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Das Beste oder Nichts. Gottlieb Daimler und die Erfindung des Automobils

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Der Titel dieses Hörbuches (der auf Gottlieb Daimler zurückgeht, und im Jahr 2010 auch von Mercedes-Benz für eine Image-Kampagne wiederentdeckt wurde) klingt eher dröge. Ich mag zwar ganz gern Sachbücher, auch zu historischen und technischen Themen, aber als Hörbuch konnte ich mir das zunächst gar nicht vorstellen.

Der Klappentext bei Amazon:

Die Welt ist still im Deutschland der 1880er Jahre, das Leben langsam. Die Menschen kennen das Geräusch eines laufenden Motors noch nicht, denn er ist noch nicht erfunden; jedenfalls der Motor nicht, der klein und dennoch leistungsstark genug wäre, um Fahrzeuge, Boote oder Luftschiffe anzutreiben. Das Industriezeitalter beginnt gerade erst zu erblühen, die Mühlen des Fortschritts mahlen noch langsam; manchem, der großes vorhat, zu langsam. Gottlieb Daimler ist einer von ihnen. Er ist beseelt von einer Vision, die ihm und seinem Weggefährten Wilhelm Maybach nicht nur realisierbar, sondern gar zwingend notwendig erscheint. Lange Zeit stehen sie mit ihren Plänen jedoch ziemlich alleine da und verzweifelt nicht selten am vermeintlichen Unverstand ihrer Mitmenschen. So bleibt ihnen nur der Weg in die Abgeschiedenheit eines Gartenhauses zu Cannstatt, um von dort aus die Welt zu motorisieren – zu Lande, zu Wasser und in der Luft.

Im Grunde erzählt das – akustisch sehr gut in Szene gesetzte – Buch die Geschichte von Gottlieb Daimler und den Anfängen des deutschen Automobilbaus, und das auf erstaunlich gut anzuhörende Weise. Mit verschiedenen Sprechern und musikalisch dezenter Untermalung wird hier ein Stück deutsche Industriegeschichte zum Leben erweckt, und eröffnet interessante Einblicke in das Leben eines im besten Sinne von seinem Werk Besessenen. Eine ebenso interessante Kurzbiografie wie ein Stück Technikgeschichte zum Anhören.

Bewertung: ★★★½☆ 

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Wolfram Eilenberger – Finnen von Sinnen

Als ich das erste Mal von Wolfram Eilenbergers humoreskem Buch über die Finnen las, wanderte es sofort auf meinen Wunschzettel, und schaffte es schließlich auf den Stapel für Urlaubslektüre.

Finnen von Sinnen: Von einem, der auszog, eine finnische Frau zu heiraten

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Eine gute Wahl, wie sich herausstellte. Eilenberger ist in der Tat mit einer Finnin verheiratet, und schreibt sich in kurzen, vignettenartigen Kapiteln an die Eigenarten und Macken der Finnen heran. Die kleinen Geschichtchen laden bisweilen zum Lachen ein, manche zum Schmunzeln, manche sind so erkennbar überzeichnet, dass ich sie eher bemüht finde, aber im Kontext ergeben sie dann Sinn.

Kein Klischee wäre zu banal, um hier nicht noch verwurstet zu werden, und der Erzählstrang windet sich lose, aber keineswegs konsequent linear, an der Liebesgeschichte des Erzählers und seiner finnischen Pia entlang, die mehr oder minder in einer typisch finnischen Hochzeit auf dem Lande gipfelt.

Ob es die Liebe des (schweigsamen) finnischen Mannes zu seinem mökki ist, oder das erhebliche Temperaturgefälle zwischen Deutschland und Finnland im Winter, Fußball, Tango, korrektes Saunieren oder die Unerlässlichkeit der Kartoffel bei einem finnischen Mahl, das alles ist augenzwinkernd karikiert und mit augenscheinlich einiger (persönlich erlebter) Sachkenntnis geschrieben.
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Lajos Egri – Literarisches Schreiben

Lajos Egri ist den meisten vor allem ein Begriff durch sein Buch über das Dramatische Schreiben (The Art of Dramatic Writing), das gemeinhin als Standardwerk gehandelt wird. Ich kenne The Art of Dramatic Writing nicht, weswegen ich den 1967 verstorbenen Ungarn nur an diesem Werk messen kann.

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Lajos Egri – Literarisches Schreiben: Starke Charaktere – Originelle Ideen – Überzeugende Handlung

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Barbara Esstman – Mare’s Milk

Barbara Esstman fing nach eigenem Bekunden das Schreiben als Zeitvertreib in einer Midlife-Crisis an und meinte, es sei eine bessere Wahl als „Töpfern oder Makramee“ gewesen – zweifelsohne, denn ihr Roman Night Ride Home wurde 1999 mit Rebecca de Mornay und Keith Carradine verfilmt.

Warum auch immer der Verlag meinte, denselben Roman in Grossbritannien unter dem Titel

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Mare’s Milk

veröffentlichen zu müssen, ist ein Rätsel das sich mir nicht erschließt.

Die Handlung spielt im Jahr 1947 in Missouri. An einem schönen Frühlingstag stirbt der 16-jährige Simon Mahler, als sein Pferd Zad, eine rassige Araberstute, über einen Felsbrocken stolpert und ihn dabei unabsichtlich abwirft, da er nur halb im Sattel gesessen und sich auf diesem herumgelümmelt hatte. Sein Vater, Neal, der die Pferdenarrheit seiner Ehefrau noch nie verstanden oder gut geheissen hat, lässt seine Frau – die vor Trauer außer sich ist – einige Zeit in eine geschlossene Anstalt einweisen, wo man ihr mit Elektroschocks und Psychopharmaka noch den letzten Funken Verstand aus dem Hirn zu treiben versucht.

Noch in derselben Nacht erschießt Neal Mahler Zad, die das Lieblingspferd seiner Frau war, und verkauft alle ihre Pferde, die Nora mit einem kleinen Erbe ihrer Großmutter finanziert hatte. Über Wochen versucht er diesen Akt der Grausamkeit vor Nora zu verbergen. Die Familie bricht schließlich auseinander, Neal zieht mit Tochter Clea in die Stadt und überlässt seine Frau, die seiner Meinung nach nur zu Verstand kommen muss, ihrem Schicksal. Sein Ziel ist es, die Farm zu verkaufen, und alsbald nimmt er einen Job in Chicago an. Doch Nora will auf ihrem Grund und Boden bleiben.
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James Ellroy – The Cold Six Thousand

The Cold Six Thousand“ ist das erste Buch von James Ellroy, das ich gelesen habe, insofern weiss ich nicht, ob seine Sprache in den anderen Werken sich zu ebenso extremen Formen aufschwingt. Denn die Sprache ist das, was dieses Buch schon beim Anlesen bemerkenswert und aussergewöhnlich macht – kurze, stakkatoartige Sätze, verdichtete, teilweise abgebrochene Prosa… nur schwer erschließt sich am Anfang diese Art, die Handlung und die Gedanken der Protagonisten in winzige Bruchteile zu zertrümmern.

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James Ellroy – The Cold Six Thousand

Setzt man die Splitter und Satzfragmente dann aber zu einem Ganzen zusammen, entfaltet sich ein schillerndes Panorama der US-amerikanischen Alpträume und Abgründe.

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