C. J. Cherryh – Der Biß der Schlange

C. J. Cherryh ist dafür bekannt, dass sie lebensechte, komplexe Alienzivilisationen und -kulturen erschafft. Dieser Roman ist ein Paradebeispiel dafür.

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C.J. Cherryh – Der Biß der Schlange.

Die Kultur der Kontrin, unverkennbar eine menschliche Zivilisation, hatte über Jahrhunderte keine Kontakte zum Rest des humanoiden Universums. Statt dessen entwickelte sie fantastische Technologien und Lebensweisen in der Interaktion mit den Majat, einer nur schwer zu begreifenden einheimischen insektoiden Spezies. Seite an Seite leben die Kontrin und ihre durch Gentechnik erschaffenen Helfer, die Azi und die Betas, mit den bedrohlich-fremden Insekten, die von den Kontrin-Adligen wie eine Art entwickelte Zootiere angesehen werden.

Die Kontrin sind primär mit Machtspielen, Verrat und Attentaten zwischen ihren superreichen Clans beschäftigt. Raen a Sul überlebt als einzige das Abschlachten ihrer Familie, und schwört den Attentätern bzw. deren Hintermännern grausame Rache. Sie nutzt die besondere Beziehung ihres Clans zu den Insektenwesen und verschafft sich eine nahezu unangreifbare Position zwischen Majat und Kontrin. Doch schon bald, während sie den mehr oder weniger verdeckten weiteren Anschlägen auf ihr Leben ausweicht, obwohl ihr Immunität zugesichert wurde, sieht sie eine Katastrophe für ihr Volk heraufziehen, die der interplanetare Hochadel der Kontrin nicht einmal im Ansatz erahnt… und eine gigantische Chance für sich selbst.

Cherryh macht es dem Leser nicht einfach; hier wird nichts erklärt, wir blicken mit dem Blick von Insidern in eine uns vollkommen fremde Realität, die für diese selbstverständlicher Alltag ist, und gerade das macht den Roman so atmosphärisch, das Eintauchen in die anderen Welten so vollkommen.

Die komplexen Zusammenhänge des Plots haben die Tiefe eines ausgefeilten Krimis, und auch beim zweiten oder dritten Lesen fallen noch Feinheiten auf, die plötzlich in einen ganz anderen Sinnzusammenhang rücken.

In diesem Roman schreibt Cherryh zwar keine technische, aber doch klassische SciFi auf hohem Niveau. Ihr Blick auf eine hochgradig andersartige insektoide Kultur mit Werten und Zielen, die nicht einmal annäherend anthropogen sind, ist ungewöhnlich und faszinierend… und sorgt für so manche Überraschung. Einer der besten SciFi-Romane, die ich kenne.

Bewertung: ★★★★★ 

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