Archiv der Kategorie: Biographie

Adrienne Hall – A Journey North

Im Jahr 1997 – also vor rund 20 Jahren – lief Adrienne Hall den Appalachian Trail, und im Jahr 2000 erschien dieses Buch darüber.

Der volle Titel:

A Journey North: One Woman’s Story of Hiking the Appalachian Trail

ist allerdings gleich in zweifacher Hinsicht irreführend.

Zum einen wandert Hall den Trail nicht allein, sondern mit ihrem langjährigen Partner und späteren Ehemann, was eine vollkommen andere Dynamik ergibt. Bei „One Woman“ erwarten viele Leser, mich eingeschlossen, dass hier ein Solo-Hike beschrieben wird, einschließlich der Erfahrungen, die eine Frau allein eben auf so einem an die Grenzen gehenden Trip macht.

Aber auch ein Wanderbericht eines Paares kann durchaus erhellend sein – und da greift die zweite Enttäuschung. Denn das Buch, so interessant es auch in anderer Hinsicht ist, ist nur sehr am Rande eine Wanderbeschreibung.

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Alan Cumming – Not My Father’s Son

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Alan Cumming kennen die meisten wohl als glatten Anwalt Eli Gold aus der TV-Serie „The Good Wife“, wo er mit einem ebenso glatten amerikanischen Englisch durch die Welt geht. Umso mehr überrascht es, wenn man den Schauspieler dann das erste Mal in der Hörbuchversion seines biografischen Werkes Not My Father’s Son reden hört – sanft und mit einem ausgesprochen angenehmen schottischen lilt.

In diesem Buch erzählt Alan Cumming einen Teil seiner Lebensgeschichte – von seiner Kindheit in Schottland, einem Vater, der ihn, den schwächlichen jüngeren Sohn, der nie etwas gut genug machen konnte, systematisch vertrimmte, der soff, und auch sonst eher ein gewalttätiger Mistkerl war. Gegen den Willen seines Vaters, aber mit der Unterstützung seiner Mutter, flüchtet Cumming schließlich, und ergreift die Chance, eine Schauspielschule zu besuchen.

Allein dieser Teil seines Lebens wäre schon ein Buch wert, und Cumming weiss ebenso spannend zu erzählen wie die Geschichte, die er in Rückblicken aus der Jetztzeit (getrennt mit ‚Now‘ und ‚Then‘ als Ansage) erzählt, in Szene zu setzen. Alan Cumming – Not My Father’s Son weiterlesen

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Andreas Altmann – Triffst Du Buddha, töte ihn!

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Andreas Altmann, Reisejournalist und Autor, hatte ein sehr abwechslungsreiches Leben. Sein Lebensweg führte ihn aus Altötting auf Umwegen und über ein Schauspielerdasein nach Paris, nach New York, in ein japanisches Zenkloster, in einen Ashram, nach Mexiko City, und auf der hier beschriebenen Reise nach Indien.

Der etwas plakative Titel ist allerdings irreführend (und wird im Verlauf des Buches auch erklärt), denn Altmann schlägt keineswegs vor, (einen) Buddha zu töten. Tatsächlich betrachtet er selbst sich im sehr ursprünglichen Sinne als einen Buddhisten (wenn auch einen streitbaren), und ermutigt seine Leser, sich ebenso streitbar und selbstkritisch mit Buddha, den Weltreligionen und sich selbst auseinander zu setzen.

In Triffst du Buddha, töte ihn! Ein Selbstversuch reist er nach Indien, nicht ganz sicher, was er genau sucht, jedenfalls nicht „die Erleuchtung“, aber doch irgendwie etwas, oder jemanden, die ihm helfen, sich selbst und die Welt besser zu verstehen, besser anzunehmen, glücklicher zu sein. Und so ist das Buch ebenso sehr eine Erzählung einer Reise durch Indien wie ins eigene Selbst.

