Archiv der Kategorie: Coupland, Douglas

Douglas Coupland – JPod

„Very evil … very funny“ behauptet der Verlag auf dem Rückeinband von Douglas Couplands neuem Werk, und verspricht auf der Front gar: „Microserfs for the age of Google“. Und in der Tat erinnert

jpod

Douglas Coupland: jPod

streckenweise an Couplands Roman über das Geek-Dasein der 90er Jahre.

Die Helden sind eine Art spätgeborene Generation-X, die Arbeitssklaven der Spieleindustrie, protoypische Geeks die sich von Junkfood ernähren und Nächte durcharbeiten, aber Tage damit verbringen Tetris zu spielen, oder obskure und nicht selten kryptographische Rätsel zu lösen. Hauptfigur ist Ethan, der die Geschichte als Ich-Erzähler vorträgt. Seine Mutter baut im heimischen Keller Marihuana an und lebt davon sehr gut, sein Vater geht zu Gesellschaftstanzwettbewerben und arbeitet als Komparse in der Filmindustrie von Vancouver, seine Kollegen haben alle eine mehr oder weniger schräge Macke – bis hin zu dem Typen der sich legal in John Doe hat umbenennen lassen um nur ja das Mittelmaß von allem zu sein, nachdem er in einer radikalvegetarischen lesbischen Kommune aufwuchs.

Auch Frauen gibt es in JPod, das für einen Büro/cubicle-Trakt steht, in welchem durch einen obskuren Verwaltungscomputerglitch ausschliesslich Leute sitzen, deren Nachname mit einem J beginnt. Doch was JPod wirklich fatal macht ist: es gibt kein Entrinnen aus dem System…
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Douglas Coupland – Hey Nostradamus!

GOD IS NOWHERE / GOD IS NOW HERE

Es sind diese Worte, die Cheryl Anway auf ihren Notizblock kritzelt, bevor sie der Vancouver-Variante des Columbine High School Massakers zum Opfer fällt. Es sind diese Worte, die sie zu einer der verehrten Heldinnen des Dramas machen, und die sich als Thema durch Couplands vielleicht seltsamsten Roman ziehen.

Cheryl Anway ist nicht mal 18, und bereits tot, während sie den ersten von vier Teilen des Romans erzählt. Sie ist ein All-American Girl (oder Canadian, aber das spielt hier kaum eine Rolle). Aus der Monotonie des Daseins entrückt sie sich selbst, indem sie bei YOUTH ALIVE!, einer religiösen Jungscharbewegung, Mitglied wird. Kontemplativ aus einem Reich des Dazwischen beäugt sie ihr Dasein, ihre Religiosität und ihre heimliche Ehe mit Jason, der wie sie ein ALIVE!-Kid ist. Schon für diesen ersten Teil des Buches, der uns den Glanz und die Glorie der Welt mit den Augen eines Kindes oder Künstlers nahebringt, lohnt es sich,

Hey Nostradamus!

heynostradamus
aufzuschlagen.

Der nächste Teil der Geschichte führt uns über ein Jahrzehnt später in die Welt von Jason, dessen Leben seit dem Massaker, seit Cheryl in seinen Armen starb, in Trümmern liegt. Sein Kampf mit der Welt, der Obrigkeit, Gott und nicht zuletzt seinem religiösen, verstörten Vater, begleitet uns durch eine kaputte Lebensgeschichte, die in den Bann schlägt. Seine Zusammentreffen mit seinem perfekten Bruder und dessen Frau und der Halbwelt Nordamerikas sind nur Stationen auf dem Weg zum furiosen Finale…

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