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Felicity Lawrence – Not on the label

Felicity Lawrence ist Mitarbeiterin des Guardian und, man möchte fast sagen, Journalistin alter Schule, eine die mit offenen Augen und Ohren ihre Themen recherchiert und auch nicht vor Gegenwind zurückschreckt. Ihr Buch

notonthelabel

Not On the Label:
What Really Goes into the Food on Your Plate

erschien bereits 2004; dem Thema Essen und food politics widmet sie sich seit rund 20 Jahren. Das Buch basiert zum Teil auf Feature-Artikeln, die sie für den Guardian geschrieben hat. Obwohl deswegen ein Teil der Daten darin heute veraltet ist, wirft es dennoch einen erschreckend aktuellen Blick auf die vor allem britische Welt der Nahrungsmittel in Supermärkten; man kann aber davon ausgehen dass das meiste davon heute 1:1 auch auf den Rest Europas übertragbar ist.

Das erste Kapitel, „Chicken“, widmet sich der Massenproduktion von Geflügel – von den (un-) hygienischen Bedingungen ihrer Schlachtung, über das grenzenlose Verschieben von Hühnerteilen und deren Verfallsdatum quer durch die EU, bis hin zum Aufbessern des Verkaufsgewichtes mittels „hydrolisierten Proteinen‘, die auch schon mal vom Schwein (100 % halal) oder dem Hirn eines BSE-Rindes kommen können. Spätestens hier und bei der Zutatenliste eines bekannten Fastfood-Geflügelbestsellers könnte man als Leser beschliessen, nie mehr im Leben irgendetwas mit Huhn in der Systemgastronomie zu essen.

In diesem Kapitel legt Lawrence bereits deutliche Hinweise auf den Schwerpunkt des Buches aus – zwar geht es ihr auch um die organisierte Lebensmittelpanscherei in der industriellen Produktion von Nahrung; vor allem aber will sie aufzeigen, dass das ‚System‘ Supermarkt mit seinem Preisdruck, der Verlagerung von Lagerflächen auf die Strasse, und der abartigen Erpressung der Erzeuger Schuld daran ist, dass wir nicht preisgünstigere, sondern im Wortsinne billigere Lebensmittel zu hohen Kosten auf anderen Gebieten vorgesetzt bekommen.

So dreht sich das Kapitel ‚Salad‘ auch nur vordergründig um gewaschene Blätter in gasgefüllten Beuteln, die das ach so gesunde Grün ebenso frisch halten wie sie ihm jeglichen Nährwert nehmen. Schnell kommt sie auf ein Thema, das sich durch das ganze Buch wie ein roter Faden zieht: die Ausbeutung, ja sklavenähnliche Haltung von Farmarbeitern – in England pakistanische oder auch EU-interne Migranten, die von Ganglords unter menschenunwürdigen Bedingungen ausgebeutet werden; in den Plastikgewächshaus-Monokulturen Spaniens dann Algerier und Marokkaner, die wie Vieh in winzigen Kaschemmen leben. Sklaverei existiert – mitten unter uns, in den reichsten Nationen der Welt – damit wir billigen gewaschenen Salat im Supermarkt vorfinden? Etwas läuft hier grundlegend falsch.
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