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Adrienne Hall – A Journey North

Im Jahr 1997 – also vor rund 20 Jahren – lief Adrienne Hall den Appalachian Trail, und im Jahr 2000 erschien dieses Buch darüber.

Der volle Titel:

A Journey North: One Woman’s Story of Hiking the Appalachian Trail

ist allerdings gleich in zweifacher Hinsicht irreführend.

Zum einen wandert Hall den Trail nicht allein, sondern mit ihrem langjährigen Partner und späteren Ehemann, was eine vollkommen andere Dynamik ergibt. Bei „One Woman“ erwarten viele Leser, mich eingeschlossen, dass hier ein Solo-Hike beschrieben wird, einschließlich der Erfahrungen, die eine Frau allein eben auf so einem an die Grenzen gehenden Trip macht.

Aber auch ein Wanderbericht eines Paares kann durchaus erhellend sein – und da greift die zweite Enttäuschung. Denn das Buch, so interessant es auch in anderer Hinsicht ist, ist nur sehr am Rande eine Wanderbeschreibung.

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Melissa Hershberg – The Rebel Diet

Diät- und Ernährungsratgeber, das gebe ich ganz offen zu, lese ich mittlerweile mit einer gewissen morbiden Faszination. Ansätze, die aus dem Gewohnten ausbrechen, sind da sehr willkommen, und genau das versprach

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The Rebel Diet: Break the Rules, Lose the Weight

zu sein.

Melissa Hershberg ist Medizinerin aus Toronto, die sich auch im Umgang mit Patienten mit dem Abnehmen befaßt. The Rebel Diet verspricht – wie derzeit so gut wie alle Diätbücher – dass diese aber nun eigentlich gar keine Diät sei, sondern eine Anti-Diät – völlig im Gegensatz zu all den sinnlosen Diätbüchern die es bereits gibt. Ein leises janeeisklar macht sich in meinem Hinterkopf breit – deswegen steht ja auch Diet auf dem Titel, nicht wahr?

Faktencheck: 95% aller Diäten scheitern langfristig. d.h. über einen Zeitraum von 5 Jahren hinweg betrachtet – das hat mehr metabolische als soziale oder Willensgründe. Also, so der Schluß, muss man was anders machen als bisher.

Die Regeln des Diäthaltens will sie brechen, und so führt sie die Regeln auch gleich selbst an: Melissa Hershberg – The Rebel Diet weiterlesen

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Lynne Heitman – The Pandora Key

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Lynne Heitman – The Pandora Key

Der Schlüssel den Pandora – so ein Titel macht neugierig. Ich weiß nicht mehr, wie The Pandora Key auf meinen Lesestapel kam, aber von der ersten Seite faszinierte mich der Roman.

Alles beginnt damit, dass Privat Eye Alex Shanahan, Ich-Erzähler des Buches — nein, halt. Alles beginnt mit einem seltsam zusammenhanglos erzählt erscheinenden Ereignis, einer Person, Mann oder Frau, die gezwungen ist, gegen ihren Willen an Bord eines Flugzeuges jemanden zu erschießen, während Terroristen das Flugzeug besetzt haben. – Bis heute ist mir nicht klar, ob sich diese Szene auf die Handlung im Buch bezieht (was durchaus denkbar ist und passen könnte), oder aber ein Hinweis auf die (Vor-) Geschichte der Hauptfigur ist, denn wie ich später feststellte, handelt es sich hier um den 4. Band einer Serie.

Wie überhaupt manche Dinge sich quälend langsam für mich als Neueinsteiger in die Welt von Alex Shanahan erschlossen – ich brauchte fast 1/3 des Buches, um herauszubekommen, dass der toughe Privatdetektiv, der sich in Hosen, Windjacke, Halbschuhe kleidet, eine Frau ist. Das mag offensichtlich sein, wenn man die anderen Romane kennt, aber ausgerechnet Shanahan, die Ich-Erzählerin, bleibt ein Rätsel.

Ein Rätsel, oder vielmehr eine Verkettung von Rätseln, ist auch der Fall, mit welchem sie es zu tun bekommt. Aus heiterem Himmel taucht Rachel Ruffiero, die Ex-Ehefrau ihres Geschäftspartners (und Pfleglings) Harvey Baltimore auf, und schickt Alex auf einen fragwürdigen Auftrag, während sich Rachel mit augenscheinlich unlauteren Absichten an Harvey wieder heranmacht. Und als Alex von ihrem sinnlosen Ausflug zurück kehrt, der ihr nichts anderes verraten hat als dass Rachel eine manipulative Lügnerin erster Güte ist (was sie vorher schon wusste), findet sie das Haus leer, jedenfalls zunächst. Harvey, der kaum aus seinem Rollstuhl aufstehen konnte, ist verschwunden, ebenso Rachel.

