Archiv der Kategorie: Wissenschaft

Adrienne Hall – A Journey North

Im Jahr 1997 – also vor rund 20 Jahren – lief Adrienne Hall den Appalachian Trail, und im Jahr 2000 erschien dieses Buch darüber.

Der volle Titel:

A Journey North: One Woman’s Story of Hiking the Appalachian Trail

ist allerdings gleich in zweifacher Hinsicht irreführend.

Zum einen wandert Hall den Trail nicht allein, sondern mit ihrem langjährigen Partner und späteren Ehemann, was eine vollkommen andere Dynamik ergibt. Bei „One Woman“ erwarten viele Leser, mich eingeschlossen, dass hier ein Solo-Hike beschrieben wird, einschließlich der Erfahrungen, die eine Frau allein eben auf so einem an die Grenzen gehenden Trip macht.

Aber auch ein Wanderbericht eines Paares kann durchaus erhellend sein – und da greift die zweite Enttäuschung. Denn das Buch, so interessant es auch in anderer Hinsicht ist, ist nur sehr am Rande eine Wanderbeschreibung.

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Jared Diamond – Collapse

Sachbücher, insbesondere solche die sich mit Anthropologie, Ökologie, Klimaveränderung und auch menschlicher Siedlungsgeschichte befassen, lese ich sehr gern und – offen gesagt – zum Vergnügen. Für

collapse

Jared Diamond: Collapse
How Societies Choose to Fail or Succeed

habe ich allerdings über 3 Jahre und ungefähr 14 Anläufe gebraucht, bis ich das Buch komplett gelesen hatte. Warum?

Jared Diamond ist ein bekannter amerikanischer Evolutionsbiologe und Biogeograf. Einem breiteren Publikum wurde er durch seine Bücher The Third Chimpanzee (über die Evolution des Menschen) und Guns, Germs and Steel: A Short History of Everybody for the Last 13000 Years bekannt.

In Collapse (auf Deutsch als Kollaps: Warum Gesellschaften überleben oder untergehen erschienen) stellt Diamond die These auf, dass sich Homo sapiens durch schlechte / falsche / kurzsichtige gesellschaftlich-wirtschaftliche Entscheidungen selbst ausrotten kann, weil er seine Umwelt zerstöre (n muss), und versucht, Muster dieser falschen (und richtigen) Entscheidungen anhand verschiedener Kulturen aufzuzeigen, bei denen das mit dem Überleben geklappt hat oder eben schief gegangen ist.

Zu Beginn liest sich das Buch sehr flüssig – Diamond beginnt bei seinen eigenen Beobachtungen in Montana, bei befreundeten Ranchern, einer verfehlten Landwirtschafts-, Wasser- und Minenbaupolitik, und wie diese das Leben der dort Ansässigen verändert und die Umwelt dauerhaft beeinflusst, so dass von Nachhaltigkeit beim Wirtschaften keine Rede mehr sein kann.

Dann folgen Kapitel über die Anasazi, die Kultur der Osterinseln sowie die Pitcairn Islands, die Maya, die Expansion der Wikinger, die nordische Besiedlung Grönlands, Neu-Guinea, das Tokugawa-Japan, Genozid und Umweltprobleme in Ruanda, die Dominikanische Republik und Haiti, China und Australien, sowie ein abschließender Block mit Diamonds Schlussfolgerungen.

Bis zu den Wikingern habe ich mit Interesse, aber durchaus auch Unbehagen ob des lockeren Umgangs mit den Fakten gelesen. Den Abschnitt über die nordische Besiedlung Grönlands und das Aussterben der Grönländer musste ich insgesamt 8 Mal neu zu lesen anfangen, da sich zwischendrin unendliche Müdigkeit und Langeweile einstellten – dazu gleich mehr. Die Texte über Ruanda und Haiti schließlich sind wieder sehr spannend, bedürften aber einer genaueren historischen Prüfung.

Diamonds Buch beginnt mit einer These; daran ist zunächst nichts falsch. Diese These und die Belege, die er dafür anführt, hämmert Diamond aber durch das Buch immer und immer wieder penetrant in die Köpfe seiner Leser; ich fühle mich an eine einschläfernde Vorlesung erinnert – es ist, als traue der Autor seinem Leser nicht zu, sich die simpelsten Fakten und theoretischen Konstrukte auch nur für 20 Seiten zu merken. Insbesondere die Kapitel über Wikinger und Norweger sind langatmig und unnötig aufgebläht. Auch das könnte man noch hinnehmen, wenn Diamond denn seine Punkte wenigstens konzise wissenschaftlich belegen könnte.

Stattdessen beschleicht mich beim Lesen das Gefühl, dass hier ein Think-Tank für Diamond Sekundärliteratur querrezipiert hat. Tatsächlich sind die erwähnten Fakten fast deckungsgleich mit denen aus Vikings – A North Atlantic Saga (ein Werk des Smithsonian Institute), und viele Begrifflichkeiten und Behauptungen Diamonds halten nicht mal einfachsten Prüfungen auf Glaubwürdigkeit stand.
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Obst, Gemüse und Kräuter Karls des Grossen

Eines der ältesten Dokumente frühmittelalterlicher Gartenkultur, vielleicht sogar das älteste schriftliche Dokument der europäischen Gartenbaugeschichte, ist eine Verordnung Karls des Großen über „Land- und Krongüter“ und welche Pflanzen auf diesen anzubauen seien, die Capitulare de villis vel curtis imperii aus dem 8. Jahrhundert.

