Bill Bryson – Picknick mit Bären

Ist dieses Buch nun eine Biographie, ein heiterer Roman, eine Reisebeschreibung oder ein Wanderbericht? Vermutlich ein bißchen von allem… Der amerikanische Originaltitel lautet „A Walk in the Woods“, und das wird diesem Buch auch eher gerecht als der Titel der deutschen Übersetzung. Denn eines schönen Tages beschließt Bill Bryson, einen Spaziergang im Wald zu machen – zugegebenermaßen einen etwas längeren. Ihn lockt einer der längsten Wanderwege der Welt, der Appalachian Trail, der sich gut 3500 km weit durch 14 Bundesstaaten der USA erstreckt.

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Bill Bryson – Picknick mit Bären

Warum tut jemand so etwas? Aus Freude am Wandern? Bryson ist in den 20 Jahren, die er in England gelebt hat, viel gewandert, aber die Begehung eines praktisch nicht dokumentierten und nur mässig ausgezeichneten Fernwanderwegs in den Weiten der U.S.A. unterscheidet sich doch gewaltig von einem Sonntagnachmittagsspaziergang in den Wäldern Britanniens.

Gemeinsam mit seinem Freund Stephen Katz, der sprichwörtlichen Couch Potato, der stark übergewichtig ist und von Fernsehen, Junk Food und Limonade abhängig, wagt sich der neugierige Journalist auf den Pfad der Pfade. Dabei begegnet er nicht nur vielen obskuren Landsmännern und Leidensgenossen, sondern auch mindestens ebenso vielen – wie sich zeigt nicht selten berechtigten – Vorurteilen über die US-Amerikaner.

Mit gewohntem Witz und viel Liebe zum Detail und zu abstrusen Statistiken begleiten wir Katz und Bryson brummelnd, fluchend, lachend, mitleidend durch die Höhen und Tiefen des Wanderwegs im amerikanischen Osten. Was macht es da schon, dass Katz mit seiner Leidenschaft für Schokoriegel nicht gerade die besten Voraussetzungen mitbringt und unterwegs auch schon mal gefrustet die Wegzehrung der nächsten beiden Wochen in eine Schlucht wirft. Immerhin lieben Bären Snickers, wie wir bei einem der wundervoll ironischen Einsprengsel Brysons erfahren, genauer, er lässt sich ausgiebig – wie es seine Art ist – über die Gefahren des Kampierens im Wald, insbesondere Bären aus…

Ob und wie die beiden nun tatsächlich mit Bären picknicken, das will ich hier nicht verraten. „Picknick mit Bären“ ist eine leichtfüssige Reiseerzählung, bei der Bryson nebenher noch den sorglosen und umweltschädigenden Umgang seiner Mit-Staatsbürger mit ihren Wäldern und der großartigen Natur aufs Korn nimmt. Das belegt er gewohnt souverän mit ausführlichen Statistiken, die sogar für Zahlenhasser noch amüsant geschrieben sind. Auch die Überraschungselemente kommen nicht zu kurz auf der Reise, was den Leser dazu veranlasst, das Buch keine Sekunde auf die Seite zu legen. Bill Bryson hält uns in seinem Bann gefangen.

Bewertung: ★★★★☆ 

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3 Gedanken zu „Bill Bryson – Picknick mit Bären“

  1. Als das Buch herauskam, war der Appalachian Trail schon lange hervorragend dokumentiert, zudem ist er hervorragend beschildert/markiert, so dass man ihn auch ohne Karte gar nicht verfehlen kann 😉
    Und was die Schwierigkeit angeht: die Wege entsprechen dem, was man so im Schwarzwald/Schwäbischen Alb/Sächsische Schweiz antrifft und man ist immer nur wenige hundert Meter weg von der „Zivilisation“.

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