Birgit Fiolka – Sit-Ra. Die Rache der weisen Frau

Die Schriftstellerin Birgit Fiolka interessiert sich schon seit ihrer Kindheit für das alte Ägypten und hat mehrere Romane geschrieben, die in der Pharaonenzeit spielen. Der Roman

sitra

Birgit Fiolka: Sit Ra – Die Rache der weisen Frau.

erzählt die Lebensgeschichte der Prinzessin Sit-Ra, einer Tochter Echnatons. Ihre Amme – ebenfalls mit dem Namen Sit-Ra, deren Leben wird in Sit-Ra. Weise Frau vom Nil. aufgerollt – hinterlässt ihr Papyri mit Aufzeichnungen, die das Leben der jüngeren Sit-Ra auf ewig verändern. Die Prinzessin begreift, dass ihr Platz bei Hofe ist und sie die Geschicke Ägyptens nicht widerstandslos in die Hand der derzeitigen Herrscher legen kann. Sie muss ausziehen und ihren Thronanspruch geltend machen, obwohl es genau das ist, was sie nie wollte – damit das Land am Nil blühen kann.

Der Herrscher Ägyptens ist Horemheb oder Haremhab, der ursprüngliche Oberbefehlshaber des Militärs unter Echnaton, der auch auf die Regentenzeit Tutanchamuns Einfluß gehabt hat und sich später, vor den Ramessiden, zum Pharao aufschwang. Mit dem Kniff, die nicht belegte Tochter Echnatons Sit-Ra als vorgeblich matrilineare Erbin des Throns einzubringen, und sie noch als junge Frau einen Bürgerlichen, den späteren Ramses den I., heiraten zu lassen, schlägt Fiolka hier den Bogen von Haremhab zu seinem Wesir Paramessu / Ramses.

Die Frage der Matrilinearität in der Thronfolge der ägyptischen Pharaonendynastien ist umstritten, glaubt man diese Prämisse des Romans allerdings, ergibt sich ein interessantes Sittengemälde persönlicher und politischer Verflechtungen und Betrügereien am Hofe Ägyptens. Auch die Sichtweise Fiolkas auf Echnaton kann man durchaus in Frage stellen, historische Genauigkeit ist nicht ihre Stärke. Das macht sich nicht nur an den konsistent gräcisierten Ortsnamen oder Eigenbezeichnungen fest – das könnte vom Verlag gewollt sein – sondern auch daran, dass dem Roman der Geschmack des Ägyptischen fehlt.

Fiolka erzählt eine klassisch-dramatische Liebesgeschichte, von einer Frau, die sich in jemanden verliebt, den sie zu hassen glaubte, und der verliebt sich (natürlich) in sie, obwohl er meinte, sie nur benutzen zu können. Am Ende sind beide gebrochene Gestalten, die von den Zwängen, die ihre höheren Aufgaben und ihr Leben ihnen auferlegen, aber auch von ihren eigenen menschlichen Begierden, von Arroganz, Stolz, Hass und Hochmut auseinander getrieben werden – natürlich nur zum Wohle Ägyptens.

Leider vermag die Autorin jedoch nicht die Faszination des Landes von Binse und Biene zu vermitteln – so stark und emotional intensiv ihre Charaktere geschildert sind, so blass und detailarm bleibt der historische, der geographische, der kulturelle Background. Die Plots könnten austauschbar auch in Griechenland, dem alten Rom oder in sonst einer Kultur spielen, weder das Alltagsleben noch das sakrale Ägypten, weder die klimatischen und sozialen, noch die künstlerischen Besonderheiten Ägyptens finden bildhaft Eingang. Das pharaonische Ägypten erwacht hier nicht zu neuem Leben, sondern bleibt reiner Bilderrahmen. (Stattdessen erlaubt sich Fiolka auch noch Schnitzer wie den, eine ägyptische Prinzessin Mais essen zu lassen… )

Für mich war der Roman unbefriedigend – die Story ging zu Herzen, ohne Frage, aber leider ansonsten am Thema, nämlich dem Ägypten der ausgehenden 18. Dynastie, vorbei. Von einem historischen Roman erwarte ich, dass er etwas von der Zeit erzählt, das über Lügen, Kriege und Intrigen hinausreicht, und das kann Birgit Fiolka zumindest mit diesem Buch nicht bieten.

Bewertung: ★★☆☆☆ 

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