Archiv der Kategorie: 4 Sterne

T. S. Wiley – Lights Out

Lights Out – Sleep, Sugar and Survival
von T. S. Wiley und Bent Formby

ist eines dieser Bücher, über die man immer wieder stolpert, wenn man sich mit Ernährung, zirkadianen Rhythmen, Schlaf und Gesundheit befasst. Mal wird es hochgelobt, dann wieder als esoterischer Quatsch verrissen, aber nachdem nun auch in der Mainstream-Medizin angekommen ist, dass die dauernde Lichtüberflutung der Moderne unseren Körpern nicht unbedingt gut tut, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Thesen, die Wiley und Formby aufstellen.

Tatsächlich sind die Autoren alles andere als spinnerte Esoteriker. Runde 150 der 354 Seiten des Buches sind Quellenangaben zu den aufgeführten Studien, für jedermann, der es genau wissen will, präzise nachvollziehbar.

Die These der Autoren, stark verkürzt: Die Kombination aus im Übermaß verfügbaren Kohlenhydraten in der Nahrung und die ständige Verfügbarkeit von Helligkeit (dauerhafte Tagesverlängerung) sorgt dafür, dass wir dauergestresst sind, nicht ausreichend erholsamen Schlaf bekommen, und dadurch fett und krank werden.

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Sir Roger Moore – Bond on Bond (Hörbuch)

BondonBond

Eigentlich,  verrät uns Sir Roger Moore im besten Cocktailstunden-Plauderton, habe er ja nicht wirklich Ahnung vom Thema Bond, aber er habe sich ein wenig schlau gemacht…

Ein Hauch britisches Understatement, eine kräftige Dosis trockener Selbstironie, und sehr viel höflicher, gediegener, eleganter Gentleman – das war der Bond, den Roger Moore stets verkörpert hat. Und genau so führt der Mime in diesem Buch, das er für die Hörbuchfassung erfreulicherweise auch selbst spricht, den Leser / Zuhörer durch mehrere Jahrzehnte James-Bond-Filmgeschichte.

Sir Roger Moore: Bond on Bond

Ein Stück weit ist es (natürlich)  Biographie von Roger Moore, aber auch die anderen Darsteller von Connery bis zu Craig (von dem Bond nach Skyfall sagte „He owns Bond now.“) finden ausreichend Raum.

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Rolf A. Becker – Der Krimi, unser täglich Brot

Rolf Becker, Erfinder von „Dickie Dick Dickens„, nimmt in diesem kurzweiligen Bändchen die Krimiwelt unter die Lupe. Von den Anfängen bei Edgar Allan Poe und Sir Arthur Conan Doyle bis zur modernen Krimiserie im TV analysiert der Krimispezialist die ganze Welt von Mord und Spannung.

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Rolf A. Becker – Der Krimi, unser täglich Brot
Eine satirische Betrachtung über Krimis

Mehr als den Kriminalroman aber, der vor allem zur Erläuterung der Grundtypen des Krimis dient – der Wer-War’s-Krimi, der auf die intellektuelle Lösung des Problems setzt, und der Action-Krimi, in dem es um eine schnell voranschreitende und dadurch Spannung erzeugende Handlung geht – nimmt der langjährige Rundfunk- und Fernsehautor das filmische Krimi-Geschehen unter die Lupe.

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Backen für Dummies

Die Dummies-Reihe aus dem Wiley-Verlag ist vermutlich heute jedem ein Begriff; sie steht für einfache Handbücher zu allerlei Themen aus Alltag, Bildung und IT, die anschaulich und praxisnah das Wissenswerte erläutern und vermitteln.

Backen für Dummies

Backen für Dummies ist die deutsche Version eines ursprünglich auf Englisch erschienenen Buches von Emily Nolan, ein Faktor, der zumindest mir als Fachübersetzerin für das Thema Food hier und da im Buch entgegenspringt, aber dazu gleich.

Im ersten Abschnitt geht es um die Grundlagen – von strukturierter Arbeitsweise (beim Backen wichtig) über Backtechniken bis hin zur Vorratshaltung und den einzelnen Zutaten. Das alles wird gut erklärt, so dass man auch als Laie damit etwas anfangen kann. Im dritten Kapitel werden auch die einzelnen Utensilien erläutert. Kapitel 4 widmet sich dem Backofen, in Kapitel 5 werden Basistechniken vorgestellt – ob Eier trennen, Backform fetten, oder Sahne steif schlagen, es ist alles dabei was man braucht. Vorbildlich gemacht und schön illustriert wo nötig – das gefällt mir sehr gut, und müsste ich einem Anfänger ein Backbuch schenken, wäre Backen für Dummies schon deswegen in der engeren Auswahl. Kapitel 6 widmet sich dann noch einmal der Vorbereitung des Backens – Planung, Ordnung, Ruhe, kein Chaos, lieber weniger und dafür richtig – kurzum, all den Tipps die man gerade als Anfänger tunlichst beherzigen sollte.

