Clive Cussler – Atlantis Found

Eins muß ich dieser Rezension voranstellen, weil es vielleicht dann doch nicht klar wird… ich habe bislang alle Bücher von Clive Cussler gelesen und hatte immer Spaß beim Lesen, auch bei Atlantis Found.

Unter anderem begeistert mich seine Art, historische Fakten und Archäologie mit modernen Thriller-Plots zu verbinden. Außerdem schreibt Cussler lange Bücher, was ich auch als angenehm empfinde. Sein Englisch ist selbst für einen Nichtmuttersprachler sehr gut zu lesen und zu verstehen, weswegen ich bis auf das Alexandria-Komplott auch alle Cusslers in Englisch gelesen habe – was ich jedem nur empfehlen kann, der dieses Genre mag.

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Clive Cussler – Atlantis Found

Irgendwie kommt einem das alles furchtbar bekannt vor… im mittlerweile 15. Abenteuer von Beinahe-Superman Dirk Pitt scheint Clive Cussler ein ganzes Stück bei sich selbst abgeschrieben zu haben, oder vielleicht kommen ihm die klischeehaften Szenen auch einfach so in die Tastatur geflossen, nachdem er sie schon so oft bemüht hat – jedenfalls ist der Beginn des Buches mehr als nur Deja vu und reißt nicht wirklich vom Hocker.

Doch dann dreht Cussler in gewohnter Manier auf und zieht das Tempo an. Was er in „Atlantis Found“ abliefert, schreit förmlich nach einer Verfilmung – mit einem gewissen Bond, James Bond, in der Hauptrolle. Denn genau das ist dieser Thriller – ein Bond-Roman, Weltuntergangsszenarien, schöne Frauen und globale Verschwörungen von Kapital und Neonazis inklusive. Dass Cussler dies dann noch mit Nazireliquien, Hitlers Asche und geklauter Kriegsbeute verquicken muss, ist wohl der Faszination mancher Amerikaner mit der Nazihistorie zuzurechnen, im Kontext aber ein unnötiger Extrapunkt, der die Aufgebauschtheit des Plots erst richtig vor Augen führt. Aber der Reihe nach…

Überall auf der Welt tauchen seltsame Artefakte auf – Artefakte die in einer unbekannten Sprache beschriftet und wenigstens 10.000 Jahre alt sind. Alles deutet darauf hin, daß sie Überbleibsel des versunkenen Kontinentes Atlantis sind. Natürlich interessiert sich Dirk Pitt für alles Versunkene, für antike Schätze sowieso, und schon bald stolpert er in Querelen mit ebenso gutaussehenden wie finsteren Gegenspielern, die nichts Geringeres als die Vernichtung allen Lebens auf der Erde zugunsten einer Art arischen Superrasse planen, und natürlich nennt sich diese Gruppierung überaus einfallsreich „Das Vierte Reich.“ (The Fourth Empire). Die Spur des Todes führt – wieder einmal zu oft auch von Zufällen geleitet – in die Antarktis direkt in den Vorgarten der Hölle. Und natürlich wird Dirk Pitt die Welt retten, gemeinsam mit seinen Kumpels Al Giordino und Rudi Gunn und tatkräftig unterstützt von Admiral Sandecker.

Atlantis Found ist ein rasanter Actionroman für Dirk-Pitt-Fans. Die Thesen, derer sich Cussler bedient, was Atlantis angeht, sind durchaus spannend und gut transportiert, auch für Nicht-Archäologen verständlich in Szene gesetzt und ein wesentlicher Bestandteil des Buches, der mit Vergnügen zu lesen ist. Auch die Art und Weise, wie das Vierte Reich sich der überflüssigen planetaren Einwohner entledigen will, ist atemberaubend und wissenschaftlich elegant ausgeklügelt zugleich.

Die Charaktere jedoch erscheinen mir arg hölzern, um nicht zu sagen wie Comicfiguren – das könnte daran liegen, daß sich der stets gleich beschriebene Superheld Dirk Pitt irgendwann im Lauf der letzten Abenteuer etwas abgenutzt hat, oder dem Leser offensichtliche sprachliche Schwächen irgendwann stärker auffallen. Ein Meister der Charaktergestaltung ist Cussler sicher nicht, und auch die wissenschaftlichen Fakten hinken hier und da.

Dennoch ist Cusslers Atlantis-Entdeckung ein spannender Action-Thriller, der für einige Stunden guter, wenn auch nicht allzu tiefschürfender Unterhaltung sorgt – und nebenher noch ein bißchen von der Faszination Atlantis‚ vermittelt.

Für Neugierige gibt es hier noch eine kommentierte Atlantis-Linkliste.

Bewertung: ★★★½☆ 

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