Zwar regelt diese umfangreiche Verordnung beinahe jeden Aspekt des weltlichen Daseins (etwa „Bauweise, Verproviantierung und Bewaffnung der Kriegskarren“, oder welche Handwerker auszubilden seien), aber sie umfasst auch nicht weniger als die Logistik eines riesengroßen Reiches und die Versorgung des nicht eben kleinen Hofstaates Karls des Großen.

Darunter sind eben auch Themen der landwirtschaftlichen Praxis – Umgang mit Saatgut, Wald- und Weidewirtschaft, Grundlagen von Ackerbau und Viehzucht. Der Staatsmann Karl der Große (und seine Verwalter) erweisen sich hier als souveräne Agrarpolitiker.

In dem Buch

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»… dass man im Garten alle Kräuter habe …«:
Obst, Gemüse und Kräuter Karls des Grossen

befassen sich die Herausgeber, Karl Josef Strank und Jutta Meurers-Balke, vor allem mit dem letzten Kapitel der Capitulare, welches die Duftpflanzen, Heil- und Würzkräuter, Gemüse, Obst und Vorratsbäume verzeichnet, welche Karl der Große auf jedem Hofgut kultiviert und vorrätig wissen wollte. Diese Liste ist für Gärtner wie Mittelalterforscher, vor allem auch in ethno- und archäobotanischer Hinsicht bemerkenswert und interessant.
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Michael Hanlon: Per Anhalter durch die Galaxis – im Licht der Wissenschaft

Einen „Crashkurs in Kosmologie und dem ganzen Rest, der zeigt, dass Wissenschaft mindestens so phantastisch sein kann wie Douglas Adams‘ Anhalter“ verspricht der Rowohlt-Verlag auf dem Rücken von

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Michael Hanlon: Per Anhalter durch die Galaxis – im Licht der Wissenschaft

Unterhaltsam erhellen will Hanlon die neuesten Erkenntnisse und Theorien der Forschung, und benutzt dafür Thesen und Ideen aus Douglas Adams‚ Werk als Aufhänger – von profaner Astronomie und Astrophysik, über ontologische und anthropische Ansätze die Existenz Gottes zu beweisen, bis zu Quantenphysik, Paralleluniversen und Superstringtheorie reicht dabei die Bandbreite.

Und die Vielfalt von Themen und Fakten, die hier in rund 250 Seiten gepresst werden, ist höchst beeindruckend – ob Zeitreise oder Teleportation (der Transporter von StarTrek), ob Gentechnik oder Supercomputer, Babelfisch oder Urknalltheorie – Hanlon fasst komprimiert den Status Quo der neuesten Forschung zusammen und ermöglicht dem Leser fürwahr eine informationsgeladene Reise per Anhalter durch die Galaxie der Naturwissenschaft.
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Alan Weisman – Die Welt ohne uns

Was wäre eigentlich, wenn die Menschen plötzlich verschwinden würden? Erobert die Natur alles zurück, was der Mensch in Jahrtausenden geschaffen hat? Welche Spuren bleiben von uns?

Das sind die Fragen, denen sich ein amerikanischer Autor und Journalistikprofessor in
weltohneuns

Alan Weisman – Die Welt ohne uns: Reise über eine unbevölkerte Erde

stellt.

Um diese Frage erschöpfend zu beantworten, hat er sich auf eine lange Forschungsreise rund um die Welt begeben, und er nimmt seine Leser dabei mit. Von den Ursprüngen der Menschheit in der afrikanischen Savanne, über die Höhlenstädte Kappadokiens, die Unterwelt von New York City, die blutweiderichbewachsenen Ufer Alaskas, den entmilitarisierten Streifen auf Zypern oder den Panamakanal, zum “großen pazifischen Müllstrudel”, der Architektur von Istanbul und den Ölfeldern von Texas, bis hin zur Voyager-Sonde reicht das Spektrum der Ziele, an denen er nach Erkenntnissen über den Menschen und seine Spuren auf diesem Planeten und im All sucht – was bleibt?
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Tim Flannery – Wir Wettermacher

Wie die Menschen das Klima verändern und was das für unser Leben auf der Erde bedeutet“ lautet der Untertitel von

wettermacher

Tim Flannery: Wir Wettermacher

Flannery ist angetreten, seinen Lesern eines der wohl wichtigsten und gleichzeitig komplexesten Themen unseres Jahrhunderts Stück für Stück zu erläutern, und er tut das mit der Eloquenz und Kompetenz, die englischsprachigen Wissenschaftlern so oft einfach aus der Feder zu fließen scheint.

Der Autor widmet sich im Detail den Funktionen des Ökosystems Erde, des „großen Luftozeans“ Atmosphäre, erklärt, wie der Treibhauseffekt tatsächlich funktioniert, vermittelt die neuesten Theorien und Fakten zur Klimaerwärmung ebenso wie die historische Entwicklung der Klimaforschung, aber er tut dies niemals trocken, sondern stets spannend und bei aller Schrecklichkeit unterhaltsam, oft wie ein Krimi geschrieben.
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