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William Gibson – Spook Country

Der 2. Band der Blue-Ant-Trilogie

William Gibson - Spook Country

William Gibson – Spook Country

Nach dem eher mäßig gelungenen Pattern Recognition legte William Gibson 2007 den zweiten Band einer dreiteiligen Romanserie vor, die sich durch den in allen drei Romanen auftauchenden mysteriösen belgischen Magnaten Hubertus Bigend mit seiner eigenartigen Agentur Blue Ant den Namen Blue-Ant-Trilogie erworben hat.

Doch Spook Country kann mich noch weniger fesseln als Pattern Recognition, und das liegt nicht nur an den zunehmend gewundeneren und schwerer zu lesenden Satzkonstrukten des Autors.

Die Handlung wird in drei miteinander verflochtenen Strängen erzählt – der „Haupt“-Handlungsfaden macht uns mit Hollis Henry bekannt, Ex-Sängerin einer Indie-Band namens The Curfew, und ihrem Ringen um eine Identität als freie Autorin, die außerdem ihren Lebensunterhalt sichern soll. Für ein im Entstehen begriffenes Magazin namens Node, das witzigerweise für diesen Gig bezahlt (das ist wohl der phantastische Teil dieses Romans), soll sie einen Artikel über GPS-basierte „locative art“, eine Art GPS-Koordinaten-verankerte Virtual-Reality-Installationen schreiben, und trifft sich zu diesem Zweck in mondänen Designer-Hotels mit einer französischen Vermittlerin und einem der Künstler. Unnötig zu erwähnen, dass fast alle, auf die sie trifft, selbstredend von der Band gehört haben und Fans sind…

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William Gibson – Pattern Recognition

Der 1. Band der Blue-Ant-Trilogie

Pattern Recognition hat es bei io9, dem grossen Scifi-Portal, auf die Liste der Top 20 der ScienceFiction & Fantasy der Dekade geschafft, und so bin ich dann froh, mit William Gibsons Roman doch wenigstens eines dieser Bücher gelesen zu haben. (Autorin Annalee Newitz bezeichnet es als ‚reine‘ Scifi-Liste, aber die Harry-Potter-Bücher gehören für mich definitiv nicht in die SF).

patternrecognition

William Gibson – Pattern Recognition

Gleichzeitig ist das aber auch erstaunlich, denn Pattern Recognition ist eigentlich kein Science-Fiction Roman, eher schon das, was man als Gegenwartsliteratur bezeichnet, für den durchschnittlichen Literatur-Rezensenten vielleicht ein bisschen zu geekig und nerdig, aber im grossen und ganzen ein Roman, der in der Jetztzeit spielt und sich ihrer Mittel, Schauplätze und Marken bedient.

Die Hauptfigur, Cayce Pollard, erinnert auffällig an Marly Kruschkova, und das ist fast das Beste, was man über sie sagen kann. Zu Beginn des Romans ist Cayce, gesprochen Case (wird Gibson hier nicht etwas arg selbstreferentiell, oder gehen ihm die Charakternamen aus?), noch eine Figur die neugierig macht – deren seltsamer Tick, auf viel beworbene Logos und Markennamen allergisch zu reagieren, eigenartig mit ihrer Fähigkeit korrespondiert, Trends zu erkennen – Cayce ist ein hochbezahlter Spezialist, ein ‚cool hunter‘, eine Beraterin in Sachen Top-oder-Flop wenn es um Marketingaktionen geht.

Ihr Spleen, keine Massenwaren zu tragen und nur ‚echte‘ Originale, wahre Designschätze an ihren Körper zu lassen, diese aber bar jeden Logos (Gibson hat anscheinend No Logo aufmerksam gelesen) macht sie fast zu einer Stil-Ikone, macht Laune, sich auf die gleiche Weise dem marktschreierischen Logogedröhne unseres Alltags zu entziehen. Aber Cayce schafft es durch den ganzen Roman nicht, aus einem halb jetlag-bedröhnten, halb soziophoben Beinahe-Komazustand zu so etwas wie richtigem Leben zu erwachen, obwohl die Aufgabe, die sie erwartet, unglaublich faszinierend zu sein scheint. Sie jagt „Footage“.

Das größte Rätsel, das sich dem Leser am Anfang des Buches stellt, ist die Frage, was „footage“ überhaupt ist, und warum Cayce davon so fasziniert ist, warum Menschen auf der ganzen Welt dieser Footage nachjagen und ihren Sinn zu ergründen suchen. „Footage“, stellt sich heraus, sind winzige Videoschnipsel, kinofilmartige Ausrisse aus einem Gesamtwerk oder auch filmische Vignetten, die für sich allein stehen – das ist bei den Fans umstritten – und was die „footage“ umso interessanter macht, ist ihre mysteriöse Herkunft. Leider kann Gibson dem Leser die Faszination der Fans für die Footage nicht vermitteln, denn seine Beschreibung der Videoclips ist nicht minder ausrisshaft. Niemand weiß, wer diese Videos produziert, woher sie kommen, oder auch nur, wie sie ins Web gelangen.
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