Stattdessen stehen plötzlich zwei bewaffnete FBI-Agenten vor ihr und erzählen ihr eine Geschichte über verschwundenes Geld, Betrüge in Millionenhöhe bei Rachels ehemaligem Arbeitgeber, und wollen wissen, wie Harvey in die Sachen verstrickt ist – während alles was Alex will ist, Harvey zu finden und aus der Bredouille zu retten, in welcher er ihrer Meinung nach steckt.

Ganz unrecht hat sie damit nicht; mit der Hilfe von Freunden findet und befreit sie Harvey aus der Gewalt von Entführern, die sich als Aussenstelle der ukrainischen Mafia entpuppen…

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Chris Heath – Robbie Williams – Feel

Ob man Chris Heath’s Werk

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Robbie Williams – Feel

wirklich als Biographie im klassischen Sinne verstehen kann, ist sicher diskutabel. Über einen Zeitraum von mehreren Monaten, die sich zu beinahe zwei Jahren auswachsen, hat Reporter Chris Heath – zunächst nur für einen Magazinartikel recherchierend – Robbie Williams durch dessen Leben begleitet, sozusagen als embedded paparazzo.

Dabei ist ein durchaus interessantes Portrait entstanden, das den britischen Popstar von schrillen wie von ungewohnt ruhigen und nachdenklichen Seiten zeigt.

Robbie Williams, stellt man in diesem Buch fest, ist – nicht besonders überraschend – nicht (nur) der bad boy wie ihn besonders die britische Boulevardpresse gern darstellt. Klar, er hat Drogenexzesse hinter sich, hat sich in jungen Jahren mit Ecstasy Teile seiner Gehirnchemie gegrillt, ist depressiv, offensichtlich hyperaktiv, mittlerweile trockener Alki, und alles in allem eine seltsame Mischung aus einem besessenen Perfektionisten und einem grossen schlecht erzogenen Kind – aber erklärt das die Person Robbie Williams?
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David Hunt – The Magician’s Tale

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David Hunt: The Magician’s Tale

Die Hauptfigur dieses Romans, Kay Farrow, wirkt auf den ersten Blick ganz anders als die typische US-Krimi-Heldin, sie ist weder Privatdetektivin noch Ex-Polizistin, auch keine Anwältin, sondern Fotografin in San Francisco. Und sie ist nicht einfach nur Fotografin, sie ist ausserdem farbenblind – sie leidet an einem seltenen Gendefekt, Achromatopsie, der dazu führt dass sie die Umgebung nur in schwarz-weiss sieht. Das gibt ihr einen ganz besonderen Blickwinkel auf die Welt von Licht und Schatten, gut und böse, und da sie ausserdem photophob ist, scheint die Nacht ihr naturgegebenes Territorium zu sein.

Des Nachts zieht sie mit der Kamera um den Hals los, und fotografiert männliche Prostituierte, um die besondere Szene des käuflichen Sex einzufangen, eins ihrer liebsten Fotoobjekte ist Tim, der den Strassennamen „Rain“ trägt. Doch eines Abends taucht Tim nicht am vereinbarten Treffpunkt auf, kurz nachdem er sie aufgeregt am Telefon um ein Treffen gebeten hatte, und wenig später finden Cops Teile seiner Leiche in einem Müllcontainer.

Kay dachte, sie hätte eine besondere Beziehung zu Tim, für den sie schwärmte, der für sie ein gottgleiches Abbild männlicher Schönheit darstellte, doch bald findet sie heraus, dass sie eigentlich gar nichts über Timothy Lovesey wusste.
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John Hart – Down River

Für seinen Roman

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Down River

hat John Hart den Edgar Award der Mystery Writers of America erhalten.

Fünf Jahre ist es her, seit Adam Chase die Farm seines Vaters und Rowan County, North Carolina, verliess. Fünf Jahre sind vergangen, seit er seiner Familie, seinen Freunden und der Frau die er liebte, den Rücken kehrte, fünf Jahre, seit ihn sein eigener Vater rausgeworfen hatte. Denn in Rowan County glauben alle, Adam sei ein Mörder. Dass er freigesprochen wurde, interessiert nicht – seine Stiefmutter hat einen Täter gesehen, der seiner Beschreibung entspricht, und genau das sagt sie vor Gericht auch aus, an seiner Kleidung haftete das Blut des Opfers – ein klarer Fall.

