Archiv der Kategorie: C

Alan Cumming – Not My Father’s Son

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Alan Cumming kennen die meisten wohl als glatten Anwalt Eli Gold aus der TV-Serie „The Good Wife“, wo er mit einem ebenso glatten amerikanischen Englisch durch die Welt geht. Umso mehr überrascht es, wenn man den Schauspieler dann das erste Mal in der Hörbuchversion seines biografischen Werkes Not My Father’s Son reden hört – sanft und mit einem ausgesprochen angenehmen schottischen lilt.

In diesem Buch erzählt Alan Cumming einen Teil seiner Lebensgeschichte – von seiner Kindheit in Schottland, einem Vater, der ihn, den schwächlichen jüngeren Sohn, der nie etwas gut genug machen konnte, systematisch vertrimmte, der soff, und auch sonst eher ein gewalttätiger Mistkerl war. Gegen den Willen seines Vaters, aber mit der Unterstützung seiner Mutter, flüchtet Cumming schließlich, und ergreift die Chance, eine Schauspielschule zu besuchen.

Allein dieser Teil seines Lebens wäre schon ein Buch wert, und Cumming weiss ebenso spannend zu erzählen wie die Geschichte, die er in Rückblicken aus der Jetztzeit (getrennt mit ‚Now‘ und ‚Then‘ als Ansage) erzählt, in Szene zu setzen. Alan Cumming – Not My Father’s Son weiterlesen

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Jeremy Clarkson – And Another Thing

Der erste Sammelband mit Glossen des bekannten Motorsport-Journalisten Jeremy Clarkson, simpel betitelt mit: The World According to Clarkson, hat mir sehr viel Spaß gemacht.

2007 erschien dann eine Sammlung von Glossen aus den Jahren 2004-2006:

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And Another Thing: The World According to Clarkson. Volume 2

Mit gewohnt spitzer Schreibe und gnadenlosem britischem Sarkasmus bewaffnet, widmet sich Clarkson in diesem Band so interessanten Themen wie Kreditkarten, deutschen vs. amerikanischen vs. neureichen russischen Touristen, schlechten Reality-TV-Shows, natürlich britischer Innenpolitik, der Sinnhaftigkeit von Ski-Resorts in Schottland, der Erfahrung im Zeitalter von Internet und Instant Messaging Kinder im Teenager-Alter zu haben, den Tücken des Brillenkaufs, der Unmöglichkeit in einem F15-Kampfjet eine Zieloptik korrekt zu bedienen, oder auch der Frage, warum es kein Vergnügen ist, in der Vorweihnachtszeit als Promi zu Werbezwecken durch alle Radioshows der Britischen Inseln durchgereicht zu werden.

Wie auch im ersten Band handelt es sich um seine Kolumnen aus der Sunday Times, die hier zusammen gefasst wurden, und die sich dank ihrer knackigen Kürze auch schön mal einzeln zwischendrin zur Erheiterung lesen lassen. Die Themenauswahl ist aber für meinen Geschmack nicht ganz so gelungen wie in Band eins, und auch hier merkt man selbstverständlich den Texten, die sich auf politische Themen beziehen, deutlich ihr Alter an.

Nach wie vor macht Clarksons respektlose Schreibe ungeheuren Spaß; nach wie vor gibt es im deutschsprachigen Raum niemanden der Vergleichbares produzieren könnte, aber so toll wie The World According to Clarkson ist dieser Band nicht geworden. Dennoch einen lohnenswerte Reiselektüre; ideal fürs Flugzeug… denn über Flugreisen regt er sich immer wieder gern (und fachkundig) auf 🙂

Bewertung: ★★★★☆ 

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San Sombrèro: Karibik, Karneval und Kakerlaken

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San Sombrèro: Karibik, Karneval und Kakerlaken

Amazon.de schreibt zu diesem „Reiseführer“:

San Sombrèro (…) heißt das mittelamerikanische Ziel der total verrückten Reiseführer-Reihe, die Länder beschreibt, die es gar nicht gibt! Nach dem zart-bitteren, osteuropäischen Molwanien und dem süß-sauren, südostasiatischen Phaic Tan ergänzt (…) das exotisch-scharfe San Sombrèro die Destinationen-Landkarte der mega-schrägen, aus Australien stammenden Guides.