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David Roberts – Finding Everett Ruess

Finding Everett Ruess by David Roberts, with a foreword by Jon Krakauer, is the definitive biography of the artist, writer, and eloquent celebrator of the wilderness whose bold solo explorations of the American West and mysterious disappearance in the Utah desert at age 20 have earned him a large and devoted cult following. More than 75 years after his vanishing, Ruess stirs the kinds of passion and speculation accorded such legendary doomed American adventurers as Into the Wild’s Chris McCandless and Amelia Earhart.

lautet die Kurzbeschreibung bei Amazon.de zu

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Finding Everett Ruess: The Life and Unsolved Disappearance of a Legendary Wilderness Explorer

Nach Jon Krakauers Into the Wild, das ich sehr mochte, war ich gespannt auf dieses Buch, welches einen „Explorer“ und Künstler gleichermaßen darstellen sollte. Everett Ruess (der hier verlinkte Wikipedia-Artikel fasst recht gut zusammen was über ihn bekannt ist) begab sich als Teenager auf immer längere Touren durch die Wildnis der USA, bis er schließlich im Alter von ungefähr 20 irgendwo in den Wüstenlandschaften von Utah verschwand.

David Roberts hat versucht, aus den Materialien, die Ruess hinterliess, eine Biographie zu erstellen – kein ganz leichtes Unterfangen, denn gut 70 Jahre nach dem Verschwinden eines jungen Mannes noch Zeitzeugen zu finden, ist nahezu unmöglich. So stützt sich Roberts vor allem auf die Briefe und Tagebücher, die der Familie Ruess von Everett geblieben sind, und die Arbeit anderer Ruess-Enthusiasten, wie Everett Ruess: A Vagabond for Beauty.

Man merkt, dass sich der Autor tief in sein Recherchethema eingearbeitet hat. Tatsächlich fand ein Großteil davon in Zusammenarbeit mit National Geographic statt, die Roberts für diesen Artikel über Everett Ruess bezahlten. Und beim Lesen des Buches wünschte ich mir, er hätte es bei diesem Artikel belassen, denn im Gegensatz zum Buch ist dieser gestrafft, und halbwegs spannend geschrieben.
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Kelly Winters – Walking Home: A Woman’s Pilgrimage on the Appalachian Trail

Lange, bevor sich Bill Bryson auf seinen Walk in the Woods (auf Deutsch: Picknick mit Bären) begab und damit ein weitgefächertes Interesse am Appalachian Trail weckte, nämlich vor mehr als 25 Jahren, interessierte ich mich schon für diesen ungewöhnlichen Wanderweg, der sich 2100 Meilen entlang steiler Bergrücken quer durch 14 Staaten der USA zieht. Das war noch vor den Zeiten des WWW, und dennoch trieb ich Informationen auf, begann Schnipsel zu sammeln und davon zu träumen, irgendwann den Trail zu begehen.

Irgendwie wurde daraus aber nichts, dennoch faszinieren mich Berichte über solche Outdoor-Abenteuer sehr. Deswegen stand auch

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Walking Home: A Woman’s Pilgrimage on the Appalachian Trail

lange Zeit auf meiner Leseliste bzw. dem Wunschzettel, und vom Erwerb bis zum Lesen vergingen nochmals zwei Jahre. Bequem auf einem Sessel sitzend, in einem thailändischen Resort bei Außentemperaturen von 30°C, war das genau die Art von Lektüre, die Spaß macht. Ich hatte viel Vergnügen beim Lesen, denn Kelly Winters ist eine durchaus begabte Autorin und lässt mit ihren Beschreibungen die Schönheit der Natur, welche sie durchwandert, bildhaft erstehen, ebenso wie ihre Schilderungen von Unwettern und anderen weniger schönen Begleitumständen ihrer Wanderung sehr lebensecht sind.

