Einzeldarstellungen der Betroffenen über ihr Ringen mit Impulsivität, Reizüberflutung und der Suche nach Stimulation und den damit verbundenen Konsequenzen für ihr Dasein sind der große Pluspunkt dieses Büchleins, davon hätten noch sehr viel mehr Eingang finden können. Für mich ist jeder Lebensbericht in dem ich mich wiederfinde ein Aha-Effekt; viele Bereiche und Bezüge werden aber zu knapp abgehandelt, insbesondere das Thema Kreativität läuft hier eher unter ‚mit einem guten Therapeuten kann der ADHS-Patient diese ausleben‘. Vermutlich ist ein solcher Ansatz bei einem von Therapeutenseite geschriebenen Buch nicht überraschend. Partnerschaftskonflikte werden leider nur angerissen bzw. die Texte beschränken sich häufig auf Untreue und das Gute-Hausfrau-und-Mutter-Syndrom. Dafür wird dem Titelthema angemessener Raum gegönnt. Schade fand ich, dass mir nicht klarer geworden ist, woher das Sich-als-Anders-Empfinden von Menschen mit ADS/ADHS wirklich kommt.

Fazit: Ein durch die individuelle Sichtweise der zu Wort gekommenen Patienten sehr erhellendes Büchlein, das aber sowohl im Umfang als auch in der Tiefe etwas enttäuscht. Auf jeden Fall für Betroffene und auch deren Partner lesenswert, schon weil man sehen kann, dass die oft für individuelle Schwächen gehaltenen Probleme (ob die eigenen oder die des Partners) keinen Einzelfall darstellen und nicht aus Faulheit und Desinteresse, sondern eben aus der individuellen ADS-Symptomatik hervorgehen.

Bewertung: ★★★☆☆ 

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