Wenn Lateinamerika witzig überzeichnet dargestellt wird, gibt es morgens Frühstücksflocken mit Rum, dann tanzen Urlauber zur Ruhmeshalle der Seeräuber. Neben landeskundlichen Infos erfahren Leser alles zu den Regionen San Sombrèros — von der lärmenden Hauptstadt Cucaracha City, in der sich korrupte Präsidenten nur drei Monate an der Macht halten, bis zum dichten Regenwald Maraccas, wo Öko-Lodges so schnell aus dem Boden schießen, wie der Regenwald abgeholzt werden kann. Trendsetter seilen sich in Krater hinab, denn „Volcano-ing“ ist echt angesagt. Auf traditionelle Art hingegen wird das Essen in heimischen Strandcafés serviert — „nach zwei Stunden Wartezeit, kalt und an den falschen Tisch“

So weit, so falsch…

Nach dem Reiseführer in das Balkan-Land Molwanien, der gewissermassen Kultstatus als Satire auf Reiseführer und gleichzeitig augenzwinkernde Glosse über die Eigenheiten ehemaliger Ostblock- und Balkanstaaten geniesst – eine höchst amüsante Lektüre – haben die Autoren Tom Gleisner, Santo Cilauro und Rob Sitch sich dieses Mal aller Lateinamerika- und Karibik-Klischees angenommen die man auf einem Haufen versammeln kann. Und der Reiseführer, der ausführlich mit Karten, Symbolen, Tips und Tricks ausgestaltet ist, ist kaum noch von einem professionellen Guide zu unterscheiden, bis hin zur Ankündigung weiterer Titel (mit weiteren fiktiven Staaten) auf den letzten Seiten des Buches.

Die Karten, Ortsnamen und die spassige Legende zu den Karten sind sehr vergnüglich anzuschauen, hier wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet. Das ist aber leider auch schon das Beste was ich über diesen Reiseführer sagen kann.

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Lee Child – Running Blind

Der 4. Roman der Jack Reacher-Reihe

Das vierte Abenteuer von Jack Reacher zeigt den toughen Ex-Militärpolizisten zunächst in ungewohnter Umgebung: in einem Haus. In seinem Haus, um genau zu sein, denn Jack hat geerbt – ein alter Freund aus Militärtagen hat ihm sein Haus vererbt, und Jack hat bei der Beerdigung auch dessen Tochter Jodie zum ersten Mal seit Jahren wieder gesehen. Aus der attraktiven Fünfzehnjährigen ist mittlerweile eine nicht minder attraktive erfolgreiche New Yorker Anwältin geworden, und Jack befindet sich alsbald mit festem Wohnsitz in einer festen Beziehung.

Wer die Jack Reacher-Romane kennt, weiß, dass das nicht lang gut gehen kann … unvermittelt gerät Reacher, der rein aus Gewohnheit in eine Schutzgeldaffäre hineinfunkt, die ihm bei Restaurantbesuchen ins Auge gefallen ist, in den Fokus des FBI. Denn jemand tötet systematisch Frauen, die früher beim Militär waren. Und Jack kannte jedes der Opfer, und das Täterprofil passt genau auf ihn…

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Lee Child: Running Blind

Mit einem Trick erpresst das FBI Reacher, ihnen bei den Ermittlungen behilflich zu sein, nachdem klar ist dass er nicht der Täter sein kann. Da man ihm nicht drohen kann, bedrohen sie indirekt seine Freundin Jodie, etwas das ihm gar nicht schmeckt und ihn noch weniger geneigt macht, mit den Spezialisten aus Quantico zusammen zu arbeiten, zumal er der Meinung ist, dass diese mit ihren Ideen und Täterprofilen um Meilen daneben liegen.

Der Mörder, den sie jagen, ist hochintelligent und hinterlässt absolut keine Spuren am Tatort, was fast unmöglich erscheint. Offenbar hat er es auf Frauen abgesehen, die nach einer Klage wegen sexueller Belästigung mit Entschädigungszahlungen die Armee verlassen haben. Alle Opfer werden in ihren Badewannen gefunden. Es gibt keine Zeichen von Gegenwehr, und die Frauen liegen in olivgrüner Army-Tarnfarbe. Der Gerichtsmediziner kann keine Todesursache feststellen.

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Douglas Coupland – JPod

„Very evil … very funny“ behauptet der Verlag auf dem Rückeinband von Douglas Couplands neuem Werk, und verspricht auf der Front gar: „Microserfs for the age of Google“. Und in der Tat erinnert

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Douglas Coupland: jPod

streckenweise an Couplands Roman über das Geek-Dasein der 90er Jahre.

