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Michael Scharang – Das Jüngste Gericht des Michelangelo Spatz

Ein recht weltfremder Österreicher reist unter – wie wir alsbald erfahren – ziemlich verqueren Umständen von Wien nach New York, um dort einen kranken Hund zu hüten, während seine langjährige Liebe, die eigentlich den Hund pflegen sollte, etwas Wichtiges in Wien zu erledigen hat. Unser Held sieht alles mit ganz eigenem Blick, die Straßen sprechen zu ihm ebenso wie Ruinen oder Schiffe, die unbelebten Dinge spiegeln sein kindliches Erstaunen über die völlige Fremdartigkeit einer Stadt, die sowohl gerade gebaut wird wie auch gerade zerfällt.

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Michael Scharang: Das Jüngste Gericht des Michelangelo Spatz

In gewundenen, oft elaborierten, dennoch glasklar durchgedachten grammatikalischen Konstruktionen lässt uns Scharang teilhaben an den Erfahrungen seines Protagonisten, der noch nie einen Fernseher besaß und nun das Fernsehen voll auskostet, in der Erkenntnis, dass 60 Programme für jedermann ein Menschenrecht sein sollten, damit man wenigstens 1 Stunde am Tag minütlich zappend fernsehen könne.

Wir treffen einen Taxifahrer, der den Österreicher für einen Ägypter hält, alte Schulfreunde, und wandern in den Gedanken des Helden in dessen wahre und imaginierte Vergangenheit. Seiten füllt Scharang mit Konjunktiven, mit Hätte-Wäre-Wenn-Geschichten, ebenso viele mit geistigen Ausflügen in die Thesen von Gut und Böse, von Zerfall und Dahinscheiden, in komplizierte Diskussionen die der Schreiber und Denker mit einer „Brotarbeit“ nicht nur für sich, sondern vor allem gegen den Koloman Spatz, den Gatten seiner Verehrten, entwickelt, sich im Vergleich, im Kontrastieren mit Spatzens Thesen erst etabliert.

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