Eigentlich hat Adam keinen Grund zurückzukehren, doch sein bester Freund aus Kinderzeiten bittet ihn um Hilfe. Und knapp drei Wochen, nachdem er dieses Ansinnen abgelehnt hat, besteigt Adam doch schweren Herzens ein Auto und fährt heim – nur um wenig später vom Vater seines besten Freundes und zwei anderen krankenhausreif geprügelt zu werden.

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Joe Haldeman – The Accidental Time Machine

Joe Haldeman gehört seit The Forever War (deutsch: Der ewige Krieg) zu den bekannten Namen in der Science Fiction, und erhielt sowohl Hugo- als auch Nebula Awards.

2007 legte er einen neuen Roman mit dem Titel

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The Accidental Time Machine

vor.

Das Buch war der Lesevorschlag für den August bei Reading With Becky, SciFi mag ich ohnehin gern – so kam ich dazu, tatsächlich einmal Science Fiction zu lesen, die nicht schon 20 oder mehr Jahre auf dem Buckel hat.

Hauptfigur des Romans ist Matt, studierter Physiker am MIT, der seit 4 Jahren einen Assistentenjob hat und an seiner Dissertation wurstelt. Der Winter in Boston ist nasskalt, und er arbeitet zu viel. Spät abends vor dem Wochenende bastelt er an einem Kalibrator, einem Gerät das „genau ein Photon per Chronon“ emittieren soll, wenn man auf das Knöpfchen drückt. Doch stattdessen verschwindet das Gerät. – Und ist eine Sekunde später wieder da.
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Axel Hacke, Michael Sowa – Der weisse Neger Wumbaba

Wohl jeder kennt den Effekt, dass man ein Lied mitsingt und einen Liedtext nur so ungefähr verstanden hat, oder auch einfach verkehrt… oft entstehen daraus erheiternde Phantasiegebilde, die lyrischer sind als das Original, kleine Vignetten und sprachliche Kostbarkeiten.

Der weiten Welt des Verhörens (nicht im Sinne von Verhör) widmet sich SZ-Kolumnist Axel Hacke in

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Axel Hacke, Michael Sowa – Der weisse Neger Wumbaba

und Michael Sowa hat dazu (wieder einmal) wunderbare Zeichnungen beigesteuert, die einen unwillkürlich schmunzeln lassen und wie so oft die Absurdität der Texte wunderbar in Szene setzen.

Dieses Buch lässt sich in einer Rezension nur schwer fassen – zitieren wir mal Amazon.de:

In seiner Kolumne Das beste aus meinem Leben für die Süddeutsche Zeitung erwähnte Hacke einmal einige schöne Exempel für die Freudschen Fehler des Gehörs — mit der Folge, dass ihn immer neue Zuschriften seiner Leser ereilten, darunter die wirklich überzeugende Umdichtung des Evergreens Der Mond ist aufgegangen von Matthias Claudius, dessen vertonte Gedichtzeilen „und aus den Wiesen steiget / der weiße Nebel wunderbar“ das Gehirn eines Musikenthusiasten folgendermaßen verwandelte: „und aus den Wiesen steiget / der weiße Neger Wumbaba“. Dieses ungleich größere Zitat ziert nun als Titel ein Buch, die Hackes Originalkolumne sowie seine zahlreichen Nachfolger versammelt. Selbst wenn man sich bei manchen der eingesandten Verhörern etwas ohrenreibend fragt, wie das Hirn derlei phonetisch-semantische Kapriolen zustande bringt, so ist Der weiße Neger Wumbaba doch der beste Beweis für die im Buch aufgestellte These, „dass die besseren Liedtexte in den Köpfen der Hörer entstehen.“

Leider, leider hat dieses kostbare Büchlein voll sprachlicher Merkwürdigkeiten im besten Sinne nur 64 Seiten, die sind aber vollgestopft mit kleinen, wunderbaren Bonmots, die vom sachten Lächeln bis zum laut prustenden Lachen wirklich jegliche Reaktion hervorrufen können. Dank der schönen Bilder von Michael Sowa ist das Werk auch zum Anschauen sehr schön, nur zu meinem Bedauern sind die Erlebnisse mit Erdbeerschorsch oder der Frage, auf welchem Huhn die Beatles ritten (She’s got a chicken to ride) viel zu schnell zu Ende.

Oder, mit der Sesamstrasse gesungen:

»Wer, wie, was?
Wieso, weshalb, warum?
Verdis Pappkarton.«

Eine wunderbar leichtfüssig-lockere Lektüre für Fans sprachlichen Witzes – ich freue mich auf den zweiten Band: Der weiße Neger Wumbaba kehrt zurück.

Toll.

Bewertung: ★★★★★ 

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