Die Helden sind eine Art spätgeborene Generation-X, die Arbeitssklaven der Spieleindustrie, protoypische Geeks die sich von Junkfood ernähren und Nächte durcharbeiten, aber Tage damit verbringen Tetris zu spielen, oder obskure und nicht selten kryptographische Rätsel zu lösen. Hauptfigur ist Ethan, der die Geschichte als Ich-Erzähler vorträgt. Seine Mutter baut im heimischen Keller Marihuana an und lebt davon sehr gut, sein Vater geht zu Gesellschaftstanzwettbewerben und arbeitet als Komparse in der Filmindustrie von Vancouver, seine Kollegen haben alle eine mehr oder weniger schräge Macke – bis hin zu dem Typen der sich legal in John Doe hat umbenennen lassen um nur ja das Mittelmaß von allem zu sein, nachdem er in einer radikalvegetarischen lesbischen Kommune aufwuchs.

Auch Frauen gibt es in JPod, das für einen Büro/cubicle-Trakt steht, in welchem durch einen obskuren Verwaltungscomputerglitch ausschliesslich Leute sitzen, deren Nachname mit einem J beginnt. Doch was JPod wirklich fatal macht ist: es gibt kein Entrinnen aus dem System…
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Lee Child – Echo Burning

Der 5. Roman der Jack-Reacher-Reihe

Jack Reacher hat es in

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Echo Burning

nach Texas verschlagen – genauer in die verschlafene Gemeinde Echo, ein Dörfchen, das zum Ort Pecos gerechnet wird. Hier sind echte Männer noch Männer die das Gesetz selbst machen, Mexikaner sind „beaner“ und werden als wertlos erachtet, und die Mühlen des Gesetzes mahlen mit der Geschwindigkeit geologischer Äonen.

An einem glühend heissen Tag wird Reacher von einer jungen Frau als Tramper aufgesammelt, doch bald stellt sich heraus, dass das kein Zufall war – sie war auf der Suche nach jemandem wie ihm, der ihr vielleicht helfen kann. Und sie erzählt eine herzzerreissende Geschichte über sich, ihr Kind und ihren sie misshandelnden Mann, dem sie zu entkommen versucht. Carmen Greer ist Tochter aus gutem Hause in Kalifornien und hat einen Universitätsabschluss, aber das interessiert in Echo, Texas, niemanden – hier ist sie nur die chica, die sich ein Kind hat machen lassen, um den reichen Ranchersohn an die Angel zu bekommen, und so wird sie auch behandelt.

Doch ihr Ansinnen, für sie ihren Ehemann, Sloop, zu töten, sobald dieser aus dem Knast kommt, wo er wegen Steuerhinterziehung einsass, lehnt Jack ab. Er stimmt dennoch zu, sich ihre Situation anzusehen, und lernt dabei ihre „Familie“ und ihre kleine Tochter Ellie kennen. Carmens Schwager Bobby glaubt, Jack sei ihr Liebhaber, und versucht ihn von zwei Rodeo-Burschen aus dem Weg räumen zu lassen – keine gute Idee. Allerdings wird Reacher in der Folge von den State Troopers von der Farm geholt – und am Tag drauf ist Sloop tot, und Carmen hat ihn mit ihrer Handwaffe erschossen, an der auch Reachers Fingerabdrücke zu finden sind…

Reacher versucht nun, zusammen mit einer Anwältin Carmen zu helfen, vor allem damit Ellie, ihre Tochter, nicht in die Familienfürsorge abgeschoben wird. Ist sie wirklich, wer sie zu sein vorgibt? Ihre medizinischen Akten scheinen nicht zu bestätigen, dass Sloop sie misshandelt hat, dafür tauchen Dokumente auf, die belegen, dass Carmen vom Tod ihres Mannes profitieren würde.
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Rachel Caine – Sturm der Dämonen

Ich freue mich immer, wenn Verlage, noch dazu kleine Verlage, sich Themen wie SciFi und Phantastik widmen. Der Festa Verlag gehört zu diesen Verlagen und bezeichnet sich selbst in seiner Webpräsenz als „Haus der Fantastik“, welches auch Sonderausgaben als Hardcovers herausgibt, wie etwa eine H. P. Lovecraft-Biographie.

Der Schwerpunkt liegt auf Horror und Dark Fantasy, aber mit

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Rachel Caine – Sturm der Dämonen
Weather Warden Band 1

erschliesst sich der Verlag ein neues Subgenre.

