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Alex Jahnke & Marcus Rauchfuß – Steampunk (kurz und geek)

steampunk

Steampunk – kurz & geek

Wenn Alex „Clockworker“ Jahnke und Marcus „Daily Steampunk“ Rauchfuß zusammen ein Buch schreiben, dann ist das Thema eigentlich nahe liegend: Steampunk.

Aber was genau ist Steampunk eigentlich, wie definiert man das, worin unterscheidet es sich von anderen Genres? Was macht diesen „Trend“ (ich setze das mal ganz bewußt in Anführungszeichen) so trendig, was grenzt ihn von Scifi, historischen Reenactern und anderen Retro-Spinnern ab? Wo liegt der Reiz, was macht Steampunk so besonders und interessant?

Diesen Fragen widmen sich die Autoren mit einem locker-flockigen Abriss über die Historie des Steampunk und die Vielfalt seiner Quellen und Inspirationen, von Jules Verne (und warum der dennoch keinen Steampunk schrieb) über William Gibson bis zu der Hackerspace-Bewegung.

Ein angenehm „unmodernes“ Verständnis von Höflichkeit, eine Vorliebe für (andere) Ästhetik im Design und der Spaß daran, Dinge selbst zu erschaffen, sind ebenso wichtige Elemente der Bewegung. Und Steampunk muss, auch das lernt der Leser, keineswegs eine Kreuzung aus victorianischem Habitus und Science-Fiction darstellen – längst etablieren sich andere Formen von historisch-kulturellen Mash-Ups, wie Dieselpunk, Atompunk und andere neue Subkulturen.
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David Roberts – Finding Everett Ruess

Finding Everett Ruess by David Roberts, with a foreword by Jon Krakauer, is the definitive biography of the artist, writer, and eloquent celebrator of the wilderness whose bold solo explorations of the American West and mysterious disappearance in the Utah desert at age 20 have earned him a large and devoted cult following. More than 75 years after his vanishing, Ruess stirs the kinds of passion and speculation accorded such legendary doomed American adventurers as Into the Wild’s Chris McCandless and Amelia Earhart.

lautet die Kurzbeschreibung bei Amazon.de zu

everettruess

Finding Everett Ruess: The Life and Unsolved Disappearance of a Legendary Wilderness Explorer

Nach Jon Krakauers Into the Wild, das ich sehr mochte, war ich gespannt auf dieses Buch, welches einen „Explorer“ und Künstler gleichermaßen darstellen sollte. Everett Ruess (der hier verlinkte Wikipedia-Artikel fasst recht gut zusammen was über ihn bekannt ist) begab sich als Teenager auf immer längere Touren durch die Wildnis der USA, bis er schließlich im Alter von ungefähr 20 irgendwo in den Wüstenlandschaften von Utah verschwand.

David Roberts hat versucht, aus den Materialien, die Ruess hinterliess, eine Biographie zu erstellen – kein ganz leichtes Unterfangen, denn gut 70 Jahre nach dem Verschwinden eines jungen Mannes noch Zeitzeugen zu finden, ist nahezu unmöglich. So stützt sich Roberts vor allem auf die Briefe und Tagebücher, die der Familie Ruess von Everett geblieben sind, und die Arbeit anderer Ruess-Enthusiasten, wie Everett Ruess: A Vagabond for Beauty.

Man merkt, dass sich der Autor tief in sein Recherchethema eingearbeitet hat. Tatsächlich fand ein Großteil davon in Zusammenarbeit mit National Geographic statt, die Roberts für diesen Artikel über Everett Ruess bezahlten. Und beim Lesen des Buches wünschte ich mir, er hätte es bei diesem Artikel belassen, denn im Gegensatz zum Buch ist dieser gestrafft, und halbwegs spannend geschrieben.
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Kathy Reichs – Devil Bones

Der 11. Roman der Temperance-Brennan-Reihe

Devil Bones beginnt mit einem an Dramatik kaum zu überbietenden Auftakt – Brennan sitzt in einem Meeting eines bürokratischen Ausschusses der Universität von North Carolina, und denkt darüber nach, dass sie bald sterben wird – und der Leser zuckt innerlich zusammen. Moment, Bones? Ist sie tödlich erkrankt? Woher weiß sie davon, und warum um Himmels willen sitzt sie dann da statt… doch das Ganze entpuppt sich als billiger Köder. Dr. Brennan ist einfach nur langweilig, und sie glaubt, dass sie vor Langeweile in dieser Sitzung sterben wird – ein Schicksal, das sich allerdings nicht einstellt.

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Kathy Reichs: Devil Bones

Vielleicht liegt es an der Location, denn ich bin – mit Ausnahme von Fatal Voyage – mit den Carolina-Romanen von Reichs nie so glücklich gewesen wie mit den Abenteuern aus Montreal, und das setzt sich in diesem Roman fort.