Mit wenig schönen Begleitumständen, oder eher Auslösern für diese Wanderung zu sich selbst, beginnt auch das Buch, und das ist mit mein größter Kritikpunkt, denn Winters lässt sich recht plastisch und unnötig ausführlich (nicht nur) für meinen Geschmack über die ungesunde Beziehung zu einem Mann aus, dessen sexuelle Vorlieben eher unappetitlich waren. Sie braucht lange, um die Kraft zu finden, diesen Mann zu verlassen, und ich kann nur vermuten, dass sie dies deswegen an den Anfang gestellt hat, weil es in so starkem Kontrast zu der selbstbewussten Person steht, die man am Ende des Buches kennen gelernt hat.
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Nigel Slater – Halbe Portion

Nigel Slater gehört zu den wohl bekanntesten (Fernseh-) Köchen Englands, und schreibt auch regelmäßig für den Observer. Aus einer Kolumne für das Blatt entstand die Idee zu einer Art Autobiografie, die im Englischen Original den Titel Toast: The Story of A Boy’s Hunger trägt.

Warum daraus im Deutschen

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Nigel Slater: Halbe Portion
Wie ich lernte, die englische Küche zu lieben

wurde, ist mir jedoch ein Rätsel.

Die halbe Portion spielt wohl auf den halbwüchsigen Nigel an, um den es hier geht, die englische Küche allerdings liebte Nigel auch schon als Kind, entgegen aller Widrigkeiten.

Mit Toast, und zwar schwarz angebranntem, beginnt das Buch – prototypisch für die Küche seiner Mutter, die, glaubt man Slater, nicht nur nicht kochen konnte, sondern dies auch extrem ungern tat. In vignettenhaften Abschnitten, die sich als Reihe in einer Zeitung bestimmt gut gemacht hätten, lässt sich Slater über seine kindlichen Vorlieben für bestimmte Süßigkeiten, über Traditionen wie (steinharten) Christmas Cake, englisches Schulessen, seine Abneigung gegen Milch, und die Wichtigkeit des auf eine Grapefruit gepiekten Käseigels aus. Die einzelnen Texte sind dabei durchaus vergnüglich zu lesen, und erzählen die Geschichte einer Kindheit in der gehobenen Mittelklasse Englands, geprägt von dem langsamen Dahinsiechen der asthmakranken Mutter – ein Faktor, der Klein-Nigel ganz offensichtlich entging; einem eher abwesenden Vater, der die normalen Rollenklischees der Zeit erfüllte, und einer distanzierten Stiefmutter, die immerhin kochen konnte. Höchst selten tauchen andere Personen (wie Slaters Brüder) auf, und der Rahmen der Erzählungen reicht von Nigel im Alter von 8 oder 9 bis zu seinen ersten (hetero-) sexuellen Erfahrungen in der Kochlehre.

Das ganze liest sich nett und locker, bleibt aber dem Titel treu: es ist irgendwie nur eine halbe Portion; Slater, der von sich selbst sagt er sei sehr introvertiert, muss sich fragen lassen, warum er dann eine Autobiografie schreibt, denn wirklich Persönliches taucht darin nicht auf.

Immer dann, wenn man denkt, jetzt könne es interessant werden, gar tiefgründig, kommt ein neuer Abschnitt, in dem das zuvor gesagte nicht weiter thematisiert wird, sondern statt dessen über ein anderes typisches britisches Nahrungsmittel oder Süßigkeiten der Ära berichtet wird. Zwar zieht sich ein chronologischer Faden durch die Geschichte, aber das war’s auch schon. Das Buch taugt weder als kulinarische Erinnerungsreise durch die britische Küche noch als persönliche Erzählung eines prägenden Lebensabschnittes – über die humoresken Einlagen der einzelnen Kapitel hinaus fand ich es wenig bemerkenswert und streckenweise ziemlich langweilig.

Summa summarum: wohl nur für echte Fans zu empfehlen.

Bewertung: ★★½☆☆ 

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Jutta Speidel & Bruno Maccallini – Wir haben gar kein Auto

Vom Cover dieses Buches, auf welchem die Schauspielerin Jutta Speidel ganz groß, ihr Lebensgefährte typografisch angepasst ein klein wenig kleiner als Autor auftaucht, prangt einem die goldblonde Bajuwarin mit dem radbehelmten Italiener vor einem Alpenpanorama entgegen.