Wie fast alle Veröffentlichungen von Festa handelt es sich um eine Übersetzung aus dem Englischen, die leider hier und da gewisse Ungereimtheiten aufweist und unrund klingt, so etwa bereits beim Einstieg, einer Anleitung für den Umgang mit Dschinn(s). Da wird Dschinn / Djinn mal mit, mal ohne Artikel, mal als generische Speziesbezeichnung, dann wieder als Einzellebewesen ohne Unterscheidung verwendet, so dass alles etwas holprig klingt. Leider habe ich nicht den Originaltext zum Vergleich vorliegen.

Auch sonst ziehen sich durch den gesamten Roman kleine, aber für jemanden, der Englisch gut versteht, irritierende Fehler in der Übertragung idiomatischer Ausdrücke und Redewendungen. In der Kombination mit Rachel Caine’s Schreibstil ergibt das eine sehr merkwürdig anmutende Lektüre.

Wer ist Rachel Caine, oder vielmehr wer ist Roxanne Longstreet Conrad, fragte ich mich beim obligatorischen Blick ins Impressum, da dort diese als Copyright-Inhaber angegeben ist. Roxanne Longstreet Conrad ist Autorin im Bereich Science Fiction, Horror, Fantasy, Mystery. Daneben schreibt sie Bücher (media tie-ins) für Serien wie Buffy oder Angel unter verschiedenen Namen, und an diese erinnert mich der erste Band von Weather Warden auch. Rachel Caine ist eines ihrer Pseudonyme, momentan das wohl erfolgreichste.

In Sturm der Dämonen – auf Englisch etwas treffsicherer (und weniger vom Plot verratend) mit Ill Wind betitelt – entwirft sie eine interessante Variante der urban fantasy, die ohne Vampire oder Shadowrun-Versatzstücke auskommt.

Das Wetter auf der Erde, eine magische und oft an sich böswillige und irgendwie denkende Macht mit eigenen Intentionen, wird kontrolliert von einer Gruppe von rund 100 Elementar-Magiern, die jeweils eines der Elemente korrigieren und beeinflussen können. Einer dieser Magier ist die Hauptfigur, Joanne, und zu Beginn des Romans befindet sie sich auf der Flucht vor ihren magischen Kollegen, da sie offenbar etwas Todeswürdiges verbrochen hat. Sie ist auf der Suche nach Lewis, einem alten Freund und dem wohl mächtigsten Magier der Erde, da sie sicher ist, dass er ihr als einziger helfen kann. Lewis befindet sich allerdings ebenfalls auf der Flucht vor den Kollegen der Weather Wardens, der Wetterwächter.
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Dr. Sandra Cabot – Das Leber-Reinigungs-Programm

“So verbessern Sie Ihre Leberwerte und entgiften Sie Ihren Körper” verspricht die australische Ärztin Dr. Sandra Cabot in

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Das Leber-Reinigungs-Programm

Und nach den üblichen credentials geheilter Patienten, wie sie zu jeder Wunderkur gehören, erläutert Cabot die Grundlagen ihres Plans, mit lexikalischem Wissen über die Leber, tollen Diagrammen, und vielen ebenso vagen wie durch keinerlei Studien oder Quellen belegten Behauptungen.

Immerhin weiss Dr. Cabot einiges über Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren und hat auch schon mal davon gehört dass der menschliche Körper Cholesterin braucht, aber prompt empfiehlt sie anschliessend den Verzehr von möglichst wenig tierischem Eiweiss und das Wegschneiden allen bösen Fetts…

Die Lehre von Dr. Cabot windet sich im wesentlichen um einen Satz von Regeln, ich nenne sie mal ihre 12 Gebote:

  1. Hören Sie auf Ihren Körper
  2. Trinken Sie viel stilles Mineralwasser
  3. Essen Sie wenig Zucker
  4. Zählen Sie nicht ständig Kalorien
  5. Meiden Sie unverträgliche Nahrungsmittel
  6. Achten Sie auf einwandfreie Nahrungsmittel
  7. Essen Sie nicht wenn Sie Stress haben
  8. Kaufen Sie Produkte aus biologischem Anbau
  9. Achten Sie auf Ihre Eiweissquellen
  10. Wählen Sie Brot und Brotaufstriche klug aus
  11. Vermeiden Sie Verstopfung
  12. Verwenden Sie die richtigen Fette

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