Temperance erhält die Aufgabe, sich Knochen aus einem Kessel anzusehen, der in einem Haus zufällig von Handwerkern gefunden wurde – an einem Platz, der als schamanistischer Tempel, Voodoo-Kultstätte oder auch Altar von Satanisten durchgehen könnte. Brennan kann mit ihren Kenntnissen der unterschiedlichen Voodoo-Kulturen der Karibik und ihrer feinen Unterscheidungsmerkmale glänzen. Ein Politiker macht massiv Propaganda gegen alles Nichtchristliche, Unverstandene als „böse kindermordende Satanisten“, und bekommt dafür reichlich Publicity, und noch mehr Knochen aus möglicherweise kultischen Zusammenhängen tauchen auf.

Das alles ist für den Anfang erst mal gar nicht übel und hat ein wenig das alte Brennan-Flair, denn die Wissenschaftlerin kann nicht nur mit forensischer Methodik, sondern auch mit solider Anthropologie punkten.

Tochter Kathy nimmt derweil Mums Schicksal in die Hand und versucht, Tempé mit ihrem derzeitigen Boss zu verkuppeln – was sie nicht weiss ist, dass der Auserwählte eine Flamme aus Tempés Highschoolzeiten ist, mit dem Brennan prompt in einem Alkoholexzess im Bett landet. Dazwischen taucht auch Andrew Ryan auf, den Temperance zwar noch liebt, dem sie aber nicht mehr vertraut, und der seinerseits eingesehen hat, dass sein Versuch, sich mit seiner Ex zu versöhnen um seiner drogensüchtigen Tochter zu helfen, falsch war.
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Kathy Reichs – Bones to Ashes

Der 10. Roman der Temperance-Brennan-Reihe

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Kathy Reichs: Bones to Ashes

Im zehnten Abenteuer mit der forensischen Expertin Temperance Brennan dreht sich alles um eine Freundin aus Tempés Kindheit, Evangeline, und deren Schwester Obeline, die eines Tages unerklärlicherweise aus der Stadt verschwinden. Zu Beginn erzählt Brennan von dieser Freundschaft und dem Verschwinden, und somit ist klar dass dieses Thema eine Rolle spielen wird.

In der Jetztzeit steckt Tempé bis über beide Ohren in Arbeit, und zu allem Überfluss packt Pierre LaManche, ihr kanadischer Chef, ihr noch einen weiteren Stapel Fälle auf den Tisch. Einer der Körper die sie untersucht ist die Leiche einer Frau, die auf dem Grund eines Sees gefunden wurde. Und auch ein „cold case“ Ermittler namens Hippo hat Arbeit für Tempé. Und die Spuren führen zu Evangeline – oder vielmehr, einem Skelett das das ihrer alten Freundin sein könnte…

Bones to Ashes ist ein sehr durchwachsenes Buch. Es ist auf jeden Fall sehr viel besser gelungen als das unsägliche Cross Bones, aber noch immer werde ich das Gefühl nicht los, dass hier nicht Kathy Reichs schreibt, oder sie nur kleine Teile beigesteuert hat.

Da wäre zum einen die Sprache – die elaborierte Prosa der ersten sechs Bände aus Reichs Feder weicht hier ein weiteres Mal kurzen, abgehackten Sätzen, die Dialoge könnten aus dem Satzbaukasten der Grundschule stammen. Aber auch auf der wissenschaftlichen Seite hakt es – einerseits bringt Reichs eine Menge forensischer Technologie unter und das macht das Buch ebenso lesenswert wie ihre Exkurse in die Kultur der Acadians, andererseits werden Banalitäten beschrieben, die den Text zu einer zähen Masse werden lassen. Ist es wirklich nötig, einen Windows-Bildschirm zu beschreiben? Muss man in einem forensischen Thriller noch ausgedehnt erklären was ein alphanumerisches Passwort ist? Das ist weit am Niveau des Lesers wie der Figuren vorbei.

Völlig absurd und off-char wird es, wenn Andrew Ryan dann Tempé Technisches erklärt (nämlich wie Caller-ID funktioniert) – und überhaupt: Andrew Ryan. Nicht genug damit dass Reichs im vorangegangenen Roman Ryan urplötzlich und deus-ex-machina eine die Beziehung komplizierende Teenager-Tochter aus der Karibik beschert, nein dieser Faden zieht sich in einem völlig an den Haaren herbeigezogenen und nicht im mindesten zu Ryan (und Brennan) passenden Plot in diesen Roman durch, und gipfelt darin, dass Ryan nach mehr als 15 Jahren mit seiner Ex zusammenzieht und Tempé (und den Rahmen der Glaubwürdigkeit) verlässt.
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Kathy Reichs – Cross Bones

Der 8. Roman der Temperance-Brennan-Reihe

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Kathy Reichs: Cross Bones

In Cross Bones schickt Beststeller-Autorin Kathy Reichs ihre Protagonistin auf ein Abenteuer, das – gelinde gesagt – mehr an Indiana Jones und den Da Vinci Code erinnert, als an einen der Romane, die Temperance Brennan und ihre Erschafferin so berühmt gemacht haben.