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Jutta Speidel & Bruno Maccallini – Wir haben gar kein Auto… – Mit dem Rad über die Alpen

Vielleicht befremdet das ein wenig, ist doch in Deutschland Signore Maccallini vielen immer noch durch seinen Satz mit dem Auto in einer Kaffeewerbung erinnerlich, aber in gewisser Weise ist die Aufteilung treffend.

„Über die Alpen“ wollen sie also mit dem Radl fahren, mal eben so – das ist ein wenig schönfärberisch, von „über“ kann nämlich keine Rede sein. Aber gut, Bill Bryson – dessen Reiseerzählungen ich sehr schätze – redet ja auch von einem Walk in the Woods, wo er eine ausgewachsene Expedition auf dem Appalachian Trail meint..

Speidel und Maccalini wollen die Via Claudia Augusta befahren, die sich auf einer alten Römerstrasse durch die Alpen windet und am Reschenpass gen Italien absinkt. Von Bayern, ihrer Heimat, nach Italien, in seine Heimat – durch lauschige Wiesen, niedliche Bergdörfchen, mit Brotzeiten auf Almen und Verweilen unter schattigen Bäumen… alles könnte wunderschön sein, nur gehen ihre Vorstellungen vom gemeinsamen Trip doch etwas auseinander.
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William Shatner – Up Till Now (Hörbuch)

Bislang habe ich gute Erfahrungen mit Hörbüchern gemacht, die von ihren Autoren gesprochen wurden; allerdings sind das dann im Normalfall Medienprofis (etwa Hape Kerkeling oder Susanne Fröhlich); und so überrascht es nicht, dass auch in diesem Fall, in dem ein professioneller Bühnen-, Film- und TV-Schauspieler mit Jahrzehnten Erfahrung sein Werk einspricht, das Ganze akustisch schon mal perfekt in Szene gesetzt ist.

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William Shatner: Up Till Now (Autobiografie)
gesprochen von William Shatner

Das Buch:

William Shatner schaut auf ein ereignisreiches Leben zurück. Wer in ihm nur ‚Captain Kirk‘ sieht, wird auch als hart gesottener StarTrek Fan hier eines Besseren belehrt – William Shatner hat die Theater- und Filmlandschaft über 60 Jahre bereist und dabei Fußabdrücke hinterlassen – mal kleine, mal grosse, mal tiefe, mal fast vergessene.

Mit viel Witz, aber auch durchaus Bescheidenheit und einer ihm gut stehenden Demut blickt er zurück auf sein bewegtes Leben, berichtet von seiner Kindheit im kanadischen Montreal, seiner aufblühenden Leidenschaft für’s Theater und ersten Auftritten in Toronto und New York, dann ersten Rollenangeboten in großen Hollywoodproduktionen, die ihm zwar Respekt, aber kein Geld einbrachten, dem Kampf eines aufstrebenden Schauspielers darum, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, aber auch von seiner Arbeit am heute berühmten und hoch erfolgreichen Shakespeare-Festival in Stratford, Ontario. Wunderbar ist zum Beispiel zu lesen wie Yul Brynner ihm in den Hintern trat. Dabei sieht er im Rückblick auch ein, dass er oft übermäßig selbstbezogen war und Fehler gemacht hat, und warum seine Ehen nicht unbedingt immer von Erfolg gekrönt waren.

Natürlich kommt auch die Rolle des James Tiberius Kirk zur Sprache, wie diese sein Leben veränderte und wie und warum Star Trek die Welt verändert hat (es gibt eine wunderbare Doku mit Shatner unter dem Titel How William Shatner changed the world, die sich mit den Auswirkungen von StarTrek auf die heutige Technologie befasst). Er versucht die Animositäten zwischen ihm und den anderen Mitgliedern der StarTrek Crew zu verstehen, wenn ihm das auch nicht immer gelingt, und erzählt von den Auseinandersetzungen mit Leonard Nimoy, mit dem ihn heute eine tiefe Freundschaft und auch viel Zusammenarbeit an anderen Dingen verbindet.
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