Nun geht es los mit dem Backen, und zwar

  • Plätzchen und Kleingebäck
  • Kuchen (Rührkuchen, Tassenkuchen, Biskuit)
  • Glasuren, Überzüge, Füllungen
  • Kuchen und Pies auf Mürbeteigbasis
  • Crisps und Cobblers – Backen mit Obst
  • Muffins und kleine Leckereien
  • Hefegebäck und Hefebrote
  • Pikantes
  • Fettarmes
  • Kuchen und Torten für besondere Anlässe

sowie zum Schluß noch eine Liste der Besten Tipps rund ums Backen, wenn mal was schief gelaufen ist (oder auch: bug fixes).

Das ist ganz schön umfangreich für ein Buch, das knapp 280 Seiten umfasst.

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Alex Jahnke & Marcus Rauchfuß – Steampunk (kurz und geek)

steampunk

Steampunk – kurz & geek

Wenn Alex „Clockworker“ Jahnke und Marcus „Daily Steampunk“ Rauchfuß zusammen ein Buch schreiben, dann ist das Thema eigentlich nahe liegend: Steampunk.

Aber was genau ist Steampunk eigentlich, wie definiert man das, worin unterscheidet es sich von anderen Genres? Was macht diesen „Trend“ (ich setze das mal ganz bewußt in Anführungszeichen) so trendig, was grenzt ihn von Scifi, historischen Reenactern und anderen Retro-Spinnern ab? Wo liegt der Reiz, was macht Steampunk so besonders und interessant?

Diesen Fragen widmen sich die Autoren mit einem locker-flockigen Abriss über die Historie des Steampunk und die Vielfalt seiner Quellen und Inspirationen, von Jules Verne (und warum der dennoch keinen Steampunk schrieb) über William Gibson bis zu der Hackerspace-Bewegung.

Ein angenehm „unmodernes“ Verständnis von Höflichkeit, eine Vorliebe für (andere) Ästhetik im Design und der Spaß daran, Dinge selbst zu erschaffen, sind ebenso wichtige Elemente der Bewegung. Und Steampunk muss, auch das lernt der Leser, keineswegs eine Kreuzung aus victorianischem Habitus und Science-Fiction darstellen – längst etablieren sich andere Formen von historisch-kulturellen Mash-Ups, wie Dieselpunk, Atompunk und andere neue Subkulturen.
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Walter Moers – Der Schrecksenmeister

Der fünfte Roman aus Zamonien.

Bereits im vergangenen Jahr habe ich

schrecksenmeister

Der Schrecksenmeister, von Walter Moers

gelesen. Wie auch bei anderen Werken aus Moers‘ Zamonien-Reihe gibt er vor, hier nur als Übersetzer von Hildegunst von Mythenmetz zu fungieren, und erzählt die Geschichte von Echo, dem Krätzchen, das halb verhungert auf den Schrecksenmeister Eißpin trifft, der ihm einen Deal anbietet: Eißpin wird es mit den feinsten Delikatessen mästen, wenn das Krätzchen – eine intelligente und sprechende Katze – ihm am Ende einer fest gesetzten Frist dafür seinen Körper verkauft.

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Wolfram Eilenberger – Finnen von Sinnen

Als ich das erste Mal von Wolfram Eilenbergers humoreskem Buch über die Finnen las, wanderte es sofort auf meinen Wunschzettel, und schaffte es schließlich auf den Stapel für Urlaubslektüre.

Finnen von Sinnen: Von einem, der auszog, eine finnische Frau zu heiraten

finnenvonsinnen

Eine gute Wahl, wie sich herausstellte. Eilenberger ist in der Tat mit einer Finnin verheiratet, und schreibt sich in kurzen, vignettenartigen Kapiteln an die Eigenarten und Macken der Finnen heran. Die kleinen Geschichtchen laden bisweilen zum Lachen ein, manche zum Schmunzeln, manche sind so erkennbar überzeichnet, dass ich sie eher bemüht finde, aber im Kontext ergeben sie dann Sinn.

Kein Klischee wäre zu banal, um hier nicht noch verwurstet zu werden, und der Erzählstrang windet sich lose, aber keineswegs konsequent linear, an der Liebesgeschichte des Erzählers und seiner finnischen Pia entlang, die mehr oder minder in einer typisch finnischen Hochzeit auf dem Lande gipfelt.