Tempé begibt sich auf eine Art archäologische Schnitzeljagd – zunächst ausgelöst von der Ermordung eines ultraorthodoxen jüdischen Kaufmanns in Montreal, die sich aber alsbald um Probleme mit alten Freunden aus der Archäologie und neuen Feinden aus der religiösen Rechten Israels ergänzt.

Worum es geht ist bereits beim Titel, spätestens aber nach den ersten paar Kapiteln klar – um mögliche Knochen des Nazareners, illegalen Antiquitäten- und Reliquienhandel, Politik, Terrorismus, Muslime vs. Christen, und am Ende auch noch um ein bisschen Sex mit Andrew Ryan.

Das klingt so gar nicht nach Kathy Reichs? Richtig. Genau das Gefühl hatte ich beim Lesen auch. Die Autorin schreibt im umfangreichen Nachwort über ihre Nachforschungen in Israel vor Ort, und wie intensiv ihr das Thema doch am Herzen liege, aber bei der Lektüre stellen sich ganz andere Assoziationen ein. Kathy Reichs – Cross Bones weiterlesen

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Kathy Reichs – Fatal Voyage (Audiobook, unabridged)

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Kathy Reichs: Fatal Voyage
Complete & unabridged, read by Kate Harper

Das Buch:

Fatal Voyage
ist der vierte Roman von Kathy Reichs, dessen Hauptfigur die halb in Quebec, halb in North Carolina arbeitende forensische Anthropologin Temperance „Tempé“ Brennan ist.

Knapp ein Jahr ist seit den Vorfällen aus Deadly Decisions vergangen. Noch während sie unterwegs ist, wird die Wissenschaftlerin zu einem grausigen Fall gerufen: ein Flugzeug mit fast 100 Menschen an Bord ist mitten in den Wäldern Nordamerikas, in den Great Smoky Mountains, abgestürzt. Brennan soll, ehe die Spezialisten eintreffen, schon einmal die Lage sichten, ist sie doch Mitglied des entsprechenden Teams von spezialisierten Rettungskräften, das in so einem Fall die Lage analysiert – von DMORT.
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Manfred Reitz – Alltag im alten Ägypten

Das alte Ägypten – eine der ersten Hochkulturen der Menschheit – ist uns vor allem durch seine Totenbauten wie die Pyramiden oder die großartigen Kunst- und Goldschätze präsent, die wir aus Museen, Ausstellungen und Abenteuerfilmen kennen. Aber wie sah der Alltag eines Ägypters vor mehr als 3000 Jahren aus? Was aßen und tranken die Menschen, wie sahen ihre Wohnungen aus, was brachte ihre Gesellschaft zum Pulsieren?

Am Leben der Menschen und ihrer Alltagskultur – von der Arbeit auf den Feldern, über das Handwerk, die Staatsorganisation (eine zentrale straffe Bürokratie voller titelsüchtiger Beamter) und die Familie bis zu Wirtschaft und Handel in einem Staatswesen das kein Geld kannte – lässt uns

alltagegypt

Alltag im Alten Ägypten

teilhaben.

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Edward M. Hallowell & John Ratey – Zwanghaft zerstreut

Der Untertitel dieses (mittlerweile) Standardwerks zum Thema ADD/ADHS lautet: „oder die Unfähigkeit, aufmerksam zu sein.“

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Edward M. Hallowell – Zwanghaft zerstreut

Driven To Distraction, also sinngemäss, zur Ablenkung getrieben, heisst dieses Buch im Original, was ich als passender empfinde als den psychologisch doch recht besetzten Terminus zwanghaft. Zerstreut kling nach fahrigem alten Professor, nicht jedoch nach der Lebensrealität der meisten ADDler.

Hallowell, das vielleicht vorweg, ist Kinderpsychiater und leidet selbst an einer Aufmerksamkeitsstörung. Für die Allgemeinheit, und das betrifft Therapeuten ebenso wie Betroffene oder deren Eltern, fasst er auf 444 Seiten kompakt zusammen, was ADD ist, wie man es diagnostiziert, welche Probleme es im Lebensalltag bereiten kann, und wie man es behandeln kann, so daß Betroffenen ihr Leben etwas leichter gemacht wird.

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