Bernhard Hoëcker – Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers

Die meisten Menschen, bemerkt Bernhard Hoëcker launig in seinem Buch

schnitzeljaeger

Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers

kennen ihn nicht, was bei 6 Milliarden Menschen auf der Erde auch nicht so überraschend sei, aber selbst die die ihn kennen, halten ihn eigentlich für einen Comedian, der im Fernsehen und auf der Bühne irrsinnig komische oder kluge Dinge sagt. Was auch unter denen, die ihn kennen, allerdings weit weniger Leuten bekannt ist, ist dass der Mime aus Bonn ein leidenschaftlicher Geocacher ist.

“Geo-was?” lautet die fatale Frage, die ihm alsbald Gelegenheit geben wird, sein schier enzyklopädisches Wissen voller Überschwang und höchst ausführlich an den Mann oder die Frau zu bringen, und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Geocaching (von griech. γη, geo „Erde“ und engl. cache „geheimes Lager“ (gesprochen: [‘dʒiːoʊ̯kæʃɪŋ], in Deutschland zumeist [‘geːokɛʃɪŋ])), auch GPS-Schnitzeljagd, ist eine Art elektronische Schatzsuche oder Schnitzeljagd. Die Verstecke („Geocaches“, kurz „Caches“) werden anhand geographischer Koordinaten im Internet veröffentlicht und können anschließend mit Hilfe eines GPS-Empfängers gesucht werden.

Ein Geocache ist in der Regel ein wasserdichter Behälter, in dem sich ein Logbuch sowie verschiedene Tauschgegenstände befinden. Jeder Besucher trägt sich in das Logbuch ein, um seine erfolgreiche Suche zu dokumentieren. Anschließend wird der Geocache wieder an der Stelle versteckt, an der er zuvor gefunden wurde. Der Fund wird im Internet auf der zugehörigen Seite vermerkt und gegebenenfalls durch Fotos ergänzt. So können auch andere Personen – insbesondere der Verstecker („Owner“) – die Geschehnisse rund um den Geocache verfolgen. — Wikipedia: Geocaching

Ganz vereinfach ausgedrückt, jemand versteckt eine Tupperdose im Wald, notiert sich die Koordinaten, stellt diese ins Internet, und jemand anders geht los die Tupperdose zu suchen, zu finden, und am gleichen Ort wieder zu verstecken – sowie zu Hause am heimischen Rechner kund zu tun: Ich war da. Bekloppt? Mitnichten.

Mit Geocaching zurück zur Natur” lautet der Untertitel des bei Rowohlt erschienenen Buches – und das trifft es recht gut. Geocaching ist ein Hobby, das einen vor die Tür bringt, auf kleine und große Wandertouren, hübsche Stadtrundgänge oder auch an Orte die man nie zuvor gesehen hat und von denen man auch nie gedacht hätte sie jemal zu sehen. Es bringt den Geocacher zu den kleinen lokalen Sehenswürdigkeiten oder grossen verfallenen Orten der Geschichte, es macht Spaß und hilft, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Und dabei ist Geocaching durchaus nicht nur ein Hobby für eine Handvoll Technikverrückte – es gibt männliche und weibliche, junge und alte Cacher aus allen Gesellschaftsschichten, und weltweit wurden bis heute mehr als 400.000 Caches versteckt.

Bernhard Hoecker erzählt in seinem Buch natürlich von den Grundlagen des Cachens, vor allem aber aus seinem Cacherleben, gespickt mit viel sinnvollem – und noch mehr sinnlosem – Zusatzwissen, mit atemberaubenden Fußnoten und wortgewaltiger Satire, führt die Leser anhand höchst anschaulicher lebensechter Beispiele durch unterschiedliche Cachetypen, schlammige Wälder und auf lichte Anhöhen. Dabei vergisst er auch nicht, ausführlich Pleiten, Pech und Pannen zu erwähnen – an denen natürlich ausschliesslich die anderen (allen voran sein Freund und Techniker Tobi) schuld sind. Es macht einen Heidenspaß, den überdrehten, sprachverliebten Texten Hoëckers zu folgen, ihm beim Buddeln über die Schulter zu sehen, mit ihm zu überlegen, ob und wann man in Deutschland unter welchen Randbedingungen welche Strassen befahren darf, oder einfach auch mal dumm aus der Wäsche zu guggen.

Bei aller satirischen Überspitzung ist das Buch jedoch eine ernstzunehmende (wenn auch nicht immer ernsthafte) Einführung in eine echte “Trendsportart” die an den Medien bislang weitestgehend vorbei gegangen ist. Und gleichzeitig einfach nur schön und witzig zu lesen.

Manche spaßigen Einlagen kann man allerdings erst verstehen und wertschätzen, wenn man selbst Geocacher ist. Im Grunde ist Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers: Mit Geocaching zurück zur Natur eher ein Buch für den Geocaching- (und Hoëcker-) Fan, denn für Einsteiger in die Thematik gedacht. Dann kann man auch herzlich lachen, wenn B. H. (so das Kürzel von Tobi) wieder einmal nach stundenlanger strapaziöser Tour, bei der er abwechselnd sich, seinen Mitcacher, den Cacheleger, Wildschweine und das Universum verflucht hat, ins Log schreibt: Total einfach, superschönes Wetter, schnell gefunden, danke für den Cache.

Auf jeden Fall eine höchst vergnügliche Lektüre für Geocacher und alle, die sich schon immer mal gefragt haben, was Geocaching eigentlich ist, und warum Menschen so verrückt sind, im Wald nach vergrabenen Tupperdosen zu buddeln. Hier ist die Antwort.

(Und warum nasse Oberflächen dunkler sind als trockene, erfährt man neben vielen anderen wissenswerten Dingen auch noch. SCNR.)

Bewertung: ★★★★☆ 

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