Ob es die Liebe des (schweigsamen) finnischen Mannes zu seinem mökki ist, oder das erhebliche Temperaturgefälle zwischen Deutschland und Finnland im Winter, Fußball, Tango, korrektes Saunieren oder die Unerlässlichkeit der Kartoffel bei einem finnischen Mahl, das alles ist augenzwinkernd karikiert und mit augenscheinlich einiger (persönlich erlebter) Sachkenntnis geschrieben.
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Norbert Suchanek – Der Soja-Wahn

Norbert Suchanek ist seit seinem Studium der Chemietechnik Umweltjournalist, war für Greenpeace aktiv, und hat sich in Eine-Welt-Netzwerken engagiert. Er lebt und arbeitet heute in Brasilien. In

sojawahn

Norbert Suchanek: Der Soja-Wahn
Wie eine Bohne ins Zwielicht gerät

setzt er sich kritisch mit der Sojabohne auseinander – egal ob es sich um Ernährungslügen handelt oder die Folgen des weltweiten Sojaanbaus für Mensch und Umwelt.

Die Kapitelliste:

  1. Soja – gut für die Gesundheit?
  2. Margarine aus Soja – gesünder als Butter?
  3. Soja statt Gras – schlecht für Mensch und Tier
  4. Soja und Asien – mehr Mythos als Wahrheit
  5. Opfer der Bohne: Mensch und Natur
  6. Soja – ein amerikanischer (Alb-) Traum
  7. Kann (Gen-) Soja nachhaltig sein?

Die Frage nach der Gesundheit ist hoch interessant, und es ist passend, dass Suchanek sie an den Anfang stellt. Immer wieder wird Soja als gesundes Nahrungsmittel, ja geradezu als Superfood angepriesen; Soja sei gut in den Wechseljahren und gegen Krebs (wegen der Phytoöstrogene); das Eiweiss besonders hochwertig; Sojaprodukte ein jahrtausendealtes Gesundmittel der Asiaten, Motto: esst mehr davon, etc. pp.

Dem Format des Bändchens angemessen geht Suchanek auf diese Fragen sehr komprimiert ein; viele Erkenntnisse der modernen Ernährungsmedizin jenseits von Low-Fat-Propaganda und Ernährungsrichtlinien der Regierungen (wie die Fehlerhaftigkeit der Cholesterinhypothese oder die fälschliche Behauptung mehrfach ungesättigte Fettsäuren seien gesünder als einfach gesättigte) setzt er voraus oder reisst diese nur knapp an; dafür findet sich dann in der Literaturliste das wohl endgültige Standardwerk zum Thema, Gary Taubes‘ Good Calories, Bad Calories: Fats, Carbs, and the Controversial Science of Diet and Health oder auch die thematische Artikelsammlung der Weston A. Price Foundation zum Thema Soja, Soy Alert.

Für den, der diese Lektüre kennt, sind die Ernährungskapitel keine Neuigkeiten, alle anderen dürften erstaunt aufschauen. Die meisten Punkte aus dem Buch zum Thema Soja als Menschennahrung findet man bei Taubes oder der Weston A. Price Foundation detaillierter wieder, sofern man des Englischen mächtig ist – das Weiterlesen lohnt sich.

Die folgenden Kapitel widmen sich dann der Massenproduktion von Soja im agrarindustriellen Komplex – beginnend bei der Tatsache, dass proteinreiches Soja eben keine geeignete Tiernahrung darstellt (und natürlich ernährtes Tier, grass-fed oder pastured heisst das im angloamerikanischen Raum, nicht nur besser schmeckt sondern auch für den Konsumenten deutlich gesünder ist).

Weiter geht es über Gentechnik (97% der Sojabohnen aus den USA sind GMO-crops) und Pestizide (Round-up und Konsorten) zur flächendeckenden Vernichtung von Regenwäldern für aus Sojaöl gewonnenen ach-so-nachhaltigen Biodiesel (die Produktion verschlingt 27% mehr Energie als sie erzeugt) und den Billigfleischhunger der ersten und zweiten Welt, die Zerstörung kleinbäuerlicher Strukturen und die Subventionierung von Soja in den USA, bis hin zu neuem Agrarkolonialismus in Afrika. Der Pestizid- und Düngerverbrauch von Soja nimmt Rekordausmaße an. Und dank Lobbyisten darf sich in Zukunft selbst Soja, das mit aus Flugzeugen versprühten Pestiziden eingenebelt wurde, noch als ‚verantwortliches Soja‘ schmücken.

Soja, eine Alternative für die Zukunft? Nur, wenn die Zukunft transgenen patentierten Produkten aus dem Labor der Agrochemiekonzerne gehört.

Die 110 Seiten sind gut zu lesen und ein vielleicht grad dank seiner Kompaktheit kräftiger Tritt in den Hintern, die eigenen Glaubenssysteme mal wieder zu überdenken. Zu befürchten steht allerdings, dass dieses Büchlein diejenigen, die es bräuchten, am wenigsten erreichen wird, sondern es am Ende auf preaching to the choir herausläuft.

Auf jeden Fall empfehlenswert.

Bewertung: ★★